Was heisst eigentlich Friede?

Wir leben in einer Generation, die in Europa Krieg nur aus dem Fernsehen kennt. Seit über 70 Jahren gab es in Deutschland keinen Krieg mehr. Dies ist aber eine Seltenheitauf der Welt. Weltweit gibt es unzählige Kriege undKonflikte, über die nicht einmal in den Medien berichtet
wird. Trotzdem reden alle lieber vom Frieden – Politiker, Bürgerinitiativen, Jugendgruppen, Kirchenführer. Jährlich wird der Friedensnobelpreis verliehen. „Den Frieden schaffen“, lautet die Parole. So entsteht der Eindruck, man brauche ihn nur zu wollen, und dann gäbe es ihn schon. Stimmt das? Wollen nicht alle den Frieden? Bringt die Existenz von Friedensbewegungen in Geschichte und Gegenwart nicht die Sehnsucht aller Menschen zum Ausdruck?

Frieden – was ist darunter zu verstehen?

„Friede ist der völkerrechtliche Zustand ungebrochener Rechtsordnung zwischen Staaten, wobei Waffengewalt zur Durchsetzung von Interessen ausgeschaltet ist …“ und „Friede war ursprünglich die rechtliche Ordnung innerhalb einer Gruppe“, sagt uns das Lexikon. Es geht also immer um mehrere Personen, Gruppen oder Völker, die miteinander leben wollen oder müssen. Je weiter man vom anderen entfernt lebt, desto einfacher ist es, Konflikte zu  vermeiden.Berührungspunkte werden leicht zu Reibungsflächen, und aus Reibungen  entstehen schnell Reibereien, die die Vorstufe von offenen Konflikten sind. Somit stellen wir fest, dass Frieden nicht nur Nationen betrifft, sondern auch unser persönliches Leben. Wir
möchten Frieden mit unseren Freunden, Familien, Studien- oder Arbeitskollegen, Nachbarn und der Gesellschaft. Jedoch können wir den Frieden oft nicht in allen Bereichen gleichzeitig wahren. Daher ist es wesentlich leichter, für den Frieden in der Welt zu demonstrieren, als im engstenUmkreis, etwa dem der Familie und des Arbeitsplatzes, Frieden zu praktizieren. Frieden in dem Sinn, allen Streit zu vermeiden, ist erst dann möglich, wenn sich alle Beteiligtenan vertragliche Abmachungen halten und dabei auf einStück persönlicher Freiheit verzichten.

Ist Frieden nicht doch mehr, als bloß Streit zu vermeiden?

Ja, das ist ohne Frage so, denn wenn z. B. Ehepartner nicht miteinander reden und Eltern für ihre jugendlichen KinderLuft sind – oder umgekehrt –, sie also in vermeintlich „friedlicher
Koexistenz“ leben, dann fällt hier weder ein böses Wort, noch steht man in harten Auseinandersetzungen.Trotzdem ist kein Frieden da. Jeder der Beteiligten leidet zumindest darunter, dass er alleingelassen bleibt.
Auch im Zusammenleben der Völker wird unterschiedenzwischen Frieden und Waffenstillstand. Waffenstillstand – mit welchen Waffen auch immer gekämpft wurde – hat
stets vorläufigen Charakter. Entweder es kracht in Kürze wieder oder es kommt zu einem dauerhaften Miteinander. Frieden zielt auf Gemeinsamkeit, Verbundenheit, ja, Verbindlichkeit und gegenseitige Anteilnahme. Wer Frieden will, dem geht es nicht nur um Abwehr oder Beendigung von bewaffneten Auseinandersetzungen, sondern um ein  Miteinander in möglichst allen Bereichen menschlichen Zusammenlebens, indem man sich versteht und gegenseitig unterstützt.

Wer ist mit solch einer Herausforderung angesprochen?

Jeder muss solchen Frieden ausleben, weil auch jeder an irgendeiner Stelle auf Mitmenschen angewiesen ist, die Regierungschefs und Politiker ebenso wie die Bürger im Bereich des Staates und der Völker untereinander, die Vorgesetzten ebenso wie die Mitarbeiter, die Ehepartner, Familienglieder und die Nachbarn. Jeder ist in seinem jeweiligen Bereich angesprochen und nach seinem Beitrag zum echten Frieden gefragt.

Was kann ich zum echten Frieden beitragen?

Die Antwort darauf hängt davon ab, ob du nur von menschlichen Friedensüberlegungen ausgehen oder auf das hören willst, was Gott über den Frieden sagt. Wer Christ ist, wird seine Fragen an Gott richten und von seinem Wort, der Bibel, die Antwort erwarten. Jesus sagte in seiner berühmten Bergpredigt: „Wie glücklich sind die, von denen Frieden ausgeht! Sie werden Kinder Gottes genannt.“158 Jesus spricht an dieser Stelle nicht davon, einen Zustand des Friedens zu bewahren, sondern aktiv Frieden zu schaffen. Von uns Menschen soll Frieden ausgehen! Dies sollte eine Herausforderung an jeden sein.

Was versteht die Bibel unter Frieden?

Der erste Teil der Bibel, das Alte Testament, redet hauptsächlich vom Handeln Gottes in der Geschichte, insbesondere der des kleinen Volkes Israel. Von Anfang an war für dieses Volk der „Schalom“ Gottes (d. h. der Friede, welcher sowohl das äußere Wohlergehen als auch die innere Ruhe der Einzelnen meint) lebenswichtig. Dieser „Schalom“ ist das ganz spezielle Geschenk Gottes an sein Volk und darf somit nicht ohne Weiteres auf alle Menschen allgemein
übertragen werden. Nur wer zu diesem Gottesvolk gehörte, befand sich unter dem Schutz Gottes. Der bekannteste Segen für Israel wird heute auch in vielen Kirchen ausgesprochen:
„Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“ 159 Durch Jesus Christus stehen nicht nur das Volk Israel, sondern alle Menschen, die zu Jesus gehören, unter
dem Frieden und Schutz Gottes.160 Wir lesen im Neuen Testament, dass Frieden und die Furcht vor dem Herrn eng zusammengehören. 161 Unter Furcht muss man sich aber nicht
Angst und Schrecken vorstellen, sondern es bedeutet, zu respektieren, dass Gott höher steht als der Mensch und dass Gottes Wille unserem Willen überlegen ist.

Im Alten Testament wurde Jesus als der Friedefürst angekündigt. 162 Der Friede, den Jesus Christus darstellt und vermittelt, ist der Bund, den der heilige Gott mit dem unheiligen
Menschen eingegangen ist, und zwar völlig einseitig von Gott ausgehend.163 Der Mensch konnte von sich aus nichts zu diesem Bund beitragen. Das Zeichen für göttlichen Frieden ist das Kreuz, an dem Jesus Christus starb.164 Dort hat Gott Frieden mit den Menschen  geschlossen, obwohl wir noch seine Feinde waren.165 Dies war möglich,ohne dass menschliche Vorleistung nötig war.

Was bewirkt der Friede mit Gott?

Es geht Jesus nicht primär um politischen oder sozialen Frieden.166 Jesus möchte zuallererst Frieden zwischen dir und Gott schließen und dann auch zwischen dir und deinen Mitmenschen.167 Wenn du bezeugst, dass Jesus dein Herr und Retter ist, dann wirst du Teil des neuen Bundes mit Gott und erfährst den „Schalom“ Gottes, der im Alten Testament erwähnt wird. Dieser Begriff aus dem Hebräischen bedeutet nicht nur Frieden, sondern auch Ruhe, Stille, Vollzähligkeit, Unversehrtheit, Wohlergehen, Sicherheit, Gesundheit, Wohlstand, Gedeihen, Freundschaft. Der Friede Gottes ist so umfassend, dass er den menschlichen  Verstand übersteigt.168 Er wird für Menschen, die mit Gott leben, in der Gegenwart bereits erfahrbar, auch wenn es äußerlich „schlecht“ um sie steht. Jedoch wird erst in der Ewigkeit bei Gott der Friede Gottes unbegrenzt erfahrbar sein.169 Als Außenstehender kann man davon vielleicht einen Bruchteil erahnen.
Es ist nicht möglich, den „Schalom“ Gottes rein politisch, sozusagen „gottlos“, beanspruchen zu wollen. Dies erklärt auch, warum gottlose Politiker es nicht schaffen, dauerhaft Frieden auf der Welt zu schaffen. Menschliche Ansätze sind vergeblich und zum Scheitern verurteilt. Das klingt hart, aber ist offensichtlich die Realität.

Warum hat die Welt noch keinen Frieden, obwohlJesus auf der Erde war?

Zunächst müssen wir feststellen, dass Gott gut ist und Gutes tut.170 Alles, was Gott am Anfang der Welt erschuf, war gut.171 Durch den Sündenfall des Menschen kamen die Sünde und damit auch das Böse in die Welt.172 Seitdem stehen alle unter der Herrschaft des Bösen. Die Versuchung, etwas gegen Gottes Willen zu tun, kam vom Teufel, der auch Versucher genannt wird.173 Gott selbst versucht keinen Menschen zum Bösen.174 Er kann jedoch zulassen, dass Menschen durch den Teufel verführt werden. Da, wo wir Böses, Leid und Kriege in der Welt sehen, herrscht das Böse, welches als Abwesenheit des Wirken Gottes verstanden werden kann. Die Ursache für das Böse sind die Gottlosigkeit, Ungerechtigkeit und Gesetzlosigkeit der Menschen. Jeder Mensch befindet sich mehr oder weniger im Unfrieden mit Gott. Die  Bandbreite reicht von Gleichgültigkeit gegenüber Gott bis hin zum militanten Atheismus.
Egal, wie deine Haltung aussieht: Jeder, der nicht an Gott glaubt, ist ein Sünder. Die Schuld an diesem Zustand hat nicht Gott, sondern jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich.
Krieg, Leid und Tod sind nicht von Gott gewollt, sondern Folge von Gottlosigkeit.
Ja, es stimmt: Jesus hat bereits den Tod entmachtet und die Welt überwunden.175 Dies ist das einzigartige Friedensangebot, das Gott allen Menschen gemacht hat, die an ihn glauben. Gott möchte, dass alle Menschen errettet werden.176 Noch hat jeder Mensch Zeit, das Angebot durch Glauben anzunehmen und Frieden zu bekommen. Weil aber nicht jeder Mensch dieses Angebot annimmt, sondern sich weiterhin für das Böse entscheidet, gibt es immer noch Vernichtung, Chaos und Unheil in der Welt.177 Christen bekommen durch den Heiligen Geist den Frieden von Jesus Christus, den die Welt nicht geben kann, und sie müssen daher in Krisenzeiten keine Angst mehr haben.178

Außerdem ruft Jesus Christen dazu auf, anderen Menschen vom Frieden, den Gott mit den Menschen geschlossen hat, weiterzuerzählen. Jeder Mensch soll die Möglichkeit haben, zur Quelle des Friedens zu kommen – zu Jesus Christus.
Im Moment ist Jesus Christus bei seinem Vater im Himmel, aber er hat angekündigt, dass er wiederkommen wird, um in der sichtbaren Welt die Herrschaft über sein Friedensreich
anzutreten.179 Bis dahin bzw. bis zu seinem Tod muss sich jeder Mensch entschieden haben, auf welcher Seite er stehen will: Entweder man gehört zu Jesus und ist auf der Siegerseite, oder man ist gegen Jesus und gehört zur Verliererseite. Jesus wird am Ende Gericht über alle
Menschen sprechen, die nicht an ihn glauben.180 Die Verlierer werden gemeinsam mit dem Teufel die Ewigkeit in der Hölle, einem Ort des ewigen Leidens und der ewigen Trennung
von Gott, verbringen.181 Die Sieger hingegen werden mit Jesus regieren, und jeder wird für seine Taten belohnt werden.182 Wer an Jesus glaubt, wird ewig bei Gott sein. In Gottes unmittelbarer Gegenwart wird es dann keinen Tod, keine Schmerzen, keine Krankheiten, keine Traurigkeit und kein Leid mehr geben.183 Das ist eine großartige Perspektive!


158 Matthäus 5,9  159 4. Mose 6,24-26 (LUT 17)
160 Apostelgeschichte 10,36
161 Apostelgeschichte 9,31 162 Jesaja 9,5
163 Römerbrief 5,1
164 Kolosserbrief 1,20
165 Römerbrief 5,10
166 Matthäus 10,34; Lukas 12,51
167 Römerbrief 12,18

168 Philipperbrief 4,7
169 Offenbarung 21,3-4
170 Psalm 119,68
171 1. Mose 1,31
172 Römerbrief 5,12
173 Matthäus 4,3
174 Jakobusbrief 1,13  175 2. Timotheusbrief 1,10; Johannes 16,33
176 1. Timotheusbrief 2,4
177 1. Johannesbrief 5,19; 3. Johannesbrief 1,11
178 Johannes 14,27

179 2. Timotheusbrief 4,1; Offenbarung 1,7; Offenbarung 11,14; Offenbarung 19,11-16
180 Johannes 5,22-30
181 Matthäus 13,41.42; Offenbarung 14,10-11
182 1. Korintherbrief 3,13.14; 2. Timotheusbrief 2,11.12
183 Offenbarung 21,3.4