Was ist Freiheit?

„Freiheit ist das Gegenteil von Zwang“, sagen die einen. „Freiheit heißt für mich, dass ich tun und lassen kann, was ich will“, sagen die anderen. „Freiheit ist ein Grundwert und ein politisches Grundrecht“, betonen dritte. Jeder denkt wohl zuerst einmal an seine eigene Freiheit. Die persönliche Freiheit endet somit immer am Freiheitsgedanken des Mitmenschen.
Im Straßenverkehr erleben wir jeden Tag, wie Regeln, und damit Einschränkungen der persönlichen Freiheit, Chaos verhindern. Per Gesetz ist die Straßenseite vorgegeben, auf der gefahren wird. Würde jeder seinen eigenen Regeln folgen, wäre es mit der „freien Fahrt“ schnell vorbei.
Der Traum von Freiheit, keinen äußeren oder inneren Zwängen zu folgen, ist besonders bei jungen Menschen groß. Viele sind noch nicht belastet durch eigene negative Erfahrungen im Leben, und die Vielfalt an Möglichkeiten scheint unbegrenzt zu sein. Freiheit wird dann zum Motto: „Ja sagen zu den Möglichkeiten des Lebens.“ Dazu zählen Meinungsfreiheit und Bewegungsfreiheit, aber auch das Freisein von Gewohnheiten, Denkmustern und Vorurteilen.
Wenn man sich jedoch die Realität anschaut, dann muss man oft feststellen, dass Freiheit nur ein Traum zu sein scheint. Selbst wenn man sich von inneren Zwängen (z. B. Gesundheit, Geldnot, Selbstzweifel) befreit, ist man doch noch von äußeren Zwängen (z. B. Regierung,
Studium, Beruf, Freunde, Familie) beeinflusst. Selbst reiche Menschen fühlen sich oft nicht frei und sitzen in einem goldenen Käfig aus Verantwortung und Abhängigkeiten.
Dies liegt daran, dass man, wenn man sich entscheidet, Freiheiten zu nutzen, Risiken eingeht. Diese Risiken können finanzielle, gesundheitliche, emotionale oder sogar lebensgefährliche Konsequenzen nach sich ziehen. Genau hier unterscheiden sich Menschen voneinander. Eine Gruppe hat einen starken Freiheitsdrang und ist bereit, dafür Risiken einzugehen. Die andere Gruppe schätzt Stabilität und Sicherheit weitaus höher ein und verzichtet dementsprechend
auf Freiheiten.

Bringt Emanzipation denn Freiheit?

Ja, aber nur bis zu einem bestimmten Grad und mit einer bestimmten Dauer. Wenn sich heranwachsende Jugendliche von der Abhängigkeit der Eltern derart emanzipieren,dass sie bei ihrem Selbstfindungsprozess den gesellschaftlichen Verpflichtungen ausweichen, ist ihre vermeintliche Freiheit meist nur von kurzer Dauer. Plötzlich sehen sie sich gefangen, etwa von finanziellen Schulden, Beziehungen oder Drogen. Wenn sich ein Angestellter von seiner „Rolle“ emanzipiert, erreicht er wohl eine gewisse Freiheit. Vielleicht erschienen ihm die bisherigen Pflichten, pünktlich an der Arbeit zu erscheinen und produktiv zu sein, als minderwertig.
Aber begibt er sich durch die Wahl etwa einer anderen beruflichen Tätigkeit nicht in neue Abhängigkeiten? Sind sowohl Arbeitnehmer als auch Selbstständige nicht oft an Geld, Angst und Zukunftsperspektive gebunden? Auch wenn sich die westliche Gesellschaft von dem Einfluss des Christentums emanzipiert, erwachsen ihr bei derWahl von Ersatzwerten wie z. B. Selbsterfahrung, spirituellen Erlebnissen, Humanismus oder Agnostizismus, sogleich neue Abhängigkeiten. Von der angestrebten Freiheit bleibt kaum etwas übrig. Emanzipation von Dingen und Personen ist somit keine langfristige Lösung, die dauerhaft Erfüllung schenkt.

Muss der Freiheitsbegriff nicht in jeder Gesellschaft neu beschrieben werden?

Der Mensch versucht, sich immer in irgendeiner Weise seiner Umgebung anzupassen, und sei es in Form eines Widerspruchs. So bildete sich in jedem Zeitalter eine gewisse Übereinstimmung darin, was als Freiheit empfunden wird. Dabei liegt meist der Fokus darauf, wovon man sich befreien will, statt der Frage nachzugehen, wofür man sich befreien will. Die Antwort sollte jedoch nicht die Forderung nach einem Leben ohne Bindung und  Verantwortung sein, sondern beinhaltet auch die Fähigkeit, freiwillig tun zu können, was dem eigenen Komfort widerspricht.

Gibt es denn überhaupt Freiheit?

Freiheit ist immer sehr individuell. Jeder verknüpft sein Bedürfnis nach Freiheit auch mit  dem Verlangen nach Sicherheit. Nur wer sich sicher fühlt, kann sich auch frei entfalten. Um in einer Gesellschaft Freiheit zu vermitteln, werden Gesetze, Überwachungssysteme, Zensur oder Ordnungshüter eingesetzt, was aber wieder die individuelle Freiheit einschränkt. Auf  der Suche nach Freiheit können wir uns nie vollständig vom Beziehungsgeflecht unserer Gesellschaft lösen. Daher sollten sich Menschen lieber die Frage stellen, welche Beziehungen sie eingehen, um möglichst große Freiheit bei gleichzeitig möglichst großer Sicherheit zu erreichen.
Gott bietet uns diese Art von Beziehung an. Wie in den vorherigen Kapiteln beschrieben, ist durch Jesus Christus die Beziehung zu Gott wieder möglich. Auch Jesus hat das Thema Freiheit angesprochen, weil er das Bedürfnis der Menschen nach Freiheit sieht. Jesus Christus zeigte den Leuten seiner Zeit, die von sich behaupteten, frei zu sein, wie gebunden sie eigentlich waren. „Die Wahrheit wird euch freimachen“, sagte er. Sie aber protestierten dagegen: „Wir sind nie Sklaven von irgendjemand gewesen. Wie kannst du da sagen: Ihr müsst frei werden?“135
Die Juden lebten damals unter der Fremdherrschaft der Römer, aber sie fühlten sich innerlich nicht gefangen. Jesus antwortete ihnen darauf: „Jeder, der sündigt, ist Sklave der Sünde.“136 Damit sprach er ihre verkehrte Lebensweise an, ihren Umgang mit dem Nächsten und miteinander, ihre Liebe zum Geld, ihren religiösen Hochmut und Egoismus.137
Ähnlich verhalten wir uns auch heute noch. Was Jesus heute wohl zu unserem  Freiheitsempfinden sagen würde? Menschen sind heute abhängig von Familie, Freunden,
Staat, Arbeitgebern, Banken, Vermietern usw. Menschen brauchen ihren Besitz, und Jesus macht uns heute noch klar, dass dies unsere eigentliche Unfreiheit ist.138 Selbst wenn wir aus eigener Kraft versuchen würden, all dieseDinge aus unserem Leben zu verbannen, wären wir immernoch nicht frei, weil wir immer noch „Sklaven“ unseres Egoismus wären. Einzig und allein Jesus kann dieses Problem lösen.139 Dies meinte er unter anderem damit, dass die
Wahrheit uns frei macht.140 Die Bedingung dafür ist, dass wir glauben, was Jesus gesagt hat, und es auch befolgen.
Jedoch ist es nicht die Lehre von Jesus, die frei macht, sondern die Person Jesus Christus. Er hat nicht gesagt, dass er uns den Weg in die Freiheit zeigt, sondern dass er der Weg ist.141 Niemand wird frei durch Verzicht, Selbstbeherrschung oder Übereinstimmung mit einer Gruppenmeinung.142 Freiheit gibt es nur durch Gemeinschaft mit Gott. Durch seinen Tod am Kreuz hat er uns bereits von der Sünde freigekauft.143 Er hat uns nicht befreit, um uns wieder
zu unterdrücken, sondern Gott adoptiert uns als seine Kinder. 144 Außerdem wohnt Gott  durch seinen Geist in jedem Christen, und da, wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit.145 Denn Gott will, dass der Mensch wieder entsprechend seiner ursprünglichen Bestimmung lebt. Gott hat uns für die Gemeinschaft mit ihm geschaffen. Freiheit kann also weder durch Manipulation an der Wortbedeutungerreicht werden noch durch Übernahme von Lebensweisen. Freiheit besteht nur in der Bindung an den einzigen Unabhängigen: Jesus Christus.

Wie aber ist „Freiheit durch Bindung“ zuverstehen?

Gewiss haben diejenigen recht, die meinen, Religiosität oder Religionsausübung würde einengen. Auch religiös-philosophische Befreiungsangebote sind nur Varianten der Unfreiheit, weil sie von Menschen erfunden wurden. Die Freiheit durch die Bindung unseres Lebens an JesusChristus ist die einzige Alternative. Jesus Christus ist Gottes Sohn und schenkt eine Freiheit, die nur der erfährt, der sich ihm persönlich anvertraut.146 Gott bietet uns eine
hundertprozentige Sicherheit, damit wir die Freiheit durch Jesus genießen können. Gott verspricht, dass er seinen Zusagen auch dann treu ist, wenn wir untreu sind, und dass niemand, der Jesus nachfolgt, von Gott fallen gelassen wird.147 Gott bietet uns seinen Schutz an und alles, was wir zum Leben brauchen. Christen können Zukunftsängste an Gott abgeben, weil er unsere Zukunft kennt und nach seinem Plan alle Dinge zu unserem Besten zusammenwirkenwerden.148 Diese Leistung kann keine Person, Organisation oder Versicherungsgesellschaft anbieten.

Manche halten das für anmaßend. So empfanden es schon die Leute zur Zeit von Jesus und ärgerten sich über ihn.149 Andere wagten das Experiment mit Jesus und stellten fest: Es stimmt tatsächlich, was er sagt und was die über ihn sagen, die ihm begegnet sind. Menschen auf der ganzen Welt können bezeugen, wie Jesus sie durch eine Begegnung mit ihm frei gemacht hat von Sorgen, Ängsten, Nöten, Krankheiten, Drogen, Kriminalität und vielem mehr.
Jesus sah voraus, dass man in der Christenheit immer wieder von dieser Glaubenspraxis abweichen und in allgemeine religiöse Verhaltensweisen mit ihren negativen Auswirkungen
zurückfallen würde. Darum trug er seinem Botschafter Paulus die Mahnung auf: „Christus hat uns befreit, damit wir als Befreite leben. Bleibt also standhaft und lasst euch nicht wieder in ein Sklavenjoch spannen!“150
Wer Freiheit durch Jesus bekommen möchte, kann ihm z. B. sagen: „Mein Leben soll nicht von anderen Menschenoder von meinen Bedürfnissen bestimmt werden, sondern dir, Herr Jesus Christus, gehören und nur von dir bestimmt werden.“151 Du wirst nicht enttäuscht werden. Es gibt viele Menschen, die auf diese Weise mit Jesus in Verbindung gekommen und frei  geworden sind. Egal, wie groß deine Probleme sind, zu Jesus darf jeder so kommen, wie er ist.
Das Beste ist, dass du durch die Freiheit, die dir Jesus gibt, nicht so bleiben musst, wie du bist.

Dürfen Christen tun, was sie wollen?

Diese Frage ist berechtigt und wurde schon den ersten Christen gestellt.152 Es gab damals wie heute Menschen, die behaupten, Christen zu sein, aber trotzdem so leben wie die Menschen ohne Jesus.153 Auch hier lohnt es sich, genau zu schauen, was die Bibel dazu sagt: „Richtet euch nicht nach den Maßstäben dieser Welt, sondern lasst die Art und Weise, wie ihr denkt, von Gott erneuern und euch dadurch umgestalten, sodass ihr prüfen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob es Gott gefallen würde und ob es zum Ziel führt!“154
Jemand, der wirklich Jesus nachfolgt und ihn von ganzem Herzen liebt, wird kein Interesse mehr haben, so zu leben wie früher. Vielmehr wird er erkennen, dass das gut ist, was Gott von ihm will. Gott wünscht Christen kein miserables Leben, sondern ein Leben, an dem er und wir Freude haben. Objektiv betrachtet kann dies jedoch immer noch mit Schmerzen, Leid, Armut, Verfolgung und menschlichen Problemen verbunden sein. Doch Jesus hilft uns, einen anderen
Blick auf die Dinge zu bekommen und Leidenszeiten mit Hoffnung und Zuversicht zu ertragen.
Als Christen werden wir zudem erkennen, dass die Anweisungen, die Gott gibt, gut sind. Alle Gebote der Bibellassen sich in einem Satz zusammenfassen. „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe, mit all deiner Kraft und mit deinem ganzen Verstand. Und deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.“155 Damit ist alles gesagt. Für Christen steht dieses Gebot aber nicht nur auf Papier, sondern Gott macht es für sie zu einer Herzensangelegenheit.156 Somit geschieht das Befolgen des Willens Gottes aus Liebe und nicht aus Zwang. Es heißt sogar, dass jene, die Gott lieben, seinen Geboten folgen.157
Wer sich Gott anvertraut, der wird nicht enttäuscht, sondern kann sich an der Freiheit, die ihm Gott schenkt, erfreuen. Christen sollten diese Freiheit aber nicht für eigene Zwecke und Bedürfnisse missbrauchen, weil dies wieder zu Selbstzentriertheit führen kann. Aber wer einmal von der Sünde (Trennung von Gott) frei ist, möchte nicht mehr zu einem sündigen Leben (Leben ohne Gott) zurückkehren. Welch ein Glück, wenn man nicht mehr auf sich selbst oder auf andere angewiesen ist, sondern tun und lassen kann, was Christus will!


135 Johannes 8,31-33
136 Johannes 8,34
137 Matthäus 23,13ff. 138 Lukas 9,25; Matthäus 16,26
139 Galaterbrief 5,1
140 Johannes 8,32
141 Johannes 14,6
142 Römerbrief 3,20
143 Kolosserbrief 2,13.14
144 Römerbrief 8,15
145 2. Korintherbrief 3,17 146 Kolosserbrief 2,13.14
147 2. Timotheusbrief 2,13; Johannes 10,28; Römerbrief 8,39
148 Römerbrief 8,28, Jeremia 29,11 149 Johannes 10,33
150 Galaterbrief 5,1
151 siehe Galaterbrief 5,16-17

152 Römerbrief 6,15
153 Judasbrief 1,4
154 Römerbrief 12,2

155 Lukas 10,27
156 Hebräerbrief 10,16
157 2. Johannesbrief 1,6