Sein und Schein – Vom subjektiven nutzen der Illusion

David Copperfield. Wie kein anderer Unterhaltungskünstler vor ihm begeisterte er ein weltweites Publikum für seine Illusionen. Zu seinem Repertoire gehörte es, die Freiheitsstatue „verschwinden“ zu lassen, über den Grand Canyon zu „gleiten“, durch die Chinesische Mauer zu „schweben“ und auf der Bühne frei zu „fliegen“. Illusion fasziniert.
Im engeren Wortsinn bedeutet Illusion eine falsche Wahrnehmung der Wirklichkeit, steht aber auch für falsche Interpretationen oder Urteile. Illusionen zu Unterhaltszwecken ist eine Jahrhunderte alte Kunst. Und das Internet ist heute voll von optischen Täuschungen; sie zeigen, wie leicht unsere Sinneswahrnehmungen manipuliert werden können.
Illusion nimmt jedoch einen wesentlich größeren Teil unseres Lebens ein, als wir denken. Da gibt es etwa Menschen mit Flugangst, die sich aber hinter dem Steuer des eigenen Autos relativ sicher fühlen. Im Flugzeug herrscht das Gefühl des „Ausgeliefertseins“ in Bezug auf die Technik und den Piloten, während man im Auto die Dinge scheinbar selbst im Griff hat. Die Todesfallstatistik zeigt hingegen, dass die Wahrscheinlichkeit, bei einem Verkehrsunfall zu verunglücken bei 1:15.000 liegt, während die Wahrscheinlichkeit, mit einem Flugzeug abzustürzen, deutlich niedriger ist, nämlich 1:30.000.000. Oder an-ders ausgedrückt: Pro Milliarde Reisekilometer sterben im Flugzeug 0,003 Personen, während im PKW 2,9 Personen und bei Fahrrad-fahrern und Fuß gängern sogar 30 Personen zu Tode kommen1. Sicherheit, aber auch Gefahr können eine Illusion sein, indem wir die Wirklichkeit falsch beurteilen.
Der englische Ausdruck Ignorance is bliss drückt aus, dass es Situationen gibt, in denen es sich leichter lebt, wenn man nicht alle Informationen kennt. Würde sich unser Nutzerverhalten ändern, wenn wir ein reales Feedback hätten, wie etwa die Konzerne Facebook, Google und Apple jede unserer Daten für ihre Zwecke nutzen? Stattdessen besteht zwar die allgemeine Kenntnis, dass diese Daten vermarktet werden, jedoch wird dies bei der Nutzung der Dienste ausgeblendet. So lebt es sich leichter.
Diese Ausblendung von Tatsachen betrifft auch wesentlich grundsätzlichere Ebenen. Beispielsweise verdrängen die meisten Menschen den Fakt, dass sie eines Tages sterben werden. Man lebt in der subjektiven Illusion der eigenen Unsterblichkeit, sofern man daraus nicht temporär durch unangenehme Ereignisse wie Beerdigungen oder Krankheit wider Willen herausgerissen wird. Auch die Frage nach Gott wird so behandelt. Die meisten Menschen in Deutschland sind funktionale Agnostiker. Sie verneinen Gott nicht aktiv, leben aber so, dass er in der Praxis keine Rolle spielt. Sollte Gott existieren, so die landläufige Meinung, wird es für den Himmel schon reichen, da das eigene Leben als gut genug erachtet wird. Man sei schließlich nicht Hitler, außerdem würden Christen oft nicht besser leben als andere.
Doch auch hier handelt es sich um eine tragische Illusion.

Die Bibelzeigt eine andere Wirklichkeit auf: Kein Mensch wird den Himmel und Gott je sehen, wenn er nicht zuvor Jesus Christus als seinen Herrn und Retter angenommen hat. Die Realität ist oft hart. Aber ohne Kenntnis der Wirklichkeit besteht die eklatante Gefahr der Selbsttäuschung, welche tödlich enden kann. Die Wahrscheinlichkeit zu sterben liegt bei 1:1. Die Annahme, dass alles irgendwie gut ausgehen wird, ist hingegen unwahrscheinlicher als ein Sechser im Lotto. Es ist eine Illusion, jedenfalls so lange, wie es keinen Garanten dafür gibt, dass es tatsächlich so ist. Jesus Christus ist dieser Garant, der ohne Tricks und Illusionen auskommt. Sind Sie bereit, die Illusion loszulassen und sich ihm anzuvertrauen?

Mario Kunze
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1 Quelle: https://www.flüge.de/ratgeber/infografik-sichere-verkehrsmittel-wie-sicher-ist-fliegen/