Realität und Wahrnehmung – Warum ist meine Realität anders als deine?

„Ich glaube nur, was ich sehe!“ Ein Statement, welches man immer wieder hört oder Menschen durch ihr Verhalten bewusst oder unbewusst kommunizieren. Bier für 50 Cent bei der „Ersti-Party“ klingt so unglaubwürdig, dass man hingehen muss, um sich von der Realität zu überzeugen. Manche Menschen glauben an Einhörner, ohne dass jemals eins gesehen wurde. Es ist erstaunlich, was man alles im Leben glaubt und welcher Glaube überhaupt durch Fakten gestützt wird. Dabei hat es oft nichts mit dem Sehvermögen zu tun. Zum Beispiel können wir Strom nicht sehen und trotzdem hat heute keiner mehr Zweifel, dass es ihn gibt. Unter elektrischen Strom versteht man die gerichtete Bewegung von elektrischen Ladungsträgern (Elektronen). Forscher sind inzwischen in der Lage Elektronen zu filmen. Trotzdem bleiben sie für den Normalbürger unsichtbar, die Auswirkungen hingegen können im Alltag sichtbar werden.
Durch entsprechende Geräte können zunächst unsichtbare Elementarteilchen sichtbar gemacht werden. Dies sind Wunder der Elektrotechnik, über die wir kaum noch staunen.
Es ist faszinierend, dass wir uns über große Entfernungen mit anderen Menschen durch Handys unterhalten können. Dabei vergessen wir, welche technischen Errungenschaften dahinterstecken. Man konnte in der Vergangenheit bereits Radio- oder Mikrowellen technisch nutzen, bevor man sie überhaupt sichtbar machen konnte. 1886 bestätigte der junge Physiker Heinrich Hertz durch ein Experiment (siehe Abbildung) die Vermutung, dass es elektromagnetische Wellen gibt.


Diese Drähte setzte er über eine batteriebetriebene Spule unter Strom, sodass es beim An- und Ausschalten zu Entladungen kam. Hertz hatte einen Sender erfunden. Jedes Mal, wenn zwischen den Drähten des Senders ein Funke übersprang, knisterte es an der Funkenstrecke des entfernten Empfängers. Der Sender gab unsichtbare Wellen ab, die von der „Antenne“ aufgefangen wurden.

Somit hat die Wahrnehmung von „unsichtbaren“ Dingen oft nichts mit dem Sehen, sondern mit unserer Erfahrung und Kenntnis zu tun. Daher
kann es sein, dass unterschiedliche Menschen Dinge im Leben unterschiedlich wahrnehmen, weil das Vorwissen sich unterscheidet. Man spricht auch von einer persönlichen Weltanschauung.1 Wir müssen uns eingestehen, dass Weltanschauungen sehr unterschiedlich sein können. Auch sollten wir vorsichtig sein, die Sicht von anderen Menschen als richtig oder falsch zu beurteilen. Vielmehr ist Neugier angebracht, um zu erfahren, warum andere Menschen eine andere Sicht auf die Dinge im Leben haben und warum sich unsere Wahrnehmung unterscheidet. Auch ist es zu empfehlen, die eigene Wahrnehmung zu überprüfen. Warum beurteile ich Dinge so, wie ich sie beurteile? Warum glaube ich, was ich glaube? Gibt es überhaupt rationale Argumente für meine Weltanschauung? Oft fürchten wir uns auch vor neuen unbekannten Dingen. Früher hatten die Menschen Angst vor Elektrizität, heute ist es in der richtigen Dosierung für uns normal geworden.

Wir vom DCTB glauben, dass Jesus Christus real ist. Ja, er ist unsichtbar, weil Gott Geist ist. Für viele Menschen ist diese unsichtbare Welt fremd und nicht real. Wir wollen aber einladen, sich einmal ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen. Für viele Menschen ist Jesus Christus im Leben Realität geworden, weil sie die Veränderungen im Leben gesehen haben, nachdem sie ihr Leben Gott anvertraut haben. Gott wird „sichtbar“, indem er auf Materie in Zeit und Raum wirkt. Am deutlichsten wurde dies, als er selbst durch Jesus Christus als Mensch auf die Erde kam. Nachdem Jesus gekreuzigt und auferstanden war, kehrte er an Himmelfahrt zurück in die unsichtbare Welt. Aber er sandte den Gläubigen seinen Geist, damit wir auch heute Gott noch wahrnehmen und mit ihm kommunizieren können.
Die Aufgabe eines Radios ist es, die unsichtbaren Radiowellen für uns erfahrbar zu machen. Ohne ein Radio bemerken wir nichts von diesen elektromagnetischen Wellen. Im Radio gibt es den unsichtbaren Schwingkreis, indem Elektronen durch Einstellen der richtigen Frequenz die gleiche Frequenz wie die zu übertragende Musik bekommen. Somit wird etwas erfahrbar, was vorher für uns Menschen nicht erfahrbar war. Wir Menschen haben auch einen sichtbaren (Körper) und unsichtbaren (Geist/Seele) Bereich. Da Gott unsichtbar ist, können wir ihn auch nur mit unserem Geist erfassen. Wenn wir ein neues Leben durch Jesus Christus beginnen, dann verspricht
Gott, dass er uns ein neues Herz und einen neuen Geist gibt. Mit diesem neuen Geist können wir Gott auch erfahren. So schreibt Paulus im Brief an die Römer: „Gottes Geist bezeugt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.“2
Ohne diese Realität können wir Gott nicht erfahren. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Menschen, welche den Geist Gottes nicht haben, andere Menschen, die von Jesus reden, oft belächeln oder nicht verstehen können. Wir sehen also, dass unsere Wahrnehmung nicht immer die absolute Realität abbildet. Daher sollten wir andere Ansichten und Standpunkte erst einmal prüfen, bevor wir sie vorschnell ablehnen. Es lohnt sich mit Christen zu reden und sich auszutauschen, warum sie an Gott
glauben. Vielleicht erlebst du dann auch eine Realität, welche dir bisher verborgen war.

Dr. Jonathan Bank
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1 1 Unter einer Weltanschauung versteht man heute vornehmlich die auf Wissen, Überlieferung, Erfahrung und Empfinden basierende Gesamtheit persönlicher Wertungen, Vorstellungen und Sichtweisen, die die Deutung der Welt, die Rolle des Einzelnen in ihr, die Sicht auf die Gesellschaft und teilweise auch den Sinn des Lebens betreffen. (Definition Wikipedia)
2 2 Römer 8,16