Leben 3.0 – Können Computer leben?

Max Tegmark (Kosmologe, Wissenschaftsphilosoph und Autor) definiert drei verschiedene Lebensarten: Bakterien bezeichnet er als „Leben 1.0“, da diese dumm und nicht lernfähig seien. Menschen sieht er als „Leben 2.0“, da diese durch Lernen neue „Software in ihrem Gehirn installieren“ könnten. „Leben 3.0“ existiere noch nicht. Dies wäre eine Lebensform, welche sowohl ihre Software als auch ihre Hardware konzipieren könnte. Dies wäre z.B. bei einem autonomen Roboter der Fall.1

Der technische Fortschritt im Allgemeinen, aber auch die Entwicklung künstlicher Intelligenz (KI) schreitet in den letzten Jahren zügig voran. In vielen Bereichen sind Maschinen, Roboter und Programme leistungsfähiger als ihre Erfinder. Am 15. Juli 1979 besiegte erstmals ein Programm einen menschlichen Weltmeister. Der Computer BKG besiegte den damaligen Backgammon-Champion Luigi Villa mit 7:1. 1996 gewann der Computer Deep Blue die erste Schachpartie, die Königsdisziplin der Denker, gegen den Weltmeister Garri Kasparow, verlor jedoch das Match. Als Matchgewinner ging der Computer erst ein Jahr später hervor. 2011 gewann der IBM Supercomputer Watson in der Quizshow Jeopardy mit deutlichem Vorsprung gegen zwei menschliche Champions.2 Im März 2016 trat das von Google Deepmind entwickelte Programm AlphaGo gegen den Go-Weltmeister Lee Sedol an und siegte mit 4:1.3 Das Programm lief auf einem Rechnerverbund mit über 2.000 Prozessoren und Grafikchips. Da das Spiel Go wesentlich komplexer ist als Schach, wurden 30 Millionen Spielzüge in das Programm eingegeben, welches anschließend monatelang gegen sich selbst spielte, um selbstständig Taktiken zu erlernen. Das Ende 2017 von derselben Firma entwickelte Programm AlphaZero kann nach der Eingabe von Spielregeln und Siegbedingungen eigenständig Schach, Shōgi und Go lernen. Eine Vorgabe von Spielzügen oder alten Partien ist nicht erforderlich. Nach nur acht Stunden Lernzeit erreichte es die Spielstärke der AlphaGo-Version, welche gegen Lee Sedol gewann.

Für viele ist es unheimlich, was heutige Rechner dank künstlicher Intelligenz alles leisten können. Wir sind es zwar schon gewöhnt, dass Computer mit Hilfe von Algorithmen das Wetter mehr oder weniger genau vorhersagen können, dass jedoch Polizisten mit Hilfe des Programms “Precobs” in der Lage sind, Risikogebiete für Einbrüche vorherzusagen, ist uns eher befremdlich. Der Befürchtung, dass wir den Maschinen zu viel Macht über uns geben und diese uns letztendlich beherrschen könnten, wird in vielen Science Fiction-Werken nachgegangen. “Matrix” und “I, Robot” sind dafür nur zwei der bekanntesten Beispiele. Der Robotikexperte Anthony Levandowski ist davon überzeugt, dass in Zukunft eine übermächtige KI über die Menschen herrschen wird. Vor einer solchen Zukunft hat er jedoch keine Angst, sondern ist bemüht, diese Entwicklung noch zu beschleunigen. Zu diesem Zweck hat er die Kirche „Way of the Future“ gegründet. Die Mitglieder dieser „Gemeinde“ wollen den Maschinen zeigen, dass sie ihnen wohlgesonnen sind und sie bei einer friedlichen Übernahme der Welt unterstützen werden.4 Auch wenn die meisten von uns eine solche Sekte als groben Unfug erachten, ist es schon bemerkenswert, wie viel Vertrauen wir in unsere digitalen Begleiter haben, wie abhängig wir von ihnen geworden sind und wie sehr wir sie zum Teil verehren.

Während es warnende Stimmen wie Stephen Hawking und Elon Musk gibt, sind andere wie z.B. Rodney Brooks (Informatiker und Kognitionswissenschaftler) der Meinung, dass Computer weder ein Bewusstsein noch irgendwelche Selbstgefühle hätten. Die beiden Hauptgründe, warum für eine solche Entwicklung auch keine Gelder zur Verfügung stünden, seien der fehlende Nutzen und das Fehlen eines Ansatzes, wie dies realisiert werden könne.5 Es kann zwar kein Wissenschaftler ausschließen, dass Computer in ferner Zukunft etwas wie ein Bewusstsein, Gefühle oder menschliche Intelligenz entwickeln könnten, aber die meisten sind sich einig, dass solche Entwicklungen derzeit nicht in Sicht sind. Auch wenn uns Maschinen in einzelnen Bereichen seit Langem überlegen sind und wir sie in Zukunft auch immer häufiger einsetzen werden, bleiben sie auf ihren sehr begrenzten Einsatzbereich beschränkt.

Über Fähigkeiten wie Selbstreflexion, Kreativität und Assoziation werden künstliche Programme wohl auch in absehbarer Zukunft nicht verfügen können. Eine Vernunft, welche nach Aristoteles den Unterschied zwischen Mensch und Tier ausmacht, ist erst recht nicht in Sicht. Computern auf Grund von einprogrammierten Verhaltensmustern oder simulierten Gefühlsregungen eine Art Leben zuzusprechen oder ihnen diesbezüglich besondere Rechte vergleichbar mit dem Tierschutz einzuräumen, wird noch lange nicht notwendig sein. In der heutigen Realität müssen wir uns eher um die Personen und Institutionen Sorgen machen, welche die Programme und Maschinen, welche riesige Mengen an Informationen über uns sammeln und von denen wir immer abhängiger werden, kontrollieren.

Wie intelligent ist es jedoch, sich in Zukunftsutopien und –dystopien zu verlieren, sich von Science-Fiction und anderen Nebensächlichkeiten ablenken und in Beschlag nehmen zu lassen, statt den echten Sinn seines eigenen Lebens zu suchen und zu verfolgen? Der Einzige, der dir helfen kann, deinen Lebenssinn zu erkunden, ist der, der dir auch dein Leben geschenkt hat.

Wie sehr wollen wir uns von digitalen Geräten abhängig machen, die alle doch nur eine sehr begrenzte Lebensdauer haben, fehleranfällig sind und uns viel weniger Halt geben, als wir doch eigentlich brauchen würden? Warum vertrauen wir uns nicht demjenigen an, der uns zusagt, dass er unsere Tränen abwischt6 und uns ewiges Leben gibt?7 Gott ist der Erfinder von Leben 1.0 und 2.0. Er hat die Hardware und die Software für einen bestimmten Zweck designed. Während wir uns von der Vorstellung eines Lebens 3.0 faszinieren lassen, verpassen wir es möglicherweise, unser Leben 2.0 sinnvoll einzusetzen. Gott ist der Zweck unseres Lebens. Von ihm her definiert sich alles, was unser Leben ausmacht. Leben ohne Gott ist Leben 0.0. Es funktioniert nicht auf Dauer. Lass dich dazu einladen, Gott kennenzulernen! Es lohnt sich!

 

Jonathan Prinz