2. Ist die Bibel wahr?

Ist die Bibel wahr?

In unserer postmodernen Gesellschaft scheint es viele Wahrheiten zu geben, die alle ihre eigene Berechtigung beanspruchen. Jeder darf sich seine Wahrheit selbst definieren
und glauben, was er will. Gibt es in der Realität nun mehrere Wahrheiten ohne feste Regeln oder eine absolute Wahrheit mit festen Maßstäben?

Aus christlicher Sicht ist die Bibel ein einmaliges Buch, das nicht nur die Wahrheit enthält, sondern den kontroversen Anspruch erhebt, die Wahrheit zu sein. So heißt es: „Die Summe des Wortes Gottes [Bibel] ist Wahrheit.“1 Christen behaupten demnach, dass die Bibel als Gesamtes betrachtet werden muss, damit man die Wahrheit über Gott und die Menschen erkennen kann. Jedoch spricht die Bibel über Wahrheit nicht nur im Sinne von Richtigkeit, sondern auch im Bezug darauf, dass sie zuverlässig und vertrauenswürdig ist. Dies ist natürlich eine sehr subjektive Wahrnehmung, die vor allem darauf beruht, dass Menschen die Bibel gelesen und dabei gemerkt haben, dass Gott sie durch die Bibel persönlich anspricht.

Diese subjektive Seite spricht keinen Menschen an, der bisher nichts mit Gott zu tun hatten und noch nie die Bibel gelesen hat. Aber auch objektiv betrachtet ist die Bibel ein einmaliges Buch, und nach Betrachtung von Fakten sollte sie jeder Mensch ernst nehmen. Zunächst ist es auch richtig, dass die Bibel weder ein reines Geschichtsbuch noch ein absolut naturwissenschaftliches Dokument ist (auch wenn viele historische und naturwissenschaftliche Berichte der Bibel heutzutage sehr gut belegt sind), sondern die Bibel ist ein Dokument über das Handeln Gottes und gibt selbst viele Hinweise, wie die Bibel verstanden werden möchte.

Wer schrieb die Bibel?

Daran war eine größere Anzahl verschiedener Menschen beteiligt: ein israelitischer König und ein griechischer Arzt, ein Prophet aus Juda und ein Fischer aus Galiläa, ein Bauer, mehrere Hirten, ein ausgezeichneter Theologe, ein Diplomat, ein Zollbeamter u. v. a. Eine vielfältige Auswahl von Männern, die in einem Zeitraum von etwa 1500 Jahren (ca. 1450 v. Chr. bis ca. 95 n. Chr.) die 66 Bücher schrieben und von denen sich die meisten somit nicht persönlich kannten. Somit konnte sie sich auch nicht absprechen, worüber sie schrieben. Die Einzelbücher wurden ursprünglich auf Schriftrollen verfasst und sind heute in einem Buch zusammengefasst. Die Bibel ist bis heute mit weit über zwei Milliarden verkauften Exemplaren Nummer 1 der ewigen Bestsellerliste (zum Vergleich: Koran ca. 800 000).

Also ist die Bibel kein einheitliches Buch?

Doch! Da die Bibel verschiedene Textgattungen enthält, wie z. B. historische Geschichtsschreibung, Prophetien (z. B. Vorhersagen über die Zukunft), einige Gesetzesbücher, Poesie und Lieder, gleicht sie einer Bibliothek oder einer Sammlung. Das Erstaunliche ist, dass durchgehend eine bemerkenswerte thematische Einheitlichkeit ohne Widersprüche gegeben ist. Vermeintliche Widersprüche lösen sich auf, wenn man Gott besser kennt und die Bibel genauer studiert hat. Auch wenn fast vierzig verschiedene Autoren ihren Beitrag zur Bibel geschrieben haben, sind keine vierzig verschiedenen „Botschaften“ entstanden, sondern nur eine. Das große Thema der Bibel ist die Gemeinschaft zwischen Gott und Menschen. Es ist also ein Beziehungsbuch!

Warum aber sollte man den Schriften dieser Männer besondere Aufmerksamkeit widmen?

Auch wenn Gott die Möglichkeit gehabt hätte, einfach ein Buch mit seinen Worten vom Himmel fallen zu lassen, hat er einen anderen Weg gewählt und Menschen in sein Handeln einbezogen. So wirkte Gott an und in Menschen und ließ sie aufschreiben, was sie von Gott gehört oder mit ihm erlebt hatten. Von sich aus waren auch die Schreiber der Bibel keine herausragenden Männer. Petrus und Johannes z. B. hatten an keiner Universität studiert.2 Trotzdem glauben Millionen von Menschen aller Jahrhunderte an die Worte der Bibel und vertrauen, dass sie die Wahrheit ist. Nicht, weil die Autoren tolle Schriftsteller waren, sondern weil sie im Auftrag Gottes schrieben. Den Worten der Bibel zu vertrauen bedeutet, Gottes Wirken bei der Entstehung anzuerkennen und sich zu entscheiden, an Gottes Wort zu glauben. Dann wird man erkennen, dass die Bibel noch heute aktuell ist und das Potenzial hat, Menschenleben positiv zu verändern. 3 Wenn Menschen Worte aus der Bibel hören, dann
redet Gott!

Ein weiteres bis heute unübertroffenes Merkmal der Bibel ist, dass sich ihre Vorhersagen über die Zukunft viele Jahre, Jahrzehnte oder Jahrhunderte später präzise erfüllten. Oft hat der Autor die Erfüllung seiner Ankündigung nicht mehr erlebt. Viele Erfüllungen der Vorhersagen wurden nicht nur in der Bibel dokumentiert, sondern auch in anderen historischen Dokumenten. Wie konnten Menschen konkrete Ereignisse der Geschichte vorhersagen? Ist dies nicht ein starker Hinweis darauf, dass es einen Gott gibt, der über Raum und Zeit steht und die Zukunft kennt? Gott will bis heute, dass Menschen die Möglichkeit haben, sich auf die Ereignisse der Zukunft vorzubereiten. Daher informierte Gott immer wieder bestimmte Menschen im Voraus, bevor er etwas geschehen ließ. Gott sagt: „Von Anfang an habe ich den Ausgang gezeigt, lange im Voraus die ferne Zukunft vorhergesagt. Meine Pläne verwirkliche ich, und was ich mir vornehme, das tue ich auch.“4

Warum kann man darauf vertrauen, dass die Schreiber nicht geschrieben haben, was sie wollten?

Hauptsächlich deshalb, weil viele Aussagen der Bibel noch heute aktuell sind und jeder sie überprüfen kann. Die Propheten Israels im Alten Testament waren Menschen, die Gott gehört hatten und seine Worte an andere Menschen weitergaben. Dabei betonten sie immer, dass sie in ihren Reden nicht ihre eigene Meinung, sondern das, was sie von Gott gehört hatten, weitersagten. „So spricht der Herr …“5, sagten sie mit eindringlicher Kompromisslosigkeit. Wenn sie unsicher gewesen wären, ob das Reden Gottes echt war, hätten sie es vermutlich vorsichtiger ausgedrückt: „Meiner Meinung nach …“ Einigen Propheten war das Reden Gottes selbst zu extrem, sodass sie sich weigern wollten, die Worte Gottes weiterzugeben.6 Sie hatten keine Chance, sich Gott zu entziehen, und Gott fand immer einen Weg, dass seine Botschaft zu den Menschen kam.7
Gott sagte: „Ich wache über mein Wort, damit geschieht, was ich sage.“8 Im Neuen Testament bestätigt Petrus, ein enger Begleiter von Jesus, dass die Propheten, die im Auftrag Gottes redeten, nie etwas sagten, was ihrem eigenen Willen entsprach, sondern vom Heiligen Geist gedrängt wurden, nur Gottes Willen zu verkündigen.9

Im Neuen Testament finden wir in den Briefen von Paulus teilweise Formulierungen, die den Eindruck erwecken, dass er seine eigene Meinung vertrat. Aber man kann trotzdem darauf vertrauen, dass auch diese Stellen von Gott stammen, weil sie im Einklang mit dem Rest der Bibel stehen.10 Gott hat zugelassen, dass seine Botschaft auf persönliche Art und Weise weitergegeben wurde, ohne die Aussagen zu verfälschen. Gott begegnet uns durch die Bibel auf einer persönlichen Ebene, damit wir uns besser mit seiner Botschaft identifizieren können. Als Jesus Christus, Gottes Sohn, auf die Erde kam, bestätigte er immer wieder die Gültigkeit des Alten Testaments, indem er es in seinen Reden häufig zitierte.11 Jesus betonte auch klar, dass das, was in der Schrift steht, von Gott zu den Menschen gesagt wurde!12 Jesus behandelte auch die historischen Ereignisse der Bibel als Tatsachenberichte. Zum Beispiel, als er die Sintflut, ein heutzutage umstrittene Ereignis, bei der Verkündigung des kommenden Gerichtes erwähnte.13 Jesus bestätigte auch Mose als Autor, aber das, was Mose aufgeschrieben hatte, wurde zuvor von Gott gesprochen.14 Jesus selbst hat seinen Anhängern kein schriftliches Dokument über seine Lehre hinterlassen. Jedoch beauftragte er sie, sozusagen als bevollmächtigte Botschafter, das weiterzugeben, was er ihnen gesagt hatte.15 Jesus versprach ihnen, dass sie den Geist Gottes bekommen und er ihnen die Worte von Jesus Christus wieder ins Gedächtnis zurückbringen und ihnen alles verständlich machen würde.16

Zunächst wurde die Lehre mündlich weitergegeben, aber schon nach kurzer Zeit auch für die nachfolgenden Generationen aufgeschrieben; beispielsweise durch Schreiber wie Lukas, der Leute befragte, die mit Jesus unterwegs gewesen waren und alles gehört und gesehen hatten.17 Die Männer, die von Jesus Christus schrieben, waren im Berichten der Geschehnisse und im Blick auf die historischen Daten absolut genau. Das zeigen auch Vergleiche mit Aussagen ihrer Zeitgenossen. Solche Parallelen sind in der Literatur jener Zeit bei jüdischen und römischen Schriftstellern gefunden worden.18 Es wäre unmöglich gewesen, alles aufzuschreiben, was Jesus tat oder sagt.19 Daher schrieb Johannes, einer der engsten Freunde von Jesus, am Ende seines Textes, dass er nur das aufgeschrieben habe, was uns hilft zu glauben, dass Jesus der Sohn Gottes ist und als Retter zu den Menschen kam. Es ist eine bemerkenswerte Tatsache, dass die Schriften des Alten und Neuen Testaments inhaltlich miteinander verbunden sind, obwohl sie von verschiedenen Menschen aufgeschrieben wurden. Die ganze Bibel deutet also auf Gott den Autor seines Wortes hin und wird daher zu Recht als Heilige Schrift bezeichnet.20 Um alle Mehrdeutigkeiten und Missverständnisse des Wahrheitsanspruchs zu beseitigen, sind die letzten Worte im letzten Buch der Bibel
(Offenbarung des Johannes) eine eindringliche Warnung.Wenn jemand auf die Idee kommt, der Bibel etwas hinzuzufügen, was nicht von Gott stammt, oder etwas streicht, so verliert er das ewige Leben mit Gott.21 Es hat also massive Konsequenzen für denjenigen, der Bibeltexte verändert.

Zeigt die Wissenschaft, dass die Bibel im Lauf der Zeit verfälscht wurde?

Bevor es die ersten Schriftrollen des Alten Testaments gab, wurden die Geschichten mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Dies kann man sich in der heutigen Zeit kaum vorstellen. In der jüdischen Tradition war die Überlieferung von Gottes Wort jedoch ein zentraler Bestandteil des normalen Lebens. Es wurde genau darauf geachtet, dass der Inhalt wortwörtlich wiedergegeben wurde. Später, als es Schriftrollen gab, wurden diese durch sehr genaue Abschriften vervielfältigt. Von 800 bis 1000 n. Chr. gab es die sogenannten Masoreten, jüdische Gelehrte, die für die exakte Überlieferung der jüdischen Schriften zuständig waren. Weil ihnen die Schriften so heilig waren, wurde jede Abschrift bis auf den Buchstaben genau kontrolliert, und falsche Abschriften wurden zerstört. Einige dieser über 1000 Jahre alten Handschriften (Codex von Aleppo und Codex Leningradensis) sind bis heute erhalten geblieben. Der Sensationsfund von Qumran im Jahr 1947 brachte unter anderem biblische Texte aus den Jahren 200 v. Chr. bis 68 n. Chr. zum Vorschein. Vergleiche mit den masoretischen Texten ergaben eine erstaunlich hohe Übereinstimmung, die so nicht zu erwarten gewesen war, und bestätigen die zuverlässige Weitergabe der historischen Bibeltexte.

Auch vom Neuen Testament gibt es griechische Handschriften mit Teilen des Johannesevangeliums aus dem Jahr 125 n. Chr. und Abschriften mit dem vollständigen Neuen Testament aus dem 2. und 3. Jahrhundert. Insgesamt gibt es über 5000 erhaltene sehr alte Handschriften des Neuen Testaments.22 Im Vergleich zu anderen historischen Dokumenten von z. B. Aristoteles, Caesar (Bello Gallico) oder Plato ist die historische Überlieferung der Bibel überragend und nahezu lückenlos. Von den genannten antiken Autoren liegen nur jeweils zehn oder weniger Abschriften vor, und die ältesten Abschriften entstanden mehr als 1000 Jahre nach den Originalen. Trotzdem wird die Bibel als historisches Dokument stärker angezweifelt als die Werke anderer antike Autoren. Die Beweislage sollte aber zu einem anderen Schluss führen. Alle bisherigen Erkenntnisse aus Archäologie und außerbiblischer Literatur bestätigen häufig, dass das, was in der Bibel steht, wirklich stimmt und so gewesen sein könnte. Historische Orte, Personen und Zeiträume werden von Archäologen als realistisch eingeschätzt. Die Annahme, die Bibel sei nur ein frommes Märchenbuch, lässt sich mit wissenschaftlichen Methoden nicht belegen. Ganz im Gegenteil: Je mehr archäologische Funde man macht, desto mehr wird die Genauigkeit der Bibel bestätigt.23

So kann man also wirklich darauf vertrauen, dass die Bibel von Gott kommt?

Ja, auch wenn die Bibel durch Menschen aufgeschrieben wurde. Den Schreibern blieben zwar ihre individuellen Gaben, ihr persönlicher Stil und ihr Charakter zu eigen, aber
sie beschrieben nur, was sie von Gott gehört oder wie sie Gottes Handeln erlebt hatten. Wenn also Paulus die Heilige Schrift als „von Gott eingegeben“ charakterisiert, müssen wir zu dem Schluss kommen, dass sie Gottes Wort an die Menschen ist. Alles, was in der Bibel steht, ist wahr und stammt ursprünglich von Gott. Wenn man der Bibel Vertrauen schenkt, wird man feststellen, dass Gott nicht lügt und alles wahr ist, was er sagt.24 Die Bibel berichtet, dass das Wort Gottes ewig ist, also zeitlich unbegrenzt. Es hat also Bedeutung für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Damit sind diese Schriften für Fragen des Glaubens und der
Lebensführung auch heute noch richtungsweisend. Die Bibel berichtet zudem, dass Jesus Christus, Gottes Sohn, das Wort Gottes selbst ist und als Mensch auf die Erde kam und dass somit das Wort Gottes unter den Menschen lebte.25 Jesus beanspruchte nicht nur, die Wahrheit zu kennen, sondern er ging so weit, zu behaupten, dass er selbst die personifizierte Wahrheit sei.26 Diese Aussage war und ist einmalig in der Menschheitsgeschichte und ein Anstoß seit der Antike bis in unsere heutige Zeit.

nachgehakt
• Welchen Stellenwert hat die Bibel bisher in deinemLeben?
• Überzeugen dich die Argumente, dass die Bibel GottesWort ist?
• Hast du schon mal überlegt, die Bibel zu lesen, umherauszufinden, ob sie wirklich Gottes Wort ist undwas sie über Gott und uns Menschen sagt?

 

Quellen:

1 nach Psalm 119,160

2 Apostelgeschichte 4,13

3 Hebräerbrief 4,12

4 Jesaja 46,10

5 Hesekiel 14,6; 2. Samuel 23,2 u. v. a. (über 700-mal im Alten Testament)

6 Jona 1,3

7 Jeremia 1,6-9

8 Jeremia 1,12

9 2. Petrusbrief 1,20.21

10 1. Korintherbrief 7,40

11 Lukas 24,27; Johannes 5,46; Johannes 6,45

12 Johannes 14,26t

13 Matthäus 19,4-6, 1. Mose 1,27

14 Johannes 5,47

15 Matthäus 28,20

16 Johannes 14,26

17 Lukas 1,1-4

18 R. Werner u. G. Baltes: Faszination Jesus: Was wir wirklich von Jesus wissen können. Gießen: Brunnen Verlag 2017

19 Johannes 20,31; Johannes 21,24.25

20 2. Petrusbrief 3,15.16

21 Offenbarung 22,18.19

22 Josh McDowell und Sean McDowell: Wer ist dieser Mensch?. Bielefeld: Christliche Literatur-Verbreitung 2010

23 Werner Keller: Und die Bibel hat doch recht: Forscher beweisen die historische Wahrheit. Berlin: Ullstein, 2009

24 Titusbrief 1,2text

25 Johannes 1,1.14

26 Johannes 14,6