GOTT. Begegnet!

Im vergangenen Jahr habe ich in einem Kinderheim gearbeitet. Die Arbeit war nicht immer einfach, aber Gott hat sich immer wieder, manchmal in sehr kleinen Momenten, gezeigt. Eine Situation war die Folgende:

Wir waren in einem Park. Ich saß auf einer kleinen Mauer und beobachtete Carolina (3) und Maxi (5), welche auf einem Baum herumkletterten. Irgendwann bemerkten die beiden, dass der Baum schon winzige Äpfel trug und wollten diese essen. Ich sagte ihnen, dass diese noch nicht reif seien und sie daher hängen bleiben sollten. Zunächst hörten sie auf mich, aber nach ein paar Minuten sah ich, wie Carolina zwei Äpfel abpflückte und sie Maxi reichte. Ich sagte ihnen nochmals, dass sie diese bitte nicht essen sollten, aber da war es schon zu spät: Maxi hatte sich schon zwei in den Mund geschoben. Weil er einfach meine Bitte ignoriert hatte, sagte ich ihm, dass er zu mir herunterkommen solle. Mir fiel es dann doch schwer ernst zu bleiben, als dieser kleine, süße Fünfjährige mich mit seinen großen Augen völlig unschuldig anschaute. Da saß er also neben mir und grinste mich an. Ich fragte ihn nun, was das eben sollte. Er erwiderte, dass er ja keine Schuld trage, weil Carolina ihm die Äpfel gereicht habe. Ich dachte eine Sekunde lang nach und musste plötzlich lachen. Genauso war es bei Adam und Eva. Ich habe an diesem Tag eine Wiederholung des Sündenfalls im echten Leben erlebt.

Wie schwierig ist es mitunter, Gott im Alltag zu sehen und zu erkennen. Die Wochen und Monate vergehen und manchmal könnte man den Eindruck gewinnen, er wäre nur am Sonntag in der Kirche anwesend und montags im Büro oder an der Uni sei er meilenweit entfernt. Gott teilt sich aber ständig auf ganz unterschiedliche Weise mit und es liegt an uns, ob wir die Augen und Ohren dafür offen haben. Für mich war dieser Moment ein kleines Zeichen, dass er auch in dem Stress und der großen Verantwortung, welche ich in dieser Zeit hatte, gegenwärtig war.

 

Eine besondere Gottesbegegnung hatte dagegen Josef vor ca. 2.000 Jahren. Als Maria damals mit Jesus schwanger wurde, war schnell klar, dass dieses Kind nicht von Josef kommen konnte. Insgeheim überlegte Josef Maria zu verlassen. Und wer hätte ihm das übelgenommen? Josef hatte aber einen Traum, in dem ihm ein Engel begegnete. Der Engel sagte ihm, dass Maria ihm nicht untreu gewesen, sondern das Kind von Gott sei. „Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte“ (Matthäus 1,20). Er verließ Maria letztendlich nicht.

 

Wir suchen oft nach rationalen Begründungen und Beweisen für Träume und Begebenheiten. Dies kann dazu führen, dass wir für Gottes Reden zu uns blind werden. Josef hat dagegen alles richtiggemacht. Er hat, ohne zu zweifeln, dem Engel geglaubt und entsprechend gehandelt. Einfach so. Ohne Beweis. Ich dagegen hätte womöglich von Zufall oder Einbildung gesprochen und wäre für das Reden Gottes nicht offen gewesen. Gerade als „moderne Menschen“ sind wir darauf angewiesen, dass Gott uns die Augen öffnet und wir nicht an ihm vorübergehen, obwohl er sich uns mitteilt – durch sein Wort, in Alltagsbegegnungen oder in Lebensführungen.

 

„Er öffne euch die Augen, damit ihr seht, wozu ihr berufen seid, worauf ihr hoffen könnt und welches unvorstellbar reiche Erbe auf alle wartet, die zu Gott gehören. Ihr sollt erfahren, mit welcher unermesslich großen Kraft Gott in uns, den Glaubenden, wirkt. Ist es doch dieselbe gewaltige Kraft.“

Epheser 1,18-19