Freiheit durch Menschenrechte?

Warum unsere „Rechte“ nur bedingt Religionsfreiheit ermöglichen!

539 v.Chr. eroberte Kyros der Große Babylon. Anschließend ließ er einen Ton-Zylinder anfertigen, auf dem er seine guten Taten darstellte: Die Verehrung der babylonischen Gottheit Marduk sei wiederhergestellt und verschleppte Völker und Gottheiten seien wieder in ihre Gebiete zurückgebracht worden. Manche wollen in diesem Kyros- Zylinder eine erste Erklärung von Menschenrechten sehen. Dies ist jedoch eine moderne und äußerst umstrittene Interpretation. Tatsächlich entstammt die moderne Idee von universellen menschlichen Rechten der christlichen Theologie des Mittelalters. Vor allem Thomas von Aquin und Francisco Suárez entwickelten in ihrer Interpretation der antiken griechischen Philosophen Theorien über das Naturrecht des Menschen. Aufgegriffen von den Vertretern der Aufklärung, entwickelte sich so die moderne Idee der „Freiheit, Brüderlichkeit, Gleichheit“ aller Menschen. Diese ist jedoch gerade vor dem Hintergrund eines säkularen Weltbildes im Wesentlichen axiomatisch, d.h. sie beruht auf einer nicht widerlegbaren Grundannahme.

Artikel 1 der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ (AEMR) der Vereinten Nationen vom 10.12.1948 verdeutlicht dies: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“ Die Zuschreibung, dass alle Menschen von Geburt an gleich und frei sind, ist nichts anderes als ein gesellschaftlicher Konsens, basierend auf einer philosophisch-kulturellen Tradition. Woher wissen wir denn, dass dies tatsächlich der Fall ist? Die AEMR verweist hier auf die Vernunft und das Gewissen als Grundlage und Garant dieser Rechte. Dies ist ein aufklärerisches Ideal. Der Homo sapiens – das denkende Wesen – kann seinen Zweck und seine Rechte selbst bestimmen. Aber eben nur, wenn sich alle Menschen diesem Grundkonsens verpflichtet fühlen oder es einen effektiven Schutz dieser Rechte gibt.

Als klassisches Menschenrecht gilt die Religionsfreiheit. In Artikel 4 des Grundgesetzes heißt es hier: „Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.“ Im positiven Sinne darf ich glauben, was ich will und kann diesen Glauben auch ausüben. Im negativen Sinne darf mir niemand seinen Glauben aufzwingen. Es gibt ein Recht auf Nichtglauben. In der deutschen Rechtstradition ist die Religionsfreiheit aber nur ein „Abwehrrecht“ gegenüber staatlichen Eingriffen in diesen Lebensbereich. Jedoch wird der Staat auch zur wesentlichen Schutzmacht der Religionsfreiheit im Rahmen der allgemeinen Rechtsordnung. Der tatsächliche Umfang der Religionsfreiheit wird daher in der Praxis im Wesentlichen vom Staat und in anderen Kulturen vom gesellschaftlichen Umfeld bestimmt. Menschliche Freiheit hat keine Bedeutung, wenn diese von anderen Menschen oder Systemen nicht anerkannt wird.

Dies zeigt die Künstlichkeit des Freiheitsbegriffes, welcher durch Grund- und Menschenrechte geschützt werden soll. De facto werden Freiheiten wie die Religionsfreiheit durch die entsprechende Formulierung von Rechten überhaupt erst geschaffen. Und sie existieren nur so lange und so weit, wie sie von den Institutionen mit Macht respektiert und geschützt werden. In Deutschland war dies zuletzt mit dem Versammlungsverbot religiöser Gruppierungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie hautnah erlebbar.

Freiheit ist ein kulturelles und zwischenmenschliches Konstrukt, solange ein Individuum nicht die Macht hat, seine selbstdefinierten Freiheiten gegen alle anderen Instanzen dauerhaft durchzusetzen.1 Eine solche Freiheit haben jedoch selbst die totalitärsten Regime dieser Welt zu keinem Zeitpunkt besessen. Der Mensch ist hierfür zu schwach. Zu vergänglich. Eine solche Freiheit hat nach biblischem Weltbild nur Gott. Er ist selbst völlig frei in seinem Tun und hat auch die Macht, dies umzusetzen. Er ist in jeder Hinsicht souverän. Und er allein kann Menschenrechte definieren, die überzeitlich und überkulturell gelten und diese auch garantieren. Der wirkliche Freiheitsrahmen des Menschen wird allein von Gott bestimmt. Die Religionsfreiheit gehört hier im Übrigen nicht dazu.2

Auch Gott hat in der Bibel ein Menschenrecht formuliert: „Doch allen, die Jesus aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden“ (Johannes 1,12). Dieses Recht geht in seiner Bedeutung weiter als alle menschlich formulierten Rechte. Die Freiheit, welche Kinder Gottes haben, wird von der obersten Autorität der gesamten Wirklichkeit garantiert. Dieses (Vor-)Recht bietet wahre Freiheit.

1 Ein solches Szenario wäre natürlich absolut nicht erstrebenswert.
2 Nach Joh 14,6 ist Jesus der einzige Weg zu Gott und damit die wahre Religion. Die Tatsache, dass Menschen anderen Religionen anhängen, bezeichnet die Bibel in Röm 1 als Gericht Gottes an den Menschen. Demnach hat Gott diese Menschen „dahingegeben“ – dem genauen Gegenteil von Freiheit. Trotzdem gilt gerade für Christen, dass sie Menschen anderen Glaubens mit Wertschätzung und Achtung begegnen und sich in der menschlichen Gesellschaft für die Religionsfreiheit einsetzen. Religionsfreiheit ist ein gutes Konstrukt für das gesellschaftliche Miteinander, aber kein göttlich verbrieftes Recht im Sinne eines Anspruchs ihm gegenüber.