Flucht vor der Realität – warum wir Lügen lieben

Jeder Mensch lügt. Der eine mehr, der andere weniger. Meistens werden Lügen nicht groß hinterfragt und toleriert, solange kein größerer wirtschaftlicher oder seelischer Schaden entsteht. Man nimmt es nicht so genau mit der Wahrheit, die Lüge wird normal im Alltag oder sogar zu einer Höflichkeit, weil man andere Menschen nicht durch die Wahrheit verletzen möchte.

Wem sagt man schon direkt, dass seine Frisur heute echt bescheuert aussieht? Welchem Dozenten gesteht man, dass man bei der letzten Prüfung geschummelt hat? Wir lieben es, die Wahrheit zu verheimlichen und Fehltritte zu kaschieren. Selbst in Liebesbeziehungen hören viele lieber eine Lüge, statt die schmerzliche Wahrheit zu erfahren. Auf der einen Seite erwarten wir von unserem Partner, dass er ehrlich ist. Andererseits ist es sehr schmerzhaft zu erfahren, dass der Partner fremdgegangen ist. Lebt man dann nicht lieber mit der Lüge oder verschließt die Augen vor der Realität, um die Beziehung zu retten?

Im Studium und Berufsleben herrscht an vielen Orten ein ungeheurer Konkurrenzkampf. Dort werden Lügen gezielt eingesetzt, um die eigene Person besser darzustellen. Man stellt eigene Leistungen deutlich positiver dar, um sich einen Vorteil gegenüber anderen Bewerbern zu verschaffen. In Bewerbungsunterlagen gibt man sein Bestes, um sich möglichst positiv zu verkaufen. Schwächen werden nicht genannt oder schöngeredet. Es kann aber ziemlich peinlich werden, wenn dann im Bewerbungsgespräch oder in der Probezeit die Wahrheit ans Licht kommt und man seine Versprechen nicht einhalten kann. Dabei gilt, wer manipuliert, um einen Job oder eine Beziehung zu bekommen – das können freundschaftliche, geschäftliche oder vertragliche Beziehungen sein –, der muss auch manipulieren, um den Job oder die Beziehung aufrechtzuerhalten. Dabei gilt immer noch das alte Sprichwort: „Lügen haben kurze Beine.“

Es ist schon paradox, dass wir manche Lügen lieben, obwohl sie von Fakten widerlegt werden. Oft liegt es daran, dass die Lügen besser in
unser Weltbild passen und wir nicht bereit sind, unseren eigenen Stand- punkt aufzugeben. So gilt, dass es bequemer ist, eine Lüge weiter zu glauben als neue Informationen zu prüfen und zu verarbeiten. Je öfter wir eine Lüge hören oder selbst aussprechen, desto vertrauter werden wir mit ihr, bis sie sogar zu unserer subjektiven Wahrheit wird. Damit sind wir auch bei einem Hauptproblem unserer multioptionalen, postmodernen Gesellschaft. Die breite Öffentlichkeit verneint, dass es eine objektive Wahrheit gibt, anhand der alle Meinungen geprüft werden können.

Stattdessen gibt es viele subjektive „Wahrheiten“, die alle gleichberechtigt nebeneinanderstehen dürfen. Das kann nicht funktionieren. Lüge ist nicht gleich Wahrheit. Aber wenn es um die eigenen Interessen geht, dann sind wir bereit, die Wahrheit zu ignorieren und gegen Gesetze und Moral zu verstoßen. Matthias Claudius sagte schon im 18. Jahrhundert: „Jedweder sucht eine Wahrheit nicht nach der er sich, sondern die sich nach ihm richte.“ Die Wahrheit richtet sich nicht nach uns, sondern wir müssen uns nach ihr richten.

Doch gibt es überhaupt noch eine Möglichkeit zwischen Lüge und Wahrheit, zwischen Fake und Fakt zu unterscheiden?

In der heutigen Zeit lassen sich über Facebook, Twitter und Co Fake News rasend schnell verbreiten. Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben 126.000 Tweets analysiert und den Wahrheitsgehalt der Kurzmeldungen überprüft. Sie fanden heraus, dass zwei Drittel der Nachrichten falsch waren und dass sich falsche Nachrichten sechsmal schneller im Netz verbreiten als wahre Meldungen, und dies bei einer Reichweite von 1500 Personen.

Viele Menschen sind damit überfordert zu unterscheiden. Trotz schulischem Training entwickeln nicht alle jungen Menschen eine rationale Unterscheidungsfähigkeit. Das ist gefährlich, weil es zur Unterdrückung der Gesellschaft führen kann. Wer nicht mehr kritisch denken kann, steht in der Gefahr, sich von Medien, Politik und Gesellschaftsstrukturen fremdbestimmen zu lassen. Einige Nachrichtenportale veröffentlichen Seiten im Internet, auf denen sie Fake News bloßstellen wollen. Nach welchen Kriterien können wir beurteilen, welche Internetseiten die Wahrheit sagen? Wir brauchen einen Maßstab, der außerhalb des medialen Systems ist.

Viele behaupten, die Wahrheit zu kennen oder zumindest von ihr gehört zu haben. Es gab nur einen Menschen in der Weltgeschichte, der von sich behauptete, die Wahrheit zu sein. Das ist ein absolut kontroverser Anspruch – heute wie damals. Dieser Mensch war einerseits Teil des Systems, aber doch von außerhalb. Wie geht das? Der Apostel Johannes schreibt zu Beginn seines Buches über Jesus: „Er war in der Welt, die durch ihn entstand, doch die Menschen erkannten ihn
nicht.“1 Jesus ist der Schöpfer dieser Welt und somit außerhalb von Zeit, Raum und Materie. Doch er erniedrigte sich und wurde ein Mensch wie wir. Kurz vor seiner Kreuzigung sagte er vor Gericht zu Pontius Pilatus: „Ich bin in die Welt gekommen, um für die Wahrheit einzustehen. Wem es um die Wahrheit geht, der hört auf mich.“ Es ging um Leben und Tod. Gerade vor Gericht wollen die Menschen die Wahrheit verheimlichen, um die verdiente Strafe zu umgehen.

Warum hat Jesus nicht einfach gelogen und verneint, dass er der König der Juden ist?

Die natürlichen Fakten hätten sogar für ihn gesprochen. Jesus Christus hatte kein Königreich auf dieser Welt. Mit einer Lüge hätte er vielleicht seinen Tod vermeiden können. Die Reaktion von Pontius Pilatus war jedoch erstaunlich. Er fragte: „Was ist Wahrheit?“2 Einerseits war er sich – wie viele heute – nicht sicher, was Wahrheit ist. Doch sein Urteil zeigt, dass er durch die Person Jesus Christus mit der Wahrheit konfrontiert wurde. Er fand keine Schuld an ihm und wollte ihn freisprechen. Doch die Menschenmenge, welche die Wahrheit nicht ertragen konnte, brachte Jesus schließlich doch ans Kreuz.

Dies zeigt uns, wie dramatisch die Folgen der Lüge sind. Lüge ist in den Augen Gottes eine Sünde und führt zum Tod. Am Ende der Bibel lesen wir: „Die Feiglinge, die Treulosen und die, die sich mit abscheulichen Dingen abgeben, die sexuell unmoralisch leben, und alle, die okkulte Praktiken ausüben, die Mörder, die Götzendiener und alle Lügner – sie erwartet der See, der mit brennendem Schwefel gefüllt ist, das heißt: der zweite Tod.“3

Das sind keine guten Aussichten, und trotzdem gibt es eine gute Nachricht. Die Lüge und alle anderen Sünden der Menschen haben Jesus ans Kreuz gebracht. Er hat den Preis bezahlt, damit wir nicht mehr für unsere Sünden sterben müssen. Wer dies glaubt, wird gerettet werden! Lügen sind nicht so harmlos, wie sie erscheinen. Mach dich daher auf die Suche nach der Wahrheit! Lügen kann man nicht einfach ignorieren, sondern man muss sie mit der Wahrheit bekämpfen. Die Bibel stellt ganz offen die Frage: „Wer ist nun der Lügner?“ und gibt zugleich eine klare Antwort: „Es ist der, der abstreitet, dass Jesus der Messias ist, der Christus. Wer das leugnet, ist der Christusfeind schlechthin. Er lehnt nicht nur den Sohn, sondern auch Gott, den Vater ab.“4

1 Johannes 1,10
2 Johannes 18,38 ff
3 Offenbarung 21,8
4 1. Johannesbrief 2,22