Zu Besuch in Thessalonich

Apostelgeschichte 17,1-9

 

1 Nachdem sie aber durch Amphipolis und Apollonia gereist waren, kamen sie nach Thessalonich; da war eine Synagoge der Juden. 2 Wie nun Paulus gewohnt war, ging er zu ihnen hinein und redete mit ihnen an drei Sabbaten von der Schrift, 3 tat sie ihnen auf und legte ihnen dar, dass Christus leiden musste und von den Toten auferstehen und dass dieser Jesus, den ich – so sprach er – euch verkündige, der Christus ist. 4 Einige von ihnen ließen sich überzeugen und schlossen sich Paulus und Silas an, auch eine große Menge von gottesfürchtigen Griechen, dazu nicht wenige von den angesehensten Frauen. 5 Aber die Juden ereiferten sich und holten sich einige üble Männer aus dem Pöbel, rotteten sich zusammen und richteten einen Aufruhr in der Stadt an und zogen vor das Haus Jasons und suchten sie, um sie vor das Volk zu führen. 6 Sie fanden sie aber nicht. Da schleiften sie Jason und einige Brüder vor die Oberen der Stadt und schrien: Diese, die den ganzen Weltkreis erregen, sind jetzt auch hierher gekommen; 7 die beherbergt Jason. Und diese alle handeln gegen des Kaisers Gebote und sagen, ein anderer sei König, nämlich Jesus. 8 So brachten sie das Volk auf und die Oberen der Stadt, die das hörten. 9 Und erst nachdem ihnen von Jason und den andern Bürgschaft geleistet war, ließen sie sie frei. (LUT84)

Situation

Thessalonich war die zweite Station, an der Paulus und Silas sich in Europa länger aufhielten. Im Gegensatz zu Philippi gab es hier eine Synagoge. Wie in der Vergangenheit (9,20; 13,5.14; 14,1; 16,13), fing Paulus dort an das Evangelium zu verkündigen. Die Reaktion sollte ähnlich sein, wie die in Philippi.

Kurze Erklärung zum Text

Paulus und Silas wurde der Vorwurf gemacht Unruhe zu stiften und den Kaiser zu beleidigen. Das kam vermutlich daher, dass Paulus Jesus als Christus (Messias) predigte. Die meisten Juden verbanden damit unmittelbar auch die Königsherrschaft, was ein Affront gegen den Kaiser darstellen konnte. Der Kaiser forderte absolute Loyalität. Dieser Vorwurf war schon beim Prozess gegen Jesus vorgebracht worden (Lk 23,2-4; Joh 19,12.15). Er war aber auch damals nicht berechtigt gewesen (Joh 18,36). Paulus betonte in seiner Predigt, dass Jesus Herr und König ist (1Thes 2,12), er sprach aber nicht gegen den Kaiser (Röm 13,1-7; vgl. 1Petr 2,17).

Fragen zum Text

  • Einige der Zuhörer von Paulus ließen sich von ihm überzeugen (V.4). Oft diskutiert man nur, um seine Meinung bestätigt zu sehen. Wann hast du das letzte Mal in einer Diskussion, oder danach, eingestanden, dass der Andere Recht hat? Wann hast du dich das letzte Mal vom Wort Gottes korrigieren lassen (vgl. V.11)?
  • Paulus diskutierte mit den Juden und zeigte ihnen, dass Jesus der Messias ist (V.2-3). Wir leben in einer pluralistischen Welt, in der die Meinung des anderen stehen gelassen, aber oft wenig beachtet wird. Warum wird heute so wenig diskutiert?
  • Die Juden warfen Paulus und seinen Leuten vor, Stimmung gegen den Kaiser zu machen und ‚den ganzen Weltkreis [zu] erregen‘ (V.6-7). Eine große Übertreibung, angesichts dessen, dass Paulus erst vor wenigen Wochen nach Europa gekommen war. Der Grund des Tumults war auch ein ganz anderer (V.4-5). Welche Erfahrung hast du mit falschen Beschuldigungen gemacht?
  • Jason hatte Paulus und Silas beherbergt und wurde als Folge mit verhört und übel behandelt (V.6). Müssen Christen mit solchen Folgen rechnen? Wie können wir mit solchen Situationen umgehen (vgl. 1Petr 2,19-21; 3,14; 4,14-16)?

Richtungswechsel

Gott ist es, der es bewirkt, dass Menschen zu ihm finden, nicht unsere rhetorischen Fähigkeiten. Gott wirkt aber durch sein Wort (Röm 10,14). Wir müssen die Bibel kennen, damit wir andere Menschen auf ihn hinweisen können. Die Juden zur Zeit von Paulus kannten das Alte Testament und er konnte hier gut anknüpfen (Apg 17,2-3). Die meisten Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung haben heute kaum noch Hintergrundwissen. Umso wichtiger ist es, dass wir Gottes Wort kennen, um sie mit ihm bekannt zu machen.

Die Christen in Thessalonich halfen Paulus und Silas aus ihrer misslichen Lage und schickten sie noch in der Nacht weiter nach Beröa (V.10). In Deutschland leben wir heute gewissermaßen in einer Ausnahmesituation. In vergangenen Jahrhunderten mussten Christen deutlich mehr für ihren Glauben bezahlen, und das ist auch heute noch in großen Teilen der Welt der Fall. Wie können wir Christen in Verfolgung helfen? Informiere dich (z.B. http://www.opendoors-de.org), bete, und hilf wo du kannst.