Editorial: Sternstunden

Liebe Studierende, liebe Leserinnen, liebe Leser!

Wer in der Nähe von oder sogar mitten in einer größeren Stadt wohnt, kommt nur noch selten in den Genuss, einen tiefschwarzen Nachthimmel samt Anblick unzähliger Sterne im „Band“ der Milchstraße zu erleben. Inzwischen gibt es aufgrund häufig übertrieben installierter „Bestrahlung“ in Deutschland kaum mehr Regionen, wo das Naturschauspiel Sternenhimmel noch ungestört bewundert werden kann. Dass hier Handlungsbedarf besteht, zeigen erste Gesetze gegen die sogenannte Lichtverschmutzung. Denn wir haben uns durch künstliche Lichtwelten den Blick auf ein Phänomen verstellt, das Jahrtausende lang die Menschheit inspiriert und zum Nachdenken angeregt hat. Gleichzeitig sind fantastische technische Hilfsmittel entwickelt worden, die uns tiefere Einsichten ins Universum gewähren, als es je zuvor der Fall war. Die Erfindung des Spiegelteleskops durch Isaac Newton war so ein technischer Meilenstein. Sein genial einfacher Spiegelteleskop-Typ ermöglicht heute vielen Hobbyastronomen, bei vergleichsweise geringem finanziellem Aufwand, Details auf Mond und Planeten oder ferne Galaxien zu betrachten. Die permanent fortschreitende Digitalkamera-Technik sorgt dafür, dass Amateure heute sensationelle Fotos erstellen und mit ausgeklügelter Software Details herausarbeiten können, die vor wenigen Jahrzehnten nicht einmal für Großsternwarten zugänglich waren. Der Astro-Physiker Norbert Pailer nimmt uns mit auf eine Reise in die Geschichte, als Isaac Newton spektakuläre Erkenntnisse über den Sternenhimmel gewann und ein Spiegelteleskop erfand, dass seither seinen Namen trägt. Beispiele aus der praktischen Amateur-Astronomie wie die Fotografie der Internationalen Raumstation mit einfachen Mitteln oder die Beobachtung eines Merkur-Transits am 9. Mai 2016 regen zusätzlich zum selbst ausprobieren und Nachdenken an. Dabei darf die Frage nach Gott durchaus gestellt werden, weil der Verdacht, dass wir nicht das höchste Wesen im Universum sind, beim Blick in den Sternenhimmel regelrecht ins Auge springt. Angesichts der unendlichen Weiten und der gigantischen Sternsysteme um uns herum, die sich zudem nach präzise abgestimmten Gesetzmäßigkeiten bewegen, versteht man, wieso herausragende Forscher wie Newton und Kepler kein Problem mit der Verknüpfung naturwissenschaftlicher Forschung mit theologischen Gedanken hatten. Zur Wiederbelebung dieser Tradition mag diese kleine Zusammenstellung in hochschul.net ein wenig beitragen.

Winfried Borlinghaus