Kann man Gott beweisen?

– Gottesbeweise und naturwissenschaftliches Denken –

Winfried Borlinghaus

Bescheidenheit der Vernunft

Zunächst ist es wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, über was oder wen man sich hier Gedanken macht. Die biblische Botschaft beschreibt Gott als konkrete Person mit konkreten Charaktereigenschaften und Fähigkeiten, die jedes  menschlicheVermögen übertreffen. Trotz aller Größe wendet sich dieser Gott den Menschen in liebevoller aber auch Gerechtigkeit wirkender Absicht zu. Gott ist nach diesem Verständnis keinesfalls ein menschliches Gedankengebilde und erst recht nicht nur die Umschreibung des (bislang) Unerklärlichen, sondern eine dem Menschen dimensional überlegene Persönlichkeit, die den Menschen erdacht und erschaffen hat. Es liegt diesem Schöpfergott daran, mit dem Menschen zu kommunizieren und sein Vertrauen sowie seine Liebe zu gewinnen zu der er ihn prinzipiell befähigt hat. Gott kann also nicht allein durch wissenschaftliche Versuche oder philosophische Überlegungen „erschlossen“, „bewiesen“ oder erkannt werden. Aufgrund seiner Überlegenheit, sind die Menschen auf seine Offenbarung, d.h. seine Selbsterklärung angewiesen. Dies ist nach christlicher Auffassung durch die Bücher der Bibel umfassend und ausreichend geschehen. Voraussetzung für persönliche Erfahrungen mit Gott sind daher der vertrauende und sich Gott unterordnende Glaube und das Eingeständnis, als Geschöpf in Verantwortung ihm gegenüber zu leben und seine Hilfe zur Lebensbewältigung nötig zu haben. Letztendlich führt das sogar dazu, dass der Gläubige, Gott „von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von aller seiner Kraft“ liebt (vgl. 5. Mose 6,5). Dies erfordert freilich eine bescheidene, im positiven Sinne demütige Grundhaltung gegenüber Gott, sowie die Bereitschaft zur Selbstbeschränkung. Das sind Dinge, die heute nicht gerade gefragt sind! Dies mögen neben einer immer stärker verbreiteten Geringschätzung christlicher Inhalte und Werte – als Folge eines in der Geschichte häufig missbrauchten Christentums – die Gründe sein, weswegen speziell in Deutschland eine große Skepsis gegenüber der Bibel und dem darin beschriebenen Schöpfer-Gott besteht.

Anerkennung von Beweisen

Dagegen steht die übliche atheistische, materialistische Sicht, dass Gott als reale Person gar nicht existiert und lediglich ein menschliches Gedankengebilde ist. Man lehnt jede nicht immanente Kraft oder Person ab und versucht das Dasein rein innerweltlich zu erklären. Aus religiösen Vorstellungen von Menschen sollen sich im Laufe der Jahrtausende diverse Gottesvorstellungen (quasi evolutionär) entwickelt haben. Gott wäre demnach ein Begriff für eine menschliche Vorstellung. Gott, ein Phantasieprodukt des menschlichen Gehirns. Der Mensch wird demnach nicht als Geschöpf Gottes verstanden, welches alleine schon durch diesen Akt seinen Wert erhält, sondern gilt als Zufallsprodukt des evolutionären Überlebenskampfes. Im Internetlexikon Wikipeda heißt es lapidar zum Stichwort „Gott“: „Es gibt keinen allgemein anerkannten Beweis für die Existenz eines solchen Wesens, der dem rationalen Denken zugänglich wäre.“ Interessant ist die Formulierung „anerkannter Beweis“. Ein Beweis, der Anerkennung braucht, um als solcher dienen zu können, ist streng genommen kein Beweis. Dies ist insgesamt die Schwäche der Frage nach dem Beweis. Ein Beispiel: Jesus hat laut der historischen Zeugnisse durch seine körperliche Auferstehung den Beweis erbracht, dass er den Tod besiegt hat. Augen- und Ohrenzeugen aus seiner Anhängerschaft, wie auch seiner Feinde, beweisen die Realität der unvorstellbar spektakulären Ereignisse. Anerkannt wird dieser Beweis aber nur von denjenigen, die sich von ihm und seinem Leben, Sterben und Auferstehen überzeugen ließen. Die anderen, die Gleiches miterlebt hatten, verweigerten ihm die Anerkennung und ließen ihn deshalb am Kreuz sterben. Obwohl die Ereignisse rund um die Auferstehung Jesu von den Toten historisch verbürgt und schriftlich festgehalten wurden, verweigert man den Zeugen von damals häufig die Anerkennung. Und zwar, weil man sich nicht vorstellen kann, dass diese Dinge tatsächlich geschehen sind. Eine von den Zeugen unabhängige Bestätigung lässt sich heute nicht erbringen, weil es sich um historische, im Versuch nicht wiederholbare Ereignisse handelt. Aus diesem Grund kann heute jedoch genauso wenig „bewiesen“ werden, dass Jesus nicht auferstand. Ein solches Ereignis kann im Nachhinein höchstens für mehr oder weniger unwahrscheinlich gehalten werden, weil es der üblichen Erfahrung widerspricht. Ein anderes Beispiel sind die so genannten Miller-Experimente zur Lebensentstehung in einer Ursuppe. Hier wurden Aminosäuren und andere so genannte Bausteine des Lebens unter Laborbedingungen und in sehr instabiler Form erzeugt. Für viele Wissenschaftler galt das als Durchbruch und „Beweis“ dafür, dass Leben zufällig und ohne einen Schöpfer entstehen kann. Andere erkannten diese Beweisführung nicht an, weil definitiv kein Leben entstanden war. Bis heute gilt: „Leben konnten die Wissenschaftler bisher allerdings synthetisch nicht erzeugen. So bleibt auch die Entstehung von Zellen damals vor ca. 3,7 Milliarden Jahren im Dunkeln.“ (Quelle: www.merian.fr.bw.schule.de/Beck/skripten/13/bs13-50.htm). Im Falle der Auferstehung, wird ein Ereignis trotz der beobachteten Geschehnisse nicht anerkannt, weil diese zu unglaublich erscheinen. Im Fall „Miller-Experimente“ wird der Beweis nur von denjenigen anerkannt, die darin einen Beweis sehen wollen, denn es konnte nicht beobachtet werden, dass Leben im Labor entsteht, geschweige denn spontan unter natürlichen Bedingungen. Die Frage nach Gott und seiner Beweisbarkeit ist deshalb abhängig von der Bereitschaft des Menschen, die ihm vorliegenden Beweise, z.B. in Form der Berichte der Bibel, anerkennen zu wollen. Der Grund dafür, dass sich Gottesbeweise nicht in streng naturwissenschaftlicher Form erbringen lassen, ist, dass Gott der Natur übergeordnet sein muss! Bei aller Skepsis lassen sich durchaus naturwissenschaftliche und gesellschaftliche Indizien festhalten, die prinzipielle Aussagen der Bibel über Gott und Menschen bestätigen. Dazu gehört etwa die Tatsache, dass der Mensch nicht von Natur aus gut ist, ja nicht einmal das konsequent zu tun in der Lage ist, was er selbst für gut hält. Er hat ein Problem mit seiner Schuld und Schuldfähigkeit und kann dieses Problem nicht aus eigener Kraft lösen. Niemand kann, selbst wenn er es mit Überzeugung tut, den Beschluss fassen, zukünftig nichts Böses mehr zu denken oder zu tun – er wird es nicht schaffen! Dieses Dilemma hat Jesus Christus in der berühmten Bergpredigt sehr gut veranschaulicht: „Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen“ (Matthäus 5, 20). In Bezug darauf erläutert Paulus die Notwendigkeit der Gnade Gottes: „Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist“ (Römer 3, 23-24).

Grenzen des Denkens

Welche Einwände lassen sich nun gegen eine atheistische Auffassung ins Feld führen? Zunächst muss die grundsätzliche Frage gestellt werden, ob der Mensch überhaupt in der Lage ist, sich allein aufgrund seiner Denk-Fähigkeit, in Kombination mit dem ihm zur Verfügung stehenden Wissen, ein absolut richtiges und vollständiges Bild von der Wirklichkeit zu machen. Diese Frage muss mit Nein beantwortet werden! Das inzwischen von der Menschheit angehäufte Wissen kann allein aufgrund seiner Fülle von keinem Menschen mehr komplett erfasst werden. Deshalb kann niemand für sich beanspruchen, alle Denkmöglichkeiten, speziell zu grundsätzlichen Fragen des Daseins und des Lebens abgewogen und durchgespielt zu haben. Unter diesen Umständen kann die menschliche Vernunft, auf sich gestellt, nie zu einer objektiv richtigen und umfassenden Antwort kommen. Diese Tatsache ist bedeutsam, denn sie führt zu der Erkenntnis der modernen Wissenschaftstheorie: „dass jede Wissenschaft auf metaphysischen Postulaten beruht, ja beruhen muss. Aus diesem Grunde ist eine Trennung von Glauben und Wissen generell nicht möglich.“ (Reinhard Junker, Leben durch Sterben? – Schöpfung, Heilsgeschichte und Evolution, 2. Aufl. 1994, S.67). Es ist also eine irrige Auffassung davon auszugehen, dass es eine völlig wertneutrale, objektive wissenschaftliche Forschung geben könnte. Allein die Zielsetzung einer Forschung ist deshalb schon abhängig von einem weltanschaulich geprägten Vorverständnis. Wenn dem so ist, müssen sich Wissenschaftler ihrer Grenzen hinsichtlich der gemachten Aussagen zum Leben und zu dessen Entstehung bewusst sein! In professionellen Kreisen ist dies durchaus der Fall.

Glaube ist nicht wissenschaftsfeindlich

Leider werden diese Grenzen vor allem in den populärwissenschaftlichen Darstellungen der Medien zum Thema Schöpfung/ Evolution in der Regel nicht angesprochen. Ein unrühmliches Beispiel dazu lieferte in der Vorweihnachtszeit 2005 die ZDF-Sendung „Evolution, der Glaubenskrieg“. In dieser Sendung von Joachim Bublath wurde, in aggressivem Ton und mit beißendem Spott evolutionskritischen Forschern jede Wissenschaftlichkeit abgesprochen. Es wurde in völlig unsachlicher Weise pauschal unterstellt, dass wer die Bibel ernst nimmt, die Naturwissenschaften bekämpfen und ein „simples Weltbild entgegen den wissenschaftlichen Erkenntnissen etablieren“ wolle. Dutzende namhafte Wissenschaftler der Vergangenheit und Gegenwart strafen diese Auffassung Lügen! Durch Christen würde ein „wissenschaftsfeindlicher Glaube in den Köpfen der Menschen festgesetzt.“ Dass dies eine völlig unsinnige Behauptung ist, belegt der Filmbeitrag selbst, indem er auf Wissenschaftler mit christlicher Überzeugung hinweist. Jedoch spricht Bublath hier anmaßend von „Pseudowissenschaft“. Das bedeutet: Wer heutzutage wissenschaftliche Forschungsarbeit betreibt, es aber wagt, die gängige Evolutionstheorie oder einige ihrer Teilbereiche in Frage zu stellen, muss damit rechnen, dass seine Arbeit entweder nicht zur Kenntnis genommen, nicht anerkannt oder sogar lächerlich gemacht wird. Diese Tendenz ist insofern bemerkenswert, als sich die moderne Naturwissenschaft ja selbst verordnet hat, Kritik zuzulassen und Gegenargumente herauszufordern. Werden Gegenargumente jedoch von den „falschen“ Leuten vorgetragen, wird aggressiv gegen diese vorgegangen! Eine Chance, deren berechtigte Argumente fair und sachlich darzustellen, gibt es derzeit kaum – vor allem nicht in den Massenmedien. Die Auseinandersetzung um das so genannte Intelligent Design und den Kreationismus ist nicht neu, hat aber in jüngster Zeit an Schärfe und Polemik zugenommen. Die neue Welle der Kritik wurde leider nicht ganz zu Unrecht ausgelöst, da vor allem im amerikanischen Raum Vertreter der Evolutionstheorie reichlich plump attakiert wurden. Die Gegenreaktionen sind allerdings nicht minder polemisch und undifferneziert. Bezeichnend sind in diesem Zusammenhang die Verunglimpfungen des christlichen Biologie-Professors Siegfried Scherer, der an der Universität Freising tätig ist. Einerseits wird in den Medien seine wissenschaftliche Kompetenz angezweifelt, weil er in Punkto Lebensentstehung nicht die üblichen Interpretationen unterstützt, andererseits leistet er hervorragende wissenschaftliche Arbeit, die ihm jüngst einen bedeutenden Wissenschaftspreis eingebracht hat. Obwohl die Fakten, insbesondere die sachliche Art seiner Verlautbarungen, für und nicht gegen Scherers wissenschaftliche Kompetenz sprechen, gelang es den Medien, ihm in der Öffentlichkeit ein negatives Image zu verpassen. Die aktuellen Angriffe gegen die Vertreter eines Schöpfungsglaubens zeigen, dass das Problem letzten Endes nicht die wissenschaftliche Auseinandersetzung an sich ist, (diese wird von ernstmeinenden Wissenschaftlern beider Seiten durchaus gesucht und auch gefordert). Es geht vielmehr um die Verteidigung einer freidenkerisch geprägten, naturphilosophischen Interpretation gegen scheinbar „gefährliche“ christliche Gegner, die Menschen lediglich den Schöpfer nahebringen und auf die Verantwortung des Menschen vor Gott hinweisen wollen, sowie auf dieser Basis wissenschaftlich zu arbeiten wünschen (vgl. Präambel des deutschen Grundgesetzes).

Objektivität und Offenheit des Denkens

Um sich die Diskussion der Gottesfrage zu ersparen, wird Gott kurzerhand seine reale Existenz als Schöpfer abgesprochen und in den Bereich der Mythen, Legenden und subjektiven Empfindungen verbannt. Fairerweise müsste man allerdings zumindest eingestehen, dass Gott existieren könnte. Einerseits wirft man also schöpfungsgläubigen Wissenschaftlern eine unwissenschaftliche Voreingenommenheit vor, andererseits praktiziert man sie selbst, indem man die Möglichkeit eines Schöpfers ausschließt, ohne einen wissenschaftlichen Beweis für die Richtigkeit dieser Vorentscheidung erbringen zu können.

Die Frage, ob Gott existiert, wird jedoch nicht dadurch beantwortet, dass man sich einfach Augen und Ohren zuhält.

Es gibt durchaus ernstzunehmende Argumente, die für die Existenz Gottes sprechen. Die Komplexität der Natur, speziell die des Lebens, ist, allen Unkenrufen zum Trotz ein ernstzunehmender Hinweis auf Gott, den Schöpfer! Was Paulus an die Römer schreibt, ist gerade wegen der fantastischen Möglichkeiten wissenschaftlicher Beobachtung und Forschung wichtig zu bedenken: „Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt, sodass sie keine Entschuldigung haben“ (Römer 1,20).

Schöpfung ohne Schöpfer?

In dem Maße wie die technischen Möglichkeiten der Naturbeobachtung wachsen, wächst auch die Erkenntnis, dass Lebewesen bis in kleinste Details hinein eine hervorragende konstruktive Ausstattung ihrer Organe besitzen. Mit der fortschreitenden Entdeckung der Komplexität des Lebens wird es immer schwieriger, die Organismen als Produkt einer letztlich ziellosen Evolution anzusehen. Sehr anschaulich wird die Problematik im Bereich der Bionik, wo Ingenieure staunen, ja regelrecht schwärmen angesichts der Ideen, die in Lebewesen technisch umgesetzt und menschlicher Technik haushoch überlegen sind. Zudem lässt sich in der Natur nichts von einem konstruktiven Fortschritt erkennen, wie er von der Evolutionstheorie her anzunehmen wäre. Jedes Lebewesen muss für sich betrachtet als vollkommen funktionsfähiger Organismus betrachtet werden, selbst wenn er nur als Fossil vorliegen sollte – er hätte sonst nie gelebt!

Fakten und deren Interpretation

Nicht selten wird christlichen Wissenschaftlern unterstellt, sie würden eine Unveränderlichkeit ehemals geschaffener Arten vertreten. Veränderungen von Lebewesen sind unter entsprechenden Umweltbedingungen unbestritten möglich und werden von schöpfungsgläubigen Christen weder bestritten noch wäre solches Denken von den biblischen Texten her gefordert. Was jedoch in Frage gestellt werden darf, ist die Reichweite der Variationsmöglichkeiten des Lebens. Fakt ist, dass sich Lebewesen innerhalb eines bestimmten Rahmens, entsprechend ihrer genetischen Anlagen, verändern können. Fakt ist auch, dass durch Mutationen Veränderungen der Erbin formation auftreten können. Fakt ist aber auch, dass solche Veränderungen in der Regel destruktiver Natur sind und dann als Missbildung angesehen werden müssen. Die Häufigkeit der konstruktiven Verbesserungen aufgrund zufälliger Mutationsprozesse sind vergleichsweise unbedeutend und ein Nachweis der generationenlangen Selbstorganisation eines schließlich völlig neuen, funktionsfähigen Organs konnte bisher nicht erbracht werden (wie etwa bei der evolutionstheoretisch angenommenen Entwicklung der Feder aus der Reptilschuppe oder der Lunge aus der Kieme). Unbestreitbare Fakten sind Ähnlichkeiten und Veränderungsmöglichkeiten der Organismen. Eine Abstammungslehre als Alternative zur Schöpfung ist jedoch kein Faktum, sondern eine Interpretation von Fakten. Beides darf nicht miteinander verwechselt werden! Was die Ähnlichkeit von Lebewesen angeht, besteht ebenfalls Interpretationsspielraum. Ähnlichkeit kann ein Zeichen einer langen Selbstentwicklungsgeschichte sein, sie kann aber auch auf einen gemeinsamen Konstrukteur und damit auf eine ganz andere Art der Abstammung hinweisen. Der übliche und beobachtbare natürliche Prozess des Lebens ist der Verlust an biologischer Information und das Aussterben von Arten, nicht deren Weiterentwicklung! Dieser Befund spricht für eine ursprüngliche Schöpfung, die dann dem Zerfall und der Destruktion ausgeliefert wurde, wie es die Bibel berichtet.

Gottes dimensionale Überlegenheit

Beide Denkansätze stehen, objektiv betrachtet, zunächst einmal gleichberechtigt nebeneinander! Beide gehen von Annahmen aus, die sich einer streng naturwissenschaftlichen Überprüfung, z.B. durch den wiederholbaren Versuch, entziehen. Ein Urknall aus einem unbestimmbaren Anfangszustand von Energie und Materie erfordert nicht weniger Glaube, als ein Schöpfungsakt Gottes. Eine endlose Kette von Mutationen die einen spitzmausartigen Ursäuger zum Menschen haben werden lassen, ist nicht plausibler als ein Schöpfungsakt Gottes, der dem Menschen dimensional überlegen ist und dessen Schaffenskraft sich daher der naturwissenschaftlichen Überprüfbarkeit entzieht, bzw. nur noch als Ergebnis beobachtbar ist. Diese Überlegungen unterstreichen, dass die Frage nach Gott nicht ausschließlich von der naturwissenschaftlichen Seite her beantwortet werden kann und darf.

Weitere Hinweise auf Gott

Außerhalb der Naturwissenschaften ist die Sehnsucht des Menschen nach Gott und der Versuch, dies durch Religiosität zu kompensieren, ein Hinweis auf ihn. Auch ethische Prinzipien, die sich weltweit in ähnlicher Form finden, könnten ein Hinweis sein, dass sie ihren Ursprung in dem Gesetz haben, das der Schöpfer (quasi als Betriebsystem) für den Menschen gegeben hat. Das Autonomiestreben des Menschen und seine Neigung, sich einen Gott nach eigenen Vorstellungen zu machen, könnte dazu geführt haben, dass nur noch Relikte dieser guten Gedanken Gottes für das Zusammenleben der Menschen übrig geblieben sind. Die Bibel und ihr Zustandekommen über hunderte von Jahren bei gleichzeitiger inhaltlicher Kontinuität, ist ein starkes Argument für einen konkreten Geist Gottes, der alle Autoren gleichermaßen zum Schreiben bewegt hat. Die Verknüpfung der geistlich bedeutsamen Ereignisse mit den historischen Geschehnissen der damaligen Zeit lässt zumindest den klaren Realitätsbezug der biblischen Texte erkennen. Ebenso erstaunlich ist die Tatsache zahlreicher prophetischer Aussagen, die durch deren Erfüllung im Verlauf der Geschichte nachweislich bestätigt wurden. Hier hebt sich die Bibel deutlich von Heiligen Schriften anderer Religionen ab. Auch dass es in der Bibel im Grunde keine Helden gibt, sondern menschliche Schwächen schonungslos geschildert werden, spricht für die Authentizität der Texte. Zu diesen Argumenten ließen sich noch weitere hinzufügen, beispielsweise die persönlichen Erfahrungen, die Menschen mit Gott gemacht haben, der innere Friede als Folge echten Glaubens und die fröhliche Grundhaltung aufgrund des Wissens um vergebene Schuld durch Jesu stellvertretendes Opfer am Kreuz.

Vertrauen

All das führt aber wieder zurück zur Grundproblematik, dass der Mensch einen Gott, der ihm überlegen ist, nicht durch eigene Logik wird herleiten können. Er muss Vertrauen und Glauben investieren um einen Zugang zu finden. Er muss darauf setzen, dass Gott sich ihm selbst durch sein Handeln in der Geschichte, durch Zeitzeugen und durch eigenes Erleben mitteilt. Wie bei der Liebe sind es bei Gott Indizien und nicht wissenschaftliche Beweise, die für ihn sprechen.