Erhöhung durch Erniedrigung

Philipper 2,1-11

 

1 Ist nun bei euch Ermahnung in Christus, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit, 2 so macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr „eines“ Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid. 3 Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, 4 und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient. 5 Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht: 6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, 7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. 8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. 9 Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, 10 dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, 11 und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. (LUT84)

Situation

Schon bei der Entstehung der Gemeinde in Philippi waren ganz unterschiedliche Charaktere vertreten. Denken wir zurück an die gottesfürchtige Geschäftsfrau Lydia mit ihrer Familie, die von einem Wahrsagegeist befreite Sklavin und den Kerkermeister mit seiner Familie. Das bringt Spannungen mit sich. Bis zur Entstehung des Philipperbriefes vergingen mehr als 10 Jahre. Der Philipperbrief ist vermutlich der letzte Brief aus Paulus erster Gefangenschaft in Rom. Feinde von außen versuchten die Christen zu verführen und die Gemeinde stand unter einem gewissen Druck (1,27-30; 3,2.18-19). Einige hatten auch Sorgen, was ihre finanziellen Mittel anging (4,6.19). Durch den äußeren Druck kamen Spannungen auf (2,14-16; 4,2f). Angesichts dessen rief sie Paulus auf das gemeinsame Ziel im Blick zu behalten und die Gesinnung von Jesus anzunehmen.

Kurze Erklärung zum Text

Viele Christen tun sich schwer damit zu verstehen, was in Jesus vorging, als er Mensch wurde. Das zweite Kapitel des Philipperbriefes klärt nicht alle Fragen, aber einige. Die Gottheit Jesus wird in dem Text deutlich bestätigt (2,6). Seine Menschwerdung bedeutet nicht, dass er dadurch weniger Gott wurde. Was sich änderte, war die Gestalt. Er war in der Gestalt Gottes (2,6) und wurde der Gestalt nach ein Mensch (2,7). Außerdem wählte Jesus freiwillig den Weg des Gehorsams und der  Erniedrigung (2,6-8). Er ging den Weg bis ans Kreuz.

Heute wird das Kreuz von manchen als Modeschmuck verwendet. Im ersten Jahrhundert hätte das niemand gewagt. Nur die schlimmsten Verbrecher wurden von den Römern mit dem Kreuzestod bestraft. Das Bild vom Galgen oder vom elektrischen Stuhl trifft es heute vielleicht am besten. Soweit erniedrigte sich Jesus.

Fragen zum Text

  • Welches oberstes Ziel im Leben von Paulus wird in Kapitel 1 deutlich? Lies dazu: Phil 1,3-5.7.12.16.27-30.
  • Warum ist Einheit unter Christen erforderlich, um das Ziel zu erreichen?
  • Was sind eurer Erfahrung nach die häufigsten Gründe für Streit zwischen Christen?
  • Wie kann uns das Beispiel von Jesus helfen, um Einheit zu schaffen?
  • Oft denken wir: „Das wäre eine gute Predigt für meinen Nachbarn gewesen“. Warum ist es so schwer das für sich anzunehmen? Was kann uns helfen die Einstellung zu ändern?

Richtungswechsel

Wenn es eine Sache ist, die der Text deutlich macht, dann die, dass Lehre und Leben zusammen gehören. Wenn wir beides voneinander trennen, stimmt etwas nicht. Wir haben es auch immer wieder nötig daran erinnert zu werden. Paulus erinnerte die Philipper zwei Kapitel später noch einmal an dieses Prinzip. „Was ihr gelernt und empfangen und gehört und gesehen habt an mir, das tut;…“ (4,9a). In welcher konkreten Situation hast du es nötig daran erinnert zu werden?

Auch der zweite Teil des obigen Verses passt zu dem gelesenen Text „…so wird der Gott des Friedens mit euch sein“ (4,9b). Jesus ging den Weg der Erniedrigung aus freien Stücken, und sein Vater belohnte sein Vertrauen (2,9-11). Wenn wir seinem Beispiel folgen, brauchen wir keine Angst haben, dass uns etwas entgeht. Wir brauchen nicht für uns sorgen, Gott tut das (vgl. 1Petr 5,6f). Vertrauen wir auf Ihn.