Weisheit aber welche?

Kolosser 2,4-23

 

4 Ich sage das, damit euch niemand betrüge mit verführerischen Reden. 5 Denn obwohl ich leiblich abwesend bin, so bin ich doch im Geist bei euch und freue mich, wenn ich eure Ordnung und euren festen Glauben an Christus sehe. 6 Wie ihr nun den Herrn Christus Jesus angenommen habt, so lebt auch in ihm 7 und seid in ihm verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und seid reichlich dankbar. 8 Seht zu, dass euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug, gegründet auf die Lehre von Menschen und auf die Mächte der Welt und nicht auf Christus. 9 Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig 10 und an dieser Fülle habt ihr teil in ihm, der das Haupt aller Mächte und Gewalten ist. 11 In ihm seid ihr auch beschnitten worden mit einer Beschneidung, die nicht mit Händen geschieht, als ihr nämlich euer fleischliches Wesen ablegtet in der Beschneidung durch Christus.

12 Mit ihm seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten. 13 Und er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden. 14 Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet. 15 Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.

16 So lasst euch nun von niemandem ein schlechtes Gewissen machen wegen Speise und Trank oder wegen eines bestimmten Feiertages, Neumondes oder Sabbats. 17 Das alles ist nur ein Schatten des Zukünftigen; leibhaftig aber ist es in Christus. 18 Lasst euch den Siegespreis von niemandem nehmen, der sich gefällt in falscher Demut und Verehrung der Engel und sich dessen rühmt, was er geschaut hat, und ist ohne Grund aufgeblasen in seinem fleischlichen Sinn 19 und hält sich nicht an das Haupt, von dem her der ganze Leib durch Gelenke und Bänder gestützt und zusammengehalten wird und wächst durch Gottes Wirken. 20 Wenn ihr nun mit Christus den Mächten der Welt gestorben seid, was lasst ihr euch dann Satzungen auferlegen, als lebtet ihr noch in der Welt: 21 Du sollst das nicht anfassen, du sollst das nicht kosten, du sollst das nicht anrühren? 22 Das alles soll doch verbraucht und verzehrt werden. Es sind Gebote und Lehren von Menschen, 23 die zwar einen Schein von Weisheit haben durch selbst erwählte Frömmigkeit und Demut und dadurch, dass sie den Leib nicht schonen; sie sind aber nichts wert und befriedigen nur das Fleisch. (Text: Luther 1984)

Situation:

Die Kolosser haben als junge Gemeinde einen guten Start hingelegt. Allerdings ist der feste Glaube und die von Paulus speziell gelobte „Ordnung“ bedroht. Offensichtlich besteht die Gefahr, sich durch mächtige und redegewandte Leute von dieser klaren Linie abbringen zu lassen. Philosophische Gedankengebäude der Griechen und andere geistige Machtinteressen an denen auch jüdische Schriftgelehrte ihren Anteil haben, fechten den Glauben der Einzelnen an. Paulus nimmt dies zum Anlass, noch einmal deutlich und in Form einer für Paulus fast schon übersichtlichen Aufzählung, die Bedeutung Jesu und seiner Macht herauszustellen. Jesus bleibt über alle der Sieger und dem dürfen die Kolosser angehören. Mit dieser deutlichen Klarstellung ermutigt er die angefochtenen Kolosser!

Kurze Erklärungen zum Text:

Vergleich zwischen menschlicher und göttlicher Weisheit:

Menschliche Weisheit: Damals vor allem das gesetzliche Judentum (Stichwort „Beschneidung“ (vgl. Galaterbrief), auch in Hierapolis, Laodizäa und Kolossä verbreitet. Dazu griechische Philosophie, gnostische Lehre vom eigenen religiösen Leistungsanteil: Askese, Körperfeindlichkeit bis hin zur Verwahrlosung in moralischer wie physischer Hinsicht. Menschliche Weisheit setzt auf Stärke, Macht, Intelligenz und Dominanz (2,8).

Selbst die religiöse Weisheit (2,21-23) kann als „geistliche Selbstbefriedigung“ alles andere als gottgefällig sein. Auch sie ist von „fleischlicher Gesinnung“ befallen, die auf sich selbst und die eigene Anerkennung fixiert ist. Interessant: Sogar das Gewissen (eigentlich eine gute Einrichtung) und zwar nicht als „gewissensloses“ sondern als besonders „gewissenhaftes“ kann „fleischlich“ missbraucht werden!

Göttliche Weisheit: Sie kommt in Christus zur Vollendung. Gott erwählt das Schwache, löscht den glimmenden Docht nicht aus, achtet das Verachtete, rettet Verlorene und Sünder, beugt sich nicht der Macht des Todes und des Stärkeren, stellt sich gegen jede Selektion durch Fitness (vgl. 1.Kor 1,18-25). Genau das lebt und lehrt Jesus!

Im Text fallen häufige Wiederholungen auf: „In ihm“ und „mit ihm“!

Aus dem „Christus in euch“ aus Kaptiel 1,27 wird nun das „lebt in ihm“ (2,6f). Es gab einen Wechsel: vorher in Sünden (13; vgl. Eph 2,1-3) nun in Christus!

Was Christus bringt: Fülle, das Leben (13), anderes (nicht fleischliches) Wesen, begraben u. auferstanden, Vergebung der Sünden, Freiheit (von den Mächten dieser Welt), Siegespreis (18), Halt, Wachstum (19)

Schuld, Vergebung und das Kreuz: Die Situation: Schulden haben und sie nicht zurückzahlen können. Dein Haus, dein Leben gehört der Bank. Dieses Gefühl, verkauft und nicht frei zu sein wird weggenommen, wenn ein anderer die Schulden zahlt (den Schuldbrief mit seinen Forderungen tilgt)! Dabei gibt es keinen Weg am Kreuz vorbei, wie es viele Theologen und Theologinnen heute gerne hätten! Warum? Weil es der von Gott selbst gewählte und alternativlose Weg zur Sühnung unserer Schuld ist. Wer das Kreuz verachtet und ablehnt, lehnt Gottes Initiative und den Ausdruck seiner Liebe ab. Wer das Kreuz nicht will, will nicht, dass Jesus sein Leben für ihn gibt. (vgl. Gal 1,3f)

Fragen zum Text-Abschnitt:

  1. Was ist das verführerische an menschlicher Weisheit und Philosophie (4 u. 8)?
  2. Was unterscheidet menschliche von göttlicher Weisheit? Was sagt die Bibel zu dieser Weisheit?
  3. Wieso kann Frömmigkeit und Demut, ja sogar der Verzicht auf Annehmlichkeiten (Askese) oder sonstige religiöse Leistung (strenge Gesetzesbefolgung) von Paulus als scheinbare Weisheit und sogar als fleischlich bezeichnet werden und was hat das mit Paulus eigener Geschichte zu tun?
  4. Was haben wir als Gläubige „in ihm“ und „mit ihm“ (dem Christus)?
  5. Warum geht es bei Taufe und Beschneidung letztlich nicht um Äußerlichkeiten? (11-12) Vgl. Röm 12,1-2; 1.Petr 3,20b-21
  6. Was sind die Gründe warum Menschen heute nicht oder nicht mehr glauben?
  7. Warum ist das Bild vom Kopf der alles zusammenhält (2,19) ein guter Vergleich bzgl. Jesus und seiner Gemeinde?
  8. Was gibt Dir im Leben/ Glauben wirklich Halt und warum?
  9. Wieso stehen wir überhaupt in Gottes Schuld? Was bedeutet Dir die Vergebung?

Richtungswechsel:

Es ist unbedingt nötig „festen Grund unter den Füßen“ des Glaubens zu haben. Es lohnt sich deshalb, sich die entscheidenden Grundlagen des Glaubens vor Augen zu halten, die Jesus gegeben hat. In dem Sinne wie man mit ihm verbunden und in ihm verwurzelt ist, ist man geistlich lebendig, steht auf der Siegerseite und bleibt resistent gegen geistige Verführungen.

(WB)