Jesus leidet mit!

Kolosser 1,24 – 2,3

 

24 Nun freue ich mich in den Leiden, die ich für euch leide, und erstatte an meinem Fleisch, was an den Leiden Christi noch fehlt, für seinen Leib, das ist die Gemeinde. 25 Ihr Diener bin ich geworden durch das Amt, das Gott mir gegeben hat, dass ich euch sein Wort reichlich predigen soll, 26 nämlich das Geheimnis, das verborgen war seit ewigen Zeiten und Geschlechtern, nun aber ist es offenbart seinen Heiligen, 27 denen Gott kundtun wollte, was der herrliche Reichtum dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, nämlich Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. 28 Den verkündigen wir und ermahnen alle Menschen und lehren alle Menschen in aller Weisheit, damit wir einen jeden Menschen in Christus vollkommen machen. 29 Dafür mühe ich mich auch ab und ringe in der Kraft dessen, der in mir kräftig wirkt.

2,1 Ich will euch nämlich wissen lassen, welchen Kampf ich um euch führe und um die in Laodizea und um alle, die mich nicht von Angesicht gesehen haben, 2 damit ihre Herzen gestärkt und zusammengefügt werden in der Liebe und zu allem Reichtum an Gewissheit und Verständnis, zu erkennen das Geheimnis Gottes, das Christus ist, 3 in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. (Luther, 1984)

Situation

Paulus erinnert an seine eigene Gefangenschaft, die er wegen seines Glaubens an Jesus erduldet. Interessant ist auch der Hinweis, wie Paulus sich bemüht (kämpft), das Evangelium nicht nur live zu erklären, sondern auch die „Print-Medien“ seiner Zeit zu nutzen, nämlich den Brief, bzw. Rundbrief. Damit kann er diejenigen erreichen, die er nicht persönlich kennt und vielleicht nie persönlich treffen wird. Seine Briefe sind also vollwertige Verkündigung in anderer Form. Weitere Informationen zur Situation siehe Erklärung zu Kol 1,1-12.

Kurze Erklärungen zum Text

Der Begriff „erstattet“ (Kol 1,24) ist irreführend, weil er nach Rückzahlung klingt, was hier aber nicht gemeint ist! Es geht um die Ergänzung einer noch nicht erreichten Summe von etwas. Das „etwas“ ist hier das Leiden Christi, nicht das Leiden des Paulus! Die Zielsetzung ist: für die Gemeinde, die ebenfalls Christus gehört. Und „für die Gemeinde“ bedeutet hier Leid i.S.v. Begleitung im Leid und in Schwachheit (vgl. Hebr 4,15) aber nicht zur Ergänzung ihrer Rechtfertigung, denn die ist endgültig für alle Zeiten vollbracht (vgl. Hebr 2,9; 9,26; 10,10).

Jesus selbst leidet durch das Leiden der Glieder seiner Gemeinde als der mit ihnen verbundene Kopf (Haupt) mit (vgl. Kol 1,18; Eph 5,23)! Nur in dieser Hinsicht kann Paulus davon sprechen, dass an den Leiden Christi noch etwas fehlt. Dabei nimmt auch Paulus nur etwas auf sich, was eigentlich Jesus gilt! So ergänzt (Luther: „erstattet“), Paulus durch sein eigenes Leid das Leiden Christi, wie es jeder andere um Jesu willen leidende Christ ebenfalls tut – bis zum Ende. Wenn Gottes Kinder angegriffen werden, wird Gott selbst und damit Jesus selbst angegriffen! Jesus leidet dabei „automatisch“ mit, weil er selbst durch seinen Geist in den Gläubigen „wohnt“ (Kol 1,27; Röm 8,9-11). So setzt sich sein Leiden seines irdischen Daseins von damals bis heute als „himmlisches“ Mitleiden (d.h. trotz der unmittelbaren Gegenwart der Herrlichkeit Gottes) fort. Deshalb: wenn ein Glied leidet (wie in diesem Falle Paulus), leidet erstens der Christ Paulus, weil er Teil des Leibes Christi ist! Dann leiden zweitens alle Glieder der Gemeinde mit (1.Kor 12,26) und drittens leidet Christus als Haupt seines Gemeinde-Leibes mit. Das Ertragen von Leid durch Gläubige geschieht dabei definitiv nicht im Sinne eines rechtfertigenden Opfers zugunsten der Leidenden selbst oder zugunsten anderer! Solches Leiden kann deshalb niemandem als Schuldenausgleich zugerechnet werden. Es kann aber durchaus andere dazu ermutigen, jedem antichristlichen Druck standzuhalten. Christi Leiden ist solange nicht beendet, wie das Leiden seiner Gemeinde nicht beendet ist. Das Schuldopfer Jesu Christi erfährt dagegen keine Ergänzung oder Fortsetzung.

Paulus versteht sich in Kol 1,25 als Diener Christi und als solcher auch als Diener der Gemeinde – also des Leibes Christi! Das ist das Ziel seines Kampfes (Kol 2,1).

Heilige sind in Kol 1,26 die zu ihm Gehörenden. Das Gott Geweihte. Sein Eigentum. Das mit Gott fest Verbundene. Es sind die durch Christus für ihn erlösten Kinder Gottes und keine moralisch herausragenden Menschen.

In Kol 1,28 ist mit „ermahnen und lehren“ bekannt machen – über Missstände aufklären – erklären gemeint.

Fragen zum Text-Abschnitt

  1. Wofür bin ich persönlich bereit zu kämpfen und was meine ich damit, wenn ich es tue?
  2. Wofür kämpft Paulus und warum lohnt sich dieser Kampf für ihn? (Kol 2,2)
  3. Was unterscheidet diesen Kampf und das christliche Märtyrertum vom islamischen Verständnis, das heute leider als typisch angesehen wird?
  4. Was will Paulus bei seinen Adressaten erreichen? Welche Ziele spricht er an?
  5. Wer sind Gottes Heilige – was bedeutet dieser Ausdruck?
  6. Welches Geheimnis wurde gelüftet? Was können wir als Christen besser wissen, als z.B. die Menschen vor Jesus? Hilfe zur Antwort: Wenn von Geheimnis im Neuen Testament die Rede ist, dann meistens so, dass es gelüftet wurde und zwar durch Jesus für diejenigen die ihm vertrauen. Das wird auch nochmal in der Zusammenfassung von Kapitel 4,3f betont.
  7. Von welchem Geheimnis spricht Paulus eigentlich – speziell damals im neuen heidenchristlichen Umfeld? (Vgl. Eph 3,1-6(-13))

Weshalb glaube ich? Was hat mich überzeugt? Was gibt mir Gewissheit und nimmt mir ggf. die Zweifel? (zum Stichwort: „Reichtum an Gewissheit“ (Kol 2,2))

Richtungswechsel

Wer wegen seines Glaubens an Jesus leidet, darf sich sicher sein, dass das Jesus nicht nur interessiert, sondern dass dieser selbst mitleidet. Jesus ist auferstanden und bleibt im Leid trotzdem ganz nah bei uns! Er sorgt am Ende für Gerechtigkeit. Jesus-Nachfolge war und ist kein „Ponyhof“. Wer in solchem Leiden sein Leben Jesus ganz anvertraut und ihm den Richterspruch überlässt, zeigt deutlich mehr innere Stärke, als wenn er selbst auf Rache sinnt und entsprechende Gelegenheiten nutzt. Die Botschaft vom Ertragen des Leidens ist im Gegensatz zum Djihad-Gedanken eine klare Absage gegen jede gewaltsame Ausbreitung oder Verteidigung des christlichen Glaubens!

(WB)