Das Evangelium lässt sich nicht einsperren!

Kolosser 1,1-12

 

1 Paulus, ein Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes, und Bruder Timotheus 2 an die Heiligen in Kolossä, die gläubigen Brüder in Christus: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater! 3 Wir danken Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, allezeit, wenn wir für euch beten, 4 da wir gehört haben von eurem Glauben an Christus Jesus und von der Liebe, die ihr zu allen Heiligen habt, 5 um der Hoffnung willen, die für euch bereit ist im Himmel. (vgl. 1.Thess 1,2) Von ihr (der Hoffnung) habt ihr schon zuvor gehört durch das Wort der Wahrheit, das Evangelium, 6 das zu euch gekommen ist, wie es auch in aller Welt Frucht bringt und auch bei euch wächst von dem Tag an, da ihr’s gehört und die Gnade Gottes erkannt habt in der Wahrheit. 7 So habt ihr’s gelernt von Epaphras, unserm lieben Mitknecht, der ein treuer Diener Christi für euch ist, 8 der uns auch berichtet hat von eurer Liebe im Geist. 9 Darum lassen wir auch von dem Tag an, an dem wir’s gehört haben, nicht ab, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht, 10 dass ihr des Herrn würdig lebt, ihm in allen Stücken gefallt und Frucht bringt in jedem guten Werk und wachst in der Erkenntnis Gottes 11 und gestärkt werdet mit aller Kraft durch seine herrliche Macht zu aller Geduld und Langmut. 12 Mit Freuden sagt Dank dem Vater, der euch tüchtig gemacht hat zu dem Erbteil der Heiligen im Licht. (Luther, 1984)

Situation

Kolossä, 15 km südöstl. von Laodizäa. Stadt in der römischen Provinz Asia, Gebiet: Phrygien, Lykostal (mögl. Kelten-Einfluss), mittlerer Westen der Türkei, wird nirgends in der Apostelgeschichte erwähnt! Nur ein einziges Mal fällt der Begriff Kolosser in der Briefüberschrift, sonst „Kolossä“ in 1,2! Nach 60 n. Chr. weitgehende Zerstörung durch Erdbeben!

Kolosser = Phrygier und Juden. In der Gemeinde keine Karteileichen, denn (1,2) Gläubige (in Christus!)! Phrygien wird häufiger in der Apg erwähnt: Apg 2,10; 16,6; 18,23

Kurze Erklärungen zum Text

Paulus schreibt den Brief von Rom aus der Gefangenschaft (zwischen 60 und 64 n. Chr.). Er ist als Rundbrief zum Weiterleiten gedacht (Kol 4,16).

Thema: Christus das Haupt (im Epheserbrief der Leib), Weisheit Christi gegenüber Weisheit der Welt (Philosophie). Wer geistlich bestehen und ungute Abhängigkeiten loswerden will, muss seinen Blick auf Jesus richten!

Fünf Mitarbeiter von Paulus, die im Kolosserbrief erwähnt werden, finden sich auch im Philemon-Brief: Aristarch, Markus, Lukas, Demas und Archippus (Kol 4,10-14.17; Phlm 2.23f). Die auch geografisch nahe beieinander gelegenen Gemeinden in Kolossä, Laodizäa und Hierapolis stehen offensichtlich in engem Kontakt zueinander (Kol 2,1; 4.13; 4,15f).

Epaphras ist sehr wahrscheinlich der Gründer der Gemeinde (Kol 1,7) der z. Zt. der Kolosserbrief-Übermittlung offensichtlich bei Paulus ist oder zumindest mit ihm in engerem Kontakt steht. Zeitweise war er sogar gemeinsam mit Paulus Gefangener – vermutlich in Rom (Philm 23). Vielleicht hält er engen Kontakt zu Paulus als ein weiterer Missionar und Gemeindegründer, der ähnlich wie Paulus zwischen verschiedenen Gemeinden als „Referent“ hin- und her pendelt. Er scheint sein Amt an einen Nachfolger Archippus (Kol 4,17) übertragen zu haben ist aber weiter herzlich mit Kolossä wie mit den anderen beiden großen Städten Phrygiens verbunden (Kol 4,13: Laodizäa, Hierapolis).

Tychikus überbringt den Brief gemeinsam mit Onesimus, der den Philemonbrief für seinen Ex-Chef mitnimmt (Kol 4,7-9). Vielleicht nimmt bei der gleichen Reise Tychikus auch den Epheserbrief mit?! (vgl. Eph 6,21). Alle drei Briefe werden in etwa zeitgleich datiert: um 60 – 64 n. Chr. Vielleicht war es unmittelbar vor dem großen Erdbeben, dass in den Sechzigern n. Chr. die drei Städte Hierapolis, Laodizäa und Kolossä verwüstete. Letztere so stark, dass sie sich nie wieder davon erholte. Zur Zeit der Abfassung kann das Erdbeben noch nicht stattgefunden haben, bzw. war Paulus zumindest nicht darüber informiert, sonst hätte er sicher auf das damit verbundene Leid Bezug genommen.

Fragen zum Text-Abschnitt

Von einander hören, lernen, berichten – füreinander beten. Welchen Stellenwert haben diese Formen der Anteilnahme im Text?

Wie hängen Kommunikation und gelebte Gemeinschaft unter Christen zusammen und wie wird dadurch das Verständnis von Gott gefördert?

Glaube – Liebe – Hoffnung, drei Lieblingsbegriffe von Paulus und Schlüsselbegriffe zum Verständnis des Evangeliums. Weshalb sind diese 3 Begriffe von zentraler Bedeutung für das Verständnis des christlichen Glaubens (vgl. Verse 4-5)?

Der Wille Gottes wird mehrfach im Brief betont (1,1.9; 4,12). Was lässt uns den Willen Gottes sicher erkennen? Was meint Paulus in diesem Zusammenhang mit geistlicher Weisheit und Einsicht (9)?

Was sind die Ursachen und Kennzeichen geistlicher Kraft?

Immer wieder taucht das Erbe als Bild für Gottes Versprechen auf. Woran sind diese Erb-Aussichten geknüpft?

Auf welches „Erbteil“ freust Du Dich persönlich besonders, bzw. wofür dankst Du Gott speziell?

Richtungswechsel

Die praktischen Auswirkungen des Glaubens spiegeln letztlich die Intensität der persönlichen Verbindung mit Gott wider. Deshalb ist es so wichtig diese Verbindung zu pflegen und daraus Gottesverständnis, Kraft und Ideen zu schöpfen.

(WB)