Wer hat den Durchblick?

Johannes 9,1-41 

 

Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. 2 Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? 3 Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. 4 Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. 5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. 6 Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden. 7 Und er sprach zu ihm: Geh zum Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder… (LUT84)

Kontext

Im vorangehenden Kapitel offenbart sich Jesus als Licht der Welt (8,12). In Kapitel 9 wird das veranschaulicht. Jesus öffnet dem Blinden zuerst physikalisch, dann geistlich die Augen. Die Pharisäer sehen zwar, aber sind geistlich blind (9,39-41). Dadurch erfüllt sich, was Johannes schon in seiner Einleitung schrieb: „Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.“ (1,5).

Kurze Erklärung zum Text

Die Jünger von Jesus sahen einen klaren Zusammenhang zwischen Sünde und Krankheit (9,2; vgl. 9,34; Hiob 4,7). Da der Blinde allerdings schon von Geburt an blind war, passte das nicht so recht in ihr Konzept. Deshalb die Frage, ob möglicherweise seine Eltern gesündigt hatten (vgl. hierzu aber: Jer 31,29f). Obwohl Paulus erwähnt, dass es einen Zusammenhang geben kann (1Kor 11,30), schließt er einen zwangsläufigen Zusammenhang aus (z.B. 2Kor 12,7). Krankheit und Leid ist grundsätzlich eine Folge des Sündenfalls, aber nicht in jedem Fall auf konkrete Sünden zurückzuführen.

Heilung von Blindheit wird im Alten Testament nur unter ganz besonderen Umständen erwähnt (2Kön 6,8-20). Jedoch wird sie für die Zeit, in der der Messias erwartet wurde, vorausgesagt (Jes 29,18; 35,5; 42,7). Die Pharisäer kannten die Schriften und hätten ihren Messias erkennen müssen (Joh 9,30-32).

Fragen zum Text

  • Gibt es deiner Meinung nach einen Zusammenhang zwischen Sünde und Krankheit (vgl. 9,2f)? Wenn ja, wie würdest du ihn erklären? Und welche Prinzipien sollten bei Seelsorgerlichen Fragen in dieser Richtung beachtet werden?
  • Die Schwachheit des Blindgeborenen war die Grundlage dafür, dass Gottes Werke offenbar wurden (9,3). Durch welche deiner Schwächen kann Gott verherrlicht werden?
  • In der Geschichte von der Heilung des Blindgeborenen gibt es viele Parallelen zur Heilung des Gelähmten in Joh 5,1-16. Vergleiche die Reaktion der beiden Männer. Welcher ist nachahmenswerter? Warum?
  • Warum haben die Pharisäer Jesus trotz konkreter Hinweise in den Schriften (Jes 29,18; 35,5; 42,7) nicht geglaubt?
  • Die Eltern des Blindgeborenen hielten sich aus Angst vor den Konsequenzen aus der Auseinandersetzung heraus (9,18-23). Kannst du ihre Reaktion nachvollziehen? Ist es dir schon einmal ähnlich gegangen? Wie kann man diese Angst überwinden?

Richtungswechsel

Der Blindgeborene ist ein hervorragendes Vorbild dafür Jesus zu bekennen. Er schämt sich nicht für das was Jesus an ihm getan hat und nimmt sogar den Ausschluss der Synagoge in Kauf (9,22). Folge seinem Beispiel!

Um Jesus vor anderen zu bekennen brauch man kein großer Theologe zu sein. Der Blindgeborene bezeugte in aller Einfachheit was Jesus an ihm getan hatte, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal richtig erkannt hatte wer Jesus ist (vgl. 9,35-38). „Ist er ein Sünder? Das weiß ich nicht; eins aber weiß ich: dass ich blind war und bin nun sehend.“ (9,25). Warte nicht erst bis du auf alle möglichen Einwände Antworten gefunden hast, sonst wirst vermutlich nie soweit sein. Bekenne dich heute zu Jesus!