Wer ist Jesus für dich?

Johannes 7,14-39

 

14 Aber mitten im Fest ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte. 15 Und die Juden verwunderten sich und sprachen: Wie kann dieser die Schrift verstehen, wenn er es doch nicht gelernt hat? 16 Jesus antwortete ihnen und sprach: Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat.17 Wenn jemand dessen Willen tun will, wird er innewerden, ob diese Lehre von Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede. 18 Wer von sich selbst aus redet, der sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und keine Ungerechtigkeit ist in ihm. 19 Hat euch nicht Mose das Gesetz gegeben? Und niemand unter euch tut das Gesetz. Warum sucht ihr mich zu töten? 20 Das Volk antwortete: Du bist besessen; wer sucht dich zu töten? 21 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ein einziges Werk habe ich getan und es wundert euch alle. 22 Mose hat euch doch die Beschneidung gegeben – nicht dass sie von Mose kommt, sondern von den Vätern -, und ihr beschneidet den Menschen auch am Sabbat. 23 Wenn nun ein Mensch am Sabbat die Beschneidung empfängt, damit nicht das Gesetz des Mose gebrochen werde, was zürnt ihr dann mir, weil ich am Sabbat den ganzen Menschen gesund gemacht habe?24 Richtet nicht nach dem, was vor Augen ist, sondern richtet gerecht. 25 Da sprachen einige aus Jerusalem: Ist das nicht der, den sie zu töten suchen? 26 Und siehe, er redet frei und offen und sie sagen ihm nichts. Sollten unsere Oberen nun wahrhaftig erkannt haben, dass er der Christus ist? 27 Doch wir wissen, woher dieser ist; wenn aber der Christus kommen wird, so wird niemand wissen, woher er ist.28 Da rief Jesus, der im Tempel lehrte: Ihr kennt mich und wisst, woher ich bin. Aber nicht von mir selbst aus bin ich gekommen, sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, den ihr nicht kennt. 29 Ich aber kenne ihn; denn ich bin von ihm, und er hat mich gesandt. 30 Da suchten sie ihn zu ergreifen; aber niemand legte Hand an ihn, denn seine Stunde war noch nicht gekommen. 31 Aber viele aus dem Volk glaubten an ihn und sprachen: Wenn der Christus kommen wird, wird er etwa mehr Zeichen tun, als dieser getan hat? 32 Und es kam den Pharisäern zu Ohren, dass im Volk solches Gemurmel über ihn war. Da sandten die Hohenpriester und Pharisäer Knechte aus, die ihn ergreifen sollten. 33 Da sprach Jesus zu ihnen: Ich bin noch eine kleine Zeit bei euch, und dann gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat. 34 Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen. 35 Da sprachen die Juden untereinander: Wo will dieser hingehen, dass wir ihn nicht finden könnten? Will er zu denen gehen, die in der Zerstreuung unter den Griechen wohnen, und die Griechen lehren? 36 Was ist das für ein Wort, dass er sagt: Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin, da könnt ihr nicht hinkommen? 37 Aber am letzten Tag des Festes, der der höchste war, trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! 38 Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. 39 Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.  (LUT84)

Kontext

Das Laubhüttenfest ist eins der drei großen jüdischen Feste. Der Beginn der Ernte stand im Mittelpunkt und Gott wurden die Erstlinge davon dargebracht (2Mo 23,16; 34,22). Seinen Namen erhielt es weil die Israeliten in der Zeit des Festes in Laubhütten wohnten (Neh 8,14-18). Die Hütten sollten an die Zeit der Wüstenwanderung erinnern (3Mo 23,42f).

Schon bevor Jesus die Bildfläche betrat, stand er im Zentrum der Ereignisse. Die jüdische Obrigkeit suchte ihn um ihn zu töten (7,1.11) und die übrigen Festbesucher diskutierten darüber ob Jesus nun ein guter Lehrer oder ein Verführer sei (7,12). Keiner traute sich aber öffentlich über ihn zu sprechen, weil sie Angst vor der Obrigkeit hatten (7,13).

Kurze Erklärung zum Text

Als Jesus von seinen Brüdern aufgefordert wurde zum Fest nach Jerusalem zu gehen (7,3f), lehnte Jesus ab. „Geht ihr hinauf zum Fest! Ich will nicht hinaufgehen zu diesem Fest, denn meine Zeit ist noch nicht erfüllt.“ (Joh 7,8). Das scheint auf den ersten Blick im Widerspruch mit 7,10 zu stehen, in dem erwähnt wird, dass Jesus doch nach Jerusalem zog. Jesus schloss in 7,8 aber nicht aus, möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt nach Jerusalem zu gehen. Nur wollte er nicht öffentlich mit seinen Brüdern gehen, um nicht sofort erkannt zu werden (7,10).  Seine Zeit war noch nicht gekommen. In allem handelte Jesus in Abhängigkeit von seinem Vater (vgl. 2,4).

Da das Laubhüttenfest zu Beginn der Erntezeit gefeiert wurde, stand der Dank an Gott für ausreichenden Regen für das Wachstum natürlich im Hintergrund. Ein Zusammenhang zwischen dem Laubhüttenfest und Regen wird auch in Sach 14,16-19 deutlich. Zur Neutestamentlichen Zeit hatte sich außerdem bereits ein Ritus entwickelt, bei dem an jedem Morgen des Laubhüttenfestes eine Prozession stattfand, bei der Priester Wasser aus dem Teich Siloah holten und vor dem Altar ausgossen. Am siebten Tag wurde diese Prozession siebenmal wiederholt. All das stand im Hintergrund, als Jesus am letzten Tag des Festes vom Wasser sprach (7,37-39).

Das Bild des Wassers verweist auf das Kommen Heiligen Geist und den damit verbundenen Segnungen Gottes (Jes 44,3; 58,11; Joel 4,18). Zwar war der Heilige Geist schon immer aktiv, er würde aber erst nach der Auferstehung von Jesus permanent in denen wohnen, die Jesus als ihren Herrn und Retter annehmen (7,39).

Fragen zum Text

  • Viele Menschen basteln sich heute ihre eigene Religion zusammen. Das gibt ihnen Lebenshilfe und ein Gefühl von Sinn im Leben. Für Jesus ist es allerdings wichtig, dass er sich auf eine Autorität beruft (7,16). Was für einen Unterschied macht das (vgl. 7,18)?
  • Jesus hatte nie eine theologische Ausbildung absolviert. Trotzdem kannte er sich im Alten Testament aus. Als Voraussetzung dafür nannte er die Bereitschaft den Willen Gottes zu tun (7,17).  Warum reicht Theorie alleine nicht aus?
  • Die Gefahr das Eine zu lehren und das Andere zu tun war nicht nur bei den Menschen zur Zeit von Jesus real. Sie beriefen sich auf Mose, aber handelten nicht nach seinen Geboten (7,19-24). Sie kamen in Jerusalem zusammen, um ihren Gott anzubeten und zeigten doch, dass sie ihn nicht wirklich kannten, indem sie Jesus ablehnten, den er gesandt hatte (7,28f). Wie kann man sich selbst davor schützen?
  • Niemand konnte Jesus etwas anhaben, weil seine Zeit noch nicht gekommen war (7,30). Inwieweit können wir das auf unser Leben anwenden? Wie kann uns das Vertrauen und Hoffnung geben?
  • Jesus rief die durstigen auf zu ihm zu kommen. Wen meinte er damit? Was meint Jesus damit wenn er sagt, dass er unseren Durst stillen will (vgl. 4,10.13f; Jes 12,3; 55,1)? Wie erlebt ihr das praktisch?

Richtungswechsel

Nikodemus wird uns hier als einer der Menschen vorgestellt, die sich zu Jesus bekannten. Während er zuvor noch heimlich bei Nacht gekommen war (3,2), verteidigte er Jesus nun öffentlich vor den übrigen Pharisäern (7,50f; vgl. 19,39). Er wies sie allerdings nicht zurecht oder redete abschätzig über sie, sondern stellte ihnen eine Frage. Sie änderten ihre Einstellung zwar nicht, aber sie hatten ihm nichts entgegenzusetzen und es wurde deutlich, dass sie im Unrecht waren (7,52). Überlege einmal in welchen Situationen dir Nikodemus ein Vorbild sein kann, um andere Menschen zum Nachdenken zu bewegen.