Lebenshunger kann gestillt werden

Johanes 6, 1 – 71
 […]. 33 Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. 34 Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. 35 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.36 Aber ich habe euch gesagt: Ihr habt mich gesehen und glaubt doch nicht. 37 Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. 38 Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. 39 Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich’s auferwecke am Jüngsten Tage.´[ …] (Luther 1984; es lohnt sich, das ganze Kapitel zu lesen!)

Situation

Jesus hält sich aus Jeruslem kommend wieder in Galiläa auf. Nachdem er im Raum Nazareth von der Ermordung Johannes des Täufers hört (vgl. Mt 13,53ff) zieht er sich an einen einsamen Ort auf (der es nicht lange bleiben soll). Dazu überquert er mit dem Boot den See Genezareth. Woher er genau kam und an welchem Ort er dann zu der großen Menschenmenge spricht und diejenigen speist, die ihm folgen, bleibt unklar. Dieser Ort lässt sich anhand der Angaben in den vier Evangelien nicht exakt lokalisieren. Lukas erwähnt Betsaida (Lk 9,10) als nahe gelegene Stadt am Nordostufer des Sees Genezareth. Markus hält fest (Mk 6,31ff), dass die Apostel per Boot an diesen ruhigen Ort (wohl am Seeufer) voraus ruderten. Das bleibt nicht unbeobachtet und eine große Menge folgt zu Fuß. Nach Matthäus kommen die Menschen nicht allein aus Betsaida, sondern auch aus umliegenden Städten (eher Dörfer nach heutigem Größen-Verständnis) (Mt 14,13). Von der nun folgenden Predigt Jesu und der anschließenden „Speisung der 5000“ (wobei es sich hier nur um die gezählten Männer handelt, Mt 14,21) berichten alle Evangelien (von der späteren „Speisung der 4000“ jedoch nur Matthäus und Markus). Nachdem die Jünger ohne Jesus Richtung Kapernaum abfahren (was von den Leuten beobachtet wird), begegnet ihnen dieser kurz vor deren Ankunft als „Fußgänger“ auf dem Wasser (Joh 6,16-21). Mit diesem Zeichen demonstriert Jesus seinen Aposteln zusätzlich und eindrücklich seine Position als Sohn Gottes, der Herr über die geschaffene Natur ist. Am nächsten Morgen suchen die Menschen, die inzwischen sogar aus Tiberias herüber segeln (Joh 6,23), im Gebiet der „Speisung der 5000“ vergeblich nach Jesus, der ja nicht mit seinen Jüngern abgefahren war. Schließlich finden sie alle zusammen im westlich gelegenen Kapernaum und wundern sich, wie Jesus ohne Boot dorthin gelangt ist (Joh 6,25f).

Kurze Erklärung zum Text

Das Zeichen, das Jesus mit diesem Speisungswunder setzt (Joh 6,14), erinnert die Leute zu Recht an den bisher größten Propheten Mose, der Israel aus Ägypten und durch die Wüste führte. Damals geschah das Wunder der Versorgung durch Manna (essbarer Niederschlag) und Wachtel-Schwärme (2. Mos 4,16.31). Mose kündigte prophetisch einen besonderen „Propheten-Nachfolger“ für die Zukunft an: den Messias (5.Mos 18,15)! Dieser Messias ist nun da, nur verstehen die durch Jesus gespeisten Menschen seine geistliche Funktion als Versöhner mit Gott und sein Reich (das nicht von dieser Welt ist) noch nicht. Sie wollen ihn lediglich zu ihrem weltlichen Herrscher machen, weil sie kurzfristige Versorgung erfahren haben (Joh 6,26).

In Kapernaum angekommen, bitten die Leute Jesus darum, ihnen „Brot vom Himmel“ (wie zur Zeit Moses) zu geben (Joh 6,32-34). Obwohl Jesus ihnen bereits eindrücklich seine göttliche Vollmacht gezeigt hat, fordern sie weitere Zeichen und haben bloß ihre Brotversorgung im Sinn. Offensichtlich haben die Wenigsten begriffen, wer hier wirklich vor ihnen steht. Sie haben auch nicht begriffen, dass es nicht um eine „Gratis-Bäckerei“ sondern um ihre eigene Versöhnung mit Gott geht – durch diesen Jesus, der zwar analog zum Manna „vom Himmel kommt“, aber unfassbar viel mehr geben will und kann als körperliche Sättigung! Nicht das Zeichen sondern die Tatsache hinter dem Zeichen ist die Hauptsache. Als Jesus ihnen klar macht, dass es genau darum geht und er selbst das viel wertvollere Brot des Lebens ist, das sie dem Tod entreißen kann, wenden sich seine Zuhörer mürrisch und skeptisch ab. Nun kommt ihnen Jesus nicht mehr mit weiteren Erklärungen und Zeichen entgegen, sondern provoziert mit ungeheuren Aussagen wie: „Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohns esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch, …“ (Joh 6,53ff). So kommt es nicht zur großen „Erweckungsbewegung“ und zu keiner evangelistischen Erfolgsstory, sondern zur Aufdeckung der wahren Motive und der Echtheit des Glaubens. Von zentraler Bedeutung sind die Verse 37-40. Jesus stellt seine Herkunft, seinen Auftrag und seine Übereinstimmung mit dem Willen Gottes, des Vaters klar. Glaube nach dem Willen Gottes ist damit ohne uneingeschränkte Befürwortung der Taten, der Lehre und der Stellung Jesu nicht möglich. Nicht einmal im engeren Jüngerkreis ist dieser Glaube bei allen vorhanden und Jesus hat bereits seinen zukünftigen Verräter im Blick. Das Kapitel endet nach „viel Volk“ in Vers 2 mit dem „einsamen“ Bekenntnis des Petrus (6,68f; Mt 16,16), der zu den wenigen gehört, die bleiben. Bei Petrus wird in der Folge seines Lebens besonders deutlich, wie sehr es beim Glauben um die Herzenshaltung (vgl. 1. Sam 16,7b) und um ehrliche Selbsterkenntnis geht. Religiöse Pflichterfüllung, die nach Anerkennung eigener Leistung sucht oder eigene statt Gottes Interessen fördert, trennt von Jesus und damit auch von Gott.

Fragen zum Text

  1. Was schätzen die vielen Menschen an Jesus (Joh 6,2.26.34)?
  2. Was schätzen Menschen (wenn überhaupt noch) heute an Jesus?
  3. Welche Tendenz bzgl. der Begeisterung der Menschen zeigt das Kapitel 6 auf?
  4. Was hat die Speisung Israels mit Manna in der Wüste mit Joh 6 zu tun?
  5. Welche Bedeutung hatte das Brot für die Menschen und was wäre heute damit vergleichbar?
  6. Wo liegen die entscheidenden geistlichen Vergleichspunkte mit Jesus im Bild vom Brot?
  7. In welchem Verhältnis stehen in deinem Leben die praktische Versorgung, Gesundheit, Familie, etc. im Vergleich zur Versöhnung mit Gott und der Situation nach dem Tod?
  8. Wie wurde der Hunger nach Gott in Deinem Leben gestillt oder in welchen Punkten ist er noch ungestillt? Wie könnte Jesus da Abhilfe schaffen?

Richtungswechsel

Jesus erwartet eigentlich diejenigen, die es vor Lebensdurst- und -hunger nicht mehr aushalten; solche, die sich mit kurzfristiger und ausschließlich diesseitiger Befriedigung nicht abgeben wollen; solche, die sich nach Gottes Nähe sehnen. Wenn Du bisher unabhängig von Gott sein wolltest, ist das nur scheinbare Freiheit und Sicherheit. Wenn du zu sehr auf deine Lebensplanung und die Verwirklichung deiner Interessen geschaut hast, bist du vielleicht auch ein Sklave dieser Interessen und wirst nie „satt“?! Von den Folgen falscher Hoffnungen und zerstörerischer Schuld will dich Jesus befreien. Deshalb wage eine neue Sichtweise und sieh die ewige Dimension deines Lebens. Vertraue dich Jesus an, der sie überblickt und den Tod überwunden hat. Er wird dich nicht hinausstoßen!