THE END: Es ist vollbracht!

Johannes 19,16-42

 

16 Da überantwortete er ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde. Sie nahmen ihn aber 17 und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. 18 Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte. 19 Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der König der Juden.20 Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. 21 Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden. 22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.23 Als aber die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch das Gewand. Das war aber ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. 24 Da sprachen sie untereinander: Lasst uns das nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten. 25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. 26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! 27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. 28 Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. 29 Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und steckten ihn auf ein Ysoprohr und hielten es ihm an den Mund. 30 Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht!, und neigte das Haupt und verschied.31 Weil es aber Rüsttag war und die Leichname nicht am Kreuz bleiben sollten den Sabbat über – denn dieser Sabbat war ein hoher Festtag -, baten die Juden Pilatus, dass ihnen die Beine gebrochen und sie abgenommen würden. 32 Da kamen die Soldaten und brachen dem Ersten die Beine und auch dem andern, der mit ihm gekreuzigt war. 33 Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht; 34 sondern einer der Soldaten stieß mit dem Speer in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus. 35 Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, dass er die Wahrheit sagt, damit auch ihr glaubt. 36 Denn das ist geschehen, damit die Schrift erfüllt würde (2.Mose 12,46): »Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen.« 37 Und wiederum sagt die Schrift an einer andern Stelle (Sacharja 12,10): »Sie werden den sehen, den sie durchbohrt haben.« 38 Danach bat Josef von Arimathäa, der ein Jünger Jesu war, doch heimlich, aus Furcht vor den Juden, den Pilatus, dass er den Leichnam Jesu abnehmen dürfe. Und Pilatus erlaubte es. Da kam er und nahm den Leichnam Jesu ab. 39 Es kam aber auch Nikodemus, der vormals in der Nacht zu Jesus gekommen war, und brachte Myrrhe gemischt mit Aloe, etwa hundert Pfund. 40 Da nahmen sie den Leichnam Jesu und banden ihn in Leinentücher mit wohlriechenden Ölen, wie die Juden zu begraben pflegen. 41 Es war aber an der Stätte, wo er gekreuzigt wurde, ein Garten und im Garten ein neues Grab, in das noch nie jemand gelegt worden war.42 Dahin legten sie Jesus wegen des Rüsttags der Juden, weil das Grab nahe war. (LUT84)

Situation

Bei Jesus‘ Gefangennahme hatte Petrus noch versucht ihn zu verteidigen (18,10). Jesus entgegnete, dass alles, was geschehen würde, Teil des Planes seines Vaters sei (18,11). Was in Joh 19,16-42 wie eine Niederlage aussah, war in Wirklichkeit Gottes Plan zur Rettung der Welt. Es finden sich hier keine tiefgreifenden theologischen Aussagen, drei Mal ist aber davon die Rede, dass sich durch die Ereignisse die Schrift erfüllte (19,24.28.36f). Mitten in seiner tiefsten Stunde rief Jesus: „Es ist vollbracht“ (V.30).

Erklärung zum Text

Laut den jüdischen Gesetzen wurde das Land verflucht wenn ein toter Körper über Nacht an einem Baum hing (5Mo 21,22f). Deshalb baten die Juden Pilatus darum die Leichen der Gekreuzigten von den Kreuzen nehmen.

Die zitierten erfüllten Prophetien bereiten einige Schwierigkeiten. Wenn man die Verse im Alten Testament liest, würde man nicht ohne Weiteres eine Erfüllung wie in Joh 19 erwarten. In Ps 22 beispielsweise berichtet David bildhaft von seiner Bedrückung durch Feinde. So heißt es beispielsweise in V.15: „Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Knochen haben sich voneinander gelöst; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs.“ Den Vers kann man kaum wörtlich verstehen. Warum dann V.19 zitieren und ihn als Prophetie für das Ergehen des kommenden Messias nehmen (Joh 19,24)? Es scheint doch bestenfalls eine wörtliche, sonst bildlich dargestellte Beschreibung des Ergehens von David zu sein. Warum sagt Johannes, dass die Schrift erfüllt wurde, als Jesus Essig zu Trinken bekam (V.28f)? Ps 69,22 scheint keinerlei Prophetische Voraussage zu sein, sondern lediglich die Beschreibung dessen, was David erlebt hat.

Mit der Erfüllung der Prophetie ist in Joh 19, wie auch in vielen anderen Passagen, nicht die Erfüllung einer wörtlich vorausgesagten Prophetie gemeint. Es gibt im Alten Testament natürlich auch einzelne Prophetien, die sich konkret und wörtlich in Jesus erfüllen. Hier ist aber eher die Erfüllung ganzer alttestamentlicher Themen im Blick. David war das beste Beispiel für den König Israels im Alten Testament. Jesus ist der eine wahre König(V.19). So wie David als Gerechter leiden musste (Ps 22,19; 69,22), so musste auch Jesus als gerechter Leiden (Joh 19,24.28f). Dass die Psalm-Verse wörtlich auch auf Jesus angewandt werden können zeigt, dass Gott Herr der Geschichte ist und sich Muster wörtlich wiederholen. Es heißt nicht zwangsläufig, dass David sich bewusst war, dass er eine Prophetie formuliert, auch nicht, dass die Psalm-Verse eine wörtliche Erfüllung verlangen.

Dem Lamm, das beim Auszug aus Ägypten, zum ersten Passahfest, geschlachtet werden sollte, durfte kein Bein gebrochen werden (2Mo 12,46). Jesus ist das wahre Passahlamm (vgl. 1Kor 5,7). Das Blut des ersten Passahlamms schützte die Israeliten vor dem sicheren Tod – jeden, der Gott vertraute und das Blut an seine Türpfosten strich. Das Blut (der Tod) von Jesus schützt vor dem sicheren Gericht – jeden, der ihm vertraut.

Sacharja spricht über die bevorstehende Rettung Israels (12,10). Wohl bemerkt, der Sprechende in Sach 12,10 ist Jahwe, Gott (vgl. 12,1). Wenn der Vers in 19,37 auf Jesus angewendet wird, heißt das: Jesus ist wahrer Gott. In Sach 12,10 ist tatsächlich eine Prophetie im Blick, die sich in der Zukunft erfüllen würde. Die Juden konnten sich nicht vorstellen, wie Gott leiden könnte. Dieser Teil von Sach 12,10 hat sich in Jesus‘ Tod erfüllt. Die Erkenntnis des ganzen Volkes Israels steht allerdings noch aus (vgl. Offb 1,7).

Jesus ist der wahre König, er ist das wahre Passahlamm und er ist wahrer Gott. Die Erfüllungen sagen nicht weniger aus als wenn sie sich allein wörtlich erfüllten, sondern mehr. Johannes hat die Verse keinesfalls aus dem Zusammenhang gerissen.

Fragen zum Text

  • Durch das Handeln der Soldaten wurde, ohne dass sie sich dessen bewusst waren, die Schrift erfüllt (V.24.28.36f). In welchen Situationen kann es dir helfen zu wissen: „Gott hat die Dinge unter Kontrolle“?
  • Als Jesus starb rief er: „Es ist vollbracht!“ (V.30). Was meint er damit? Nimm dir Zeit darüber nachzudenken, was in diesem wichtigsten Moment der Weltgeschichte „vollbracht“ wurde.
  • Die verantwortlichen Juden handeln während der Anklage und Verurteilung Jesus‘ ziemlich scheinheilig. So wollen sie ihn z. B. eigentlich aus religiösen Gründen töten lassen (19,7), bringen aber für ihren Zweck falsche politische Gründe vor, mit denen sie Pilatus unter Druck setzen (19,12). Im vorliegenden Text dagegen geben sie sich wieder ziemlich fromm, indem sie die alttestamentlichen Gesetze beachten wollen (V.31 – siehe Erklärung). Kennst du das? Du willst etwas erreichen und versuchst das Ziel mit Dingen zu rechtfertigen, die an den Haaren herbei gezogen sind? Welche Motivation steht dann in Wirklichkeit meistens dahinter?
  • Johannes schrieb den Bericht auf und nannte die erfüllten Prophetien „damit auch ihr glaubt“ (V.35). In wieweit hilft das Kapitel dir dabei zu glauben? Inwieweit könnte es anderen helfen wenn du das geschriebene mit ihnen teilst?
  • Josef von Arimathäa ist eine interessante Person. Er wird als heimlicher Jünger bezeichnet, aus Angst vor den Juden. An dieser Stelle hat er jedoch Mut bewiesen (siehe auch Lk 23,50f). Wo stehst du in der Gefahr dein Christsein zu verheimlichen? Nimm dir Josef (und Nikodemus – V.30) als Beispiel und überlege dir wo du in dieser Woche konkret Gelegenheit hast deinen Glauben zu bekennen.

Richtungswechsel

Im Zentrum von Joh 19 steht Jesus‘ Tod und die damit einhergehende Erfüllung des Alten Testaments. Er ist der wahre König und der wahre Gott, aber gleichzeitig das Passahlamm, das die Schuld der Welt auf sich nahm (siehe Erklärung). Danke ihm für das, was er für dich getan hat!