Die Angst loswerden!

Johannes 16,4-33

 

4 Aber dies habe ich zu euch geredet, damit, wenn ihre Stunde kommen wird, ihr daran denkt, dass ich’s euch gesagt habe. Zu Anfang aber habe ich es euch nicht gesagt, denn ich war bei euch. 5 Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? 6 Doch weil ich das zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. 7 Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden. 8 Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; 9 über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben; 10 über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; 11 über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist. 12 Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. 13 Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. 14 Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen. 15 Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er wird’s von dem Meinen nehmen und euch verkündigen. 16 Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen. 17 Da sprachen einige seiner Jünger untereinander: Was bedeutet das, was er zu uns sagt: Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen; und: Ich gehe zum Vater? 18 Da sprachen sie: Was bedeutet das, was er sagt: Noch eine kleine Weile? Wir wissen nicht, was er redet. 19 Da merkte Jesus, dass sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Danach fragt ihr euch untereinander, dass ich gesagt habe: Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen? 20 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. 21 Eine Frau, wenn sie gebiert, so hat sie Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. 22 Und auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. 23 An dem Tag werdet ihr mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben. 24 Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei. 25 Das habe ich euch in Bildern gesagt. Es kommt die Zeit, dass ich nicht mehr in Bildern mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. 26 An jenem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten will; 27 denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebt und glaubt, dass ich von Gott ausgegangen bin. 28 Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater. 29 Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus und nicht mehr in Bildern. 30 Nun wissen wir, dass du alle Dinge weißt und bedarfst dessen nicht, dass dich jemand fragt. Darum glauben wir, dass du von Gott ausgegangen bist. 31 Jesus antwortete ihnen: Jetzt glaubt ihr? 32 Siehe, es kommt die Stunde und ist schon gekommen, dass ihr zerstreut werdet, ein jeder in das Seine, und mich allein lasst. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. 33 Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. (Lu 1984)

Situation

Jesus setzt seine Abschiedsrede an seine Jünger fort. Er warnt sie im Vorfeld vor der Möglichkeit von ihm „abfallen“ zu können. Und er tröstet sie so, wie es dann der Heilige Geist in seinem Auftrag übernehmen wird. Den baldigen Tod am Kreuz sieht Jesus deutlich vor sich. Der zunehmende Verfolgungsdruck, dem er durch die religiösen Führer (Pharisäer, Sadduzäer, Schriftgelehrte, HoherRat) selbst ausgesetzt ist, wird auch seinen Jüngern nicht erspart bleiben, wenn Jesus seine Mission erfüllt hat und zurück in die himmlische Welt zu Gott, seinem Vater, geht. Die Worte, die Jesus unmittelbar vor der Himmelfahrt an seine Jünger richtet, weisen deutliche Parallelen zu unserem Abschnitt auf (vgl. Apg 1,6-14). Jesus weiß um die geplante Sendung des Heiligen Geistes, der ihn dann vertreten wird (und nicht etwa ein Papst).

Erklärung zum Text

Mit „ihre Stunde wird kommen“ meint Jesus die Zeit, in der seine Gegner auch einige seiner Nachfolger töten werden. Eine harte Zeit wird kommen. Jesus nachzufolgen wird Opfer kosten (Tod, Zerstreuung Joh 16,32).

Der Heilige Geist hat als dritte göttliche Person eine besondere Aufgabe des Trostes und des Zuspruchs der Worte Jesu an seine Jünger. Er wird außerdem Exeget sein und erklären, was es mit Sünde, Rechtfertigung und Gericht auf sich hat. Er wird auch deutlich machen, dass Satan, der Widersacher Gottes, keine Chance in diesem Gericht hat und sein Urteil bereits unverrückbar feststeht. Der Heilige Geist ist außerdem wesensmäßig eins mit Vater und Sohn, weil er ebenfalls der Wahrheit verpflichtet ist. Was der Heilige Geist sagt, ist deshalb immer deckungsgleich mit den Worten des Vaters, des Sohnes und letzten Endes der biblischen Schriften (Joh 14,23), die Gott selbst initiiert hat (vgl. 2. Petr 1,19-21).

Die „kleine Weile“ für die Jesus nicht bei seinen Jüngern sein wird, ist eine klare Ansage: er wird sterben und „eine kleine Weile“, nämlich 3 Tage im Grab sein (Trauer in Vers 20), dann eine weitere „kleine Weile“ als Auferstandener seinen Jüngern begegnen (Freude in Vers 20), bevor seine unmittelbare Gegenwart vom Heiligen Geist übernommen wird (Fortsetzung der Freude).

Die Bitte in Jesu Namen (23) könnte sich auf die Bitte um das richtige Verständnis der Ereignisse beziehen. Durch den Heiligen Geist wird diese Bitte erfüllt, was an Lk 11,11-13 erinnert, wo Jesus ebenfalls den Heiligen Geist als zukünftigen Helfer im Blick hat. Bisher mussten die Jünger nicht in Jesu Namen um Erkenntnis bitten, aber dann wenn er nicht mehr unter ihnen sein wird, werden sie es tun, weil der Heilige Geist, der Geist Gottes und der Geist Jesu ist, der nicht eigenständig handeln und erklären wird, sondern dies in völliger Übereinstimmung mit Gott dem Vater und Jesus dem Sohn tun wird (vgl. Joh 14,26). So wird auch die Bitte der Jünger, die von Gottes Geist geleitet sind, erhört, weil ihre Bitten dann dem Willen Gottes entsprechen werden (Joh 14,14; 16,23).

Fragen zum Text

  1. Mit welchen Schwierigkeiten wurdest du schon konfrontiert, weil Du an Jesus glaubst?
  2. Warum könnte diese Rede Jesu auch ein Hinderungsgrund sein, sich ihm zu sehr anzuvertrauen?
  3. Was ist die Hauptursache deiner Ängste?
  4. Worin liegt für dich der größte Trost in dem was Jesus getan und in diesem Abschnitt gesagt hat?

Richtungswechsel

Die grundlegendste Ursache für die Angst in der Welt ist der Tod und Gottes letztes Gerichtsurteil und die damit verbundene scheinbare Endgültigkeit des Lebens. Diese todernste Folge der Sünde wird durch Jesus aufgehoben. Weil er diese für Menschen nicht überwindbare Grenze sprengt, wird auch die Todes-Angst, für die Menschen, die ihm vertrauen, nicht mehr das letzte Wort haben.