Das Gebot einander zu lieben

Johannes 13,31-35

 

31 Als Judas nun hinausgegangen war, spricht Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in ihm. 32 Ist Gott verherrlicht in ihm, so wird Gott ihn auch verherrlichen in sich und wird ihn bald verherrlichen. 33 Liebe Kinder, ich bin noch eine kleine Weile bei euch. Ihr werdet mich suchen. Und wie ich zu den Juden sagte, sage ich jetzt auch zu euch: Wo ich hingehe, da könnt ihr nicht hinkommen.  34 Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt.  35 Daran wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.  36 Spricht Simon Petrus zu ihm: Herr, wo gehst du hin? Jesus antwortete ihm: Wo ich hingehe, kannst du mir diesmal nicht folgen; aber du wirst mir später folgen.  37 Petrus spricht zu ihm: Herr, warum kann ich dir diesmal nicht folgen? Ich will mein Leben für dich lassen.  38 Jesus antwortete ihm: Du willst dein Leben für mich lassen? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Der Hahn wird nicht krähen, bis du mich dreimal verleugnet hast. (LU 84)

Allgemeine Situation/Kontext

Jesus weiß um die bevorstehenden Ereignisse und um den Verrat aus dem Jüngerkreis heraus. Waren es zuvor noch Gedanken, die Satan Judas ins Herz gegeben hat, so nimmt Satan jetzt ganz Besitz von Judas. Er verlässt den Jüngerkreis  und Jesus bleibt nur noch wenig Zeit gemeinsam mit seinen Jüngern. Jesus ist sich darüber im Klaren, dass er mit seinem Leiden und Sterben Gott verherrlichen wird, dass er aber den bevorstehenden Weg alleine geht. Petrus will Jesus zwar unter Lebensgefahr folgen, doch Jesus kennt die Realität und sieht die bevorstehende Verleugnung durch ihn.

Erklärung zum Text

Der Sohn des Menschen ist eine Selbstbezeichnung von Jesus, die er bereits ab Kap. 1 verwendet hat.  Sie geht auf Dan 7 und Psalm 8,5 zurück und steht für einen messianischen Herrscher des Volkes Gottes. Weil dieser göttlichen Ursprung hat, kann seine Göttlichkeit und sein Menschsein betont werden. Das  Johannes-Evangelium betont besonders, dass Jesus von Gott ausgegangen ist und wieder zum Vater zurückkehrt (13,1.3; 14,28; 16,10.16.28).

Die Herrlichkeit Gottes soll bereits im AT die Erde füllen (4.Mo 14,21) und auch unter den Heiden soll die Herrlichkeit Gottes bekannt werden (Ps 96,3 ; Jes 66,18).  Jesus trägt von Anfang an Zeichen der Herrlichkeit Gottes (Joh 1,14), die auch in seinem Dienst sichtbar werden (Joh 2,11). Die Verherrlichung Gottes durch den Menschensohn geschieht letztendlich durch das Kreuz (V.32a). Herrlichkeit bezieht sich hier auf die Rettung des Sünders durch das stellvertretende Opfer am Kreuz. In der Auferstehung und Himmelfahrt empfängt der Sohn dann wieder die Herrlichkeit des Vaters (V.32b).

Jesus weiß, dass er seine Jünger „verwaist“ zurücklassen wird. Seine Schüler werden ihn, den Rabbi,  nach der gemeinsamen Lehrzeit vermissen. Doch er gibt ihnen ein neues Gebot, sich untereinander so zu lieben, wie er die Jünger geliebt hat. Nicht die Nächstenliebe, sondern die Liebe zu anderen Jesusnachfolgern ist hier gemeint. Jesus hat dies vorgelebt und führt dieses neue Liebesgebot als Kennzeichen für das neue Gottesvolk ein. Dieses Kennzeichen ist sozusagen die Visitenkarte, an der jeder die Nachfolger Jesu erkennen kann.

Fragen

1. Was sind die Kennzeichen des Menschensohnes in Dan 7?

2. Was verstehen wir im Allgemeinen unter Herrlichkeit  und von welcher Herrlichkeit spricht Jesus hier? Wie passt dieses Spannungsbild  zusammen?

3. Inwieweit haben wir das neue Gebot, das Jesus hier gibt, im Blick und ist uns die Liebe, die Jesus zu seinen Jüngern und uns hat, bewusst?

4. Was verhindert in unseren christlichen Kreisen und Gemeinden das Wachstum der Liebe untereinander und was könnte dies fördern?

Richtungswechsel

Indem Jesus sich auch in dem schweren und leidvollen Weg nicht von der Angst bestimmen lässt, sondern völlig dem Vater vertraut, verherrlicht er Gott. In der Westminster Konfession von 1647 wir gesagt, dass es die primäre Aufgabe des Menschen ist, Gott zu verherrlichen und sich seiner zu erfreuen. Worum geht es in unserer Lebensperspektive? (Christliche) Selbstverwirklichung oder Verherrlichung Gottes? Auch wir sollen unser Leben Gott ganz zur Verfügung stellen, damit seine Herrlichkeit auch unter den Menschen unserer Generation sichtbar wird.