Der unverstandene König Jesus

Johannes 12,12-19

 

12 Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem käme, 13 nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel! 14 Jesus aber fand einen jungen Esel und ritt darauf, wie geschrieben steht: 15 »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« 16 Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so mit ihm getan hatte. 17 Das Volk aber, das bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, rühmte die Tat.18 Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. 19 Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach. (LUT84)

Kontext

Im Hintergrund des vorliegenden Textes steht die Auferweckung von Lazarus. Wer Tote aufwecken kann, kann Israel auch von den Römern befreien. Deshalb wurde Jesus enthusiastisch begrüßt als er in Jerusalem einritt  (V.17f).

Kurze Erklärung zum Text

Der Geschichtsschreiber Josephus schrieb an einer Stelle von 2,7 Millionen Menschen, die zum Passahfest nach Jerusalem kamen. Die Zahl mag etwas übertrieben sein, aber es war ein riesiges Ereignis und man kann sich gut vorstellen wie sich eine gewisse Eigendynamik entwickelte als sich das Wunder von der Totenauferweckung herumsprach.

Als König der Juden, als der er von dem Menschen gefeiert wurde, wäre es zu erwarten gewesen, dass er mit einem edlen Ross in Jerusalem einreitet  – dem Symbol für militärische Stärke (Sach 9,10). Stattdessen saß er auf einem jungen Esel – ein Zeichen von Demut. Das war zwar völlig im Gegensatz zu den jüdischen Vorstellungen eines Siegreichen Messias, aber ganz im Einklang mit dem Alten Testament (Sach 9,9).

Fragen zum Text

  • Von der Volksmenge, die Jesus hier noch enthusiastisch als König feierte, ist bei seiner Verurteilung nichts mehr zu sehen. Was erwarteten sie von Jesus? – Was erwarten wir von Jesus? Hast du Menschen erlebt, die ähnlich reagiert haben als Jesus ihre Wünsche nicht erfüllte?
  • Die Volksmenge lobte Jesus mit lauter Stimme (V.13).  Das ist ein Zeichen von Anbetung (z.B. Ps 22,23). Die äußere Handlung allein ist aber nicht ausreichend für echte Anbetung. Was gehört deiner Meinung nach zwangsläufig dazu?
  • Welcher Charakterzug wird bei Jesus deutlich als er auf einem jungen Esel in Jerusalem einritt? Wo können wir hier praktisch von ihm lernen?
  • Das Volk lief Jesus nach weil sie von seinen Wundern gehört hatten (V.18). Was hat dich dazu geführt, dass du dich für Jesus interessiert hast?
  • Ist es positiv oder negativ zu verstehen, dass das Volk Jesus wegen seinen Wundern folgte? Welche Gefahr besteht wenn man die Wunder von Jesus ins Zentrum des Glaubens stellt?

Richtungswechsel

Jesus zog nicht nach Jerusalem ein, um der politische Herrscher Israels zu werden (vgl. 18,36), sondern um für die Sünden der Welt am Kreuz zu sterben. Die Jünger erkannten nicht, dass sich die Prophetie Sacharias  hierin erfüllte (V.16) und auch die Volksmenge verstand nicht. Sie liefen Jesus nach und lobten ihn weil er tote auferwecken konnte (V.17f). Wer ist Jesus für dich? An Jesus zu glauben, ihm zu vertrauen, heißt sich seinen Wegen unterzuordnen (vgl. Mt 6,9f). Und seine Wege sind besser als unsere. Vertraue Ihm, auch wenn du seine Wege nicht immer verstehst.