Wie sicher kommt die Erlösung?

Jesaja 44-46
Jes 44, 21 Gedenke daran, Jakob, und du, Israel, denn du bist mein Knecht. Ich habe dich bereitet, dass du mein Knecht seist. Israel, ich vergesse dich nicht! 22 Ich tilge deine Missetat wie eine Wolke und deine Sünden wie den Nebel. Kehre dich zu mir, denn ich erlöse dich! 23 Jauchzet, ihr Himmel, denn der HERR hat’s getan! Jubelt, ihr Tiefen der Erde! Ihr Berge, frohlocket mit Jauchzen, der Wald und alle Bäume darin! Denn der HERR hat Jakob erlöst und ist herrlich in Israel.

Situation

Dem Volk droht Gottes Gericht wegen der Bevorzugung fremder Götter. Ein heidnischer Erlöser (Kyrus) wird provokanterweise einst die vorläufige Wende bringen, der Messias die endgültige.

Erklärungen zum Text

Ein adventlicher Text? Ja, denn es geht um die kommende Erlösung für Israel aber auch darüber hinaus für alle Menschen („Menschen von aller Welt Enden“). Es geht in dieser Jesaja-Passage um:

  • die Erfüllung dessen, was Gott sich vorgenommen hat
  • die Fähigkeit und Verlässlichkeit Gottes (des Schöpfers), seine Worte zur Tat schreiten zu lassen
  • die Unfähigkeit und Banalität der Religiosität von Menschen
  • die Notwendigkeit der Abkehr von falschen Göttern und Umkehr zum wahren Gott
  • den Erlösungsplan Gottes an seinem Volk. Letztlich die Rettung aller „Heimkehrer“ durch Jesus, den endgültigen Erlöser

Gott stellt klar, wer er ist (Ergänzungen und Wiederholungen auch in den nachfolgenden Textpassagen):

44,6       König u. Erlöser Israels, Herr der himmlischen Heerscharen (Zebaoth), der Erste und der Letzte (A & O)

44,7-8   Einzigartig, zu echter Prophetie fähig! Ein Fels, d.h. das verlässlichste Lebens-Fundament.

44,21f   Der Herr Jakobs/ Israels. Der Schöpfer Israels! Der Unvergessliche. Der Sündentilger, der Umkehr fordert. Der Erlöser.

44,23ff  Der Erlöser. Der Bildner (Schöpfer) Israels, des Himmels und der Erde

44,25     der die falschen Vorhersagen und menschliche Weisheit in die Schranken weist (vgl. 1.Kor 1,18-25 – Christus-Bezug, lesen!)

Es fällt im sogenannten „Trostbuch“ Jesajas (ab Kapitel 40) und dort vor allem in der Einleitung und dem „Ersten Lied vom Gottesknecht“ (Jes 42-48) auf, dass Gott selbst seine Legitimation und Fähigkeit zum Handeln an seine Schöpfer- und Richter-Qualitäten knüpft und auf sie mehrfach zyklusartig verweist.

Wortlaut nach der Jerusalemer Übersetzung (z.B. ab Jes 44-45):

44, 24    Der ganz allein den Himmel ausgespannt, der die Erde hingebreitet hat ohne fremde Hilfe

44,27     (Anspielung an die Sintflut) der zur Tiefe spricht: „Versiege!“ und: „Deine Fluten will ich vertrocknen lassen“ (vgl. 1.Mos 8,2f)

45,7       Ich bin Jahwe und sonst keiner, der Licht bildet und Finsternis schafft, der Heil wirkt und Unheil schafft; ich bin Jahwe, der dies alles wirkt.

45,11ff  Werke meiner Hände. Ich bin es der die Erde bildete und die Menschen auf ihr erschuf. Meine Hände haben den Himmel ausgespannt, und all sein Heer (Bild für das ganze Sternen-Universum) habe ich entboten. (Folgt ein Hinweis auf den endgültigen Erlöser Jesus? 44,13)

45,18     Denn also spricht Jahwe, der den Himmel schuf, der Gott ist, der die Erde gebildet und geformt und der sie erhält, der sie nicht als Chaos erschaffen, sondern zum Bewohnen gebildet hat…

45,21f   Denn keinen Gott gibt es außer mir, dem gerechten Gott und dem Retter, keinen neben mir. Darum wendet euch zu mir und lasst euch retten, all ihr Enden der Erde! (…)

45,23f   (…) Vor mir wird sich jedes Knie beugen, und jede Zunge wird bei mir schwören      und sagen: Nur in Jahwe ist Heil und Kraft! Zu ihm kommen tief beschämt alle die wider ihn geeifert haben. (vgl. Phil 2,9-11)

Fragen zum Text

  1. Welche Aussagen macht Jes 44 über Gott?
  2. Was hat Schöpfung mit Erlösung zu tun?
  3. Wie verlässlich ist Gott und was hat das mit der Glaubwürdigkeit der Bibel zu tun?
  4. Welche Bedingungen sind an die Rettung (vor Gottes Gerichtsurteil) geknüpft?

Richtungswechsel

Rettung und Erlösung ist bei Gott an 3 Voraussetzungen geknüpft:

  • Die Anerkennung seiner Schöpfermacht
  • die Umkehr zu ihm, dem wahren Gott.
  • Die Annahme der von ihm selbst bereitgestellten Erlösung durch Christus

Aus aller Welt werden Menschen zu Gott kommen und das anerkennen müssen – entweder weil sie es auf seinen Retter-Ruf hin im Glauben tun oder weil sie sich letztendlich dem Welten-Richter ergeben müssen. „Knie beugen“ bedeutet dabei nicht nur freiwillige Anbetung sondern ist auch die Bekenntnis-Geste der Unterwerfung unter das Urteil des Richters.

Weil Gott prinzipiell retten und nicht hinrichten will, erging sein dringender Aufruf  damals durch Jesaja an sein Volk sich nach eigenen „Holz“- (Jes 44) oder „Gold-Götzen“ (Jes 46) endlich auf den wahren Schöpfer zu besinnen. Und dieser Aufruf kennt ebenso prinzipiell keine Grenzen mehr, er gilt in Jesus Christus allen Menschen, weil sich niemand selbst vor dem höchsten Richter gerecht sprechen kann (Luther-Übersetzung 84):

46,8      Gedenkt doch daran, ihr Abtrünnigen, und nehmt’s zu Herzen! (Jerusalemer Übersetzung: Bedenkt dies und schämt euch und nehmt es zu Herzen, ihr Abtrünnigen)

46,12f   Hört mir zu, ihr trotzigen Herzen, die ihr ferne seid von der Gerechtigkeit! Ich habe meine Gerechtigkeit nahe gebracht; sie ist nicht ferne und mein Heil säumt nicht. Ich will zu Zion das Heil geben und in Israel meine Herrlichkeit.

Und genau dieses Heil wird in Jesus Christus, seiner Menschwerdung an Weihnachten, seinem stellvertretenden Leiden und seinem Auferstehungs-Sieg über den Tod an Ostern zum globalen Angebot für alle die sich rufen lassen und glauben. Für die Verächter wird das „Kind in der Grippe“ zum Richter statt zum Retter (Joh 5,19-24; 12,44-48).

wb