Gott warnt den Ungerechten

Habakuk 2,9-20

 

9 Weh dem, der unrechten Gewinn macht zum Unglück seines Hauses, auf dass er sein Nest in der Höhe baue, um dem Unheil zu entrinnen!

12 Weh dem, der die Stadt mit Blut baut und richtet die Burg auf mit Unrecht!

15 Weh dem, der seinen Nächsten trinken lässt und seinen Grimm beimischt und ihn trunken macht, dass er seine Blöße sehe! (…)

20 Aber der HERR ist in seinem heiligen Tempel. Es sei vor ihm stille alle Welt!

Hab 2,9.12.15.20 (Lu84)

Situation

Gott setzt die Antwort an seinen Propheten fort und geht auf dessen Argument ein, Gott könnte in der Wahl seiner Strafmaßnahmen die Kontrolle verloren haben, nämlich einen gottlosen Tyrannen ungehindert gewähren lassen, der niemandem Rechenschaft schuldig zu sein scheint.

Kurze Erklärungen zum Text

Gott spricht Weherufe über den Tyrannen aus. Es könnte sich beim Rest des Kapitels 2 auch bereits um eine Reflektion des Propheten handeln, der Gottes Antwort in eigenen kunstvoll geordneten Gedanken festhält.

Vor dem Hintergrund der späteren Demütigung und Bekehrung des Tyrannen Nebukadnezar (Dan 4,28-34) ist der Aufruf am Ende des Kapitels „es sei vor ihm stille alle Welt“, besonders bemerkenswert. Auch den größten Herrscher vermag Gott in die Knie zu zwingen.

Fragen zum Text-Abschnitt

Es lässt sich leicht über Politiker lästern, die auf frischer Tat bei Betrügereien oder anderen Vergehen ertappt wurden, um eigene Macht, Konto oder Vergnügen zu vergrößern. Aber Vorsicht: „unrechten Gewinn“ machen, fängt fast immer klein an. Schnell gewöhnt man sich an übliche kleine Betrügereien, wie Versicherungs- oder Behördenbetrug durch falsche Angaben. Oder wie steht es mit Raubkopien auf dem Computer? Wie schnell wird man hier blind für berechtigte Kritik?

  • Frage Dich einmal, bei welcher Gelegenheit Du zuletzt „ein bisschen geschummelt“, gelogen oder betrogen hast. Was waren die Beweggründe und was könnten die Folgen sein, wenn es heraus kommt?
  • Welche Arten von Unrecht nennt der Textabschnitt und wie kann man verhindern, dass man sich an das eigene unrechte Handeln gewöhnt?
  • Warum lege ich möglicherweise an mich selbst andere ethische Maßstäbe im Vergleich zu andern an?

Richtungswechsel

Vergleiche dazu Jesu Worte in Mt 7,2-5 und  Mt 7,12. Nicht Imanuel Kant ist der „Erfinder“ dieses Prinzips, sondern Jesus Christus. Dazu kommt der  entscheidende Unterschied, dass solches Handeln nicht nur auf das eigene Wohlergehen, die eigene Ehre oder eine funktionierende Gesellschaftsmoral abzielt. Vielmehr ist dieses christliche Prinzip durch die Liebe zu Gott und den Mitmenschen motiviert und erfüllt so den Willen Gottes in Verbindung zu dessen Geboten (Mt 22,37-40) als Ausdruck einer glaubwürdigen Beziehung. Dadurch bleiben übrigens auch ethische Verfehlungen kritisch hinterfragbar, die sich nur auf Mehrheitsmeinungen gründen, oder die lediglich durch „beiderseitiges Einverständnis“ legitimiert werden sollen.