Fürbitte: Demut vor Gott

Habakuk 1,12-2,1

 

12 Aber du, HERR, mein Gott, mein Heiliger, der du von Ewigkeit her bist, lass uns nicht sterben; sondern lass sie uns, o HERR, nur eine Strafe sein, und lass sie, o unser Fels, uns nur züchtigen.

13 Deine Augen sind zu rein, als dass du Böses ansehen könntest, und dem Jammer kannst du nicht zusehen! Warum siehst du dann aber den Räubern zu und schweigst, wenn der Gottlose den verschlingt, der gerechter ist als er?

14 Du lässt es den Menschen gehen wie den Fischen im Meer, wie dem Gewürm, das keinen Herrn hat.

15 Sie ziehen’s alles mit der Angel heraus und fangen’s mit ihrem Netze und sammeln’s mit ihrem Garn. Darüber freuen sie sich und sind fröhlich.

16 Darum opfern sie ihrem Netze und räuchern ihrem Garn, weil durch diese ihr Anteil so fett und ihre Speise so üppig geworden ist.

17 Sollen sie darum ihr Netz immerdar ausleeren und Völker umbringen ohne Erbarmen?

Gottes Antwort an den Propheten. Weherufe über den Unterdrücker

21 Hier stehe ich auf meiner Warte und stelle mich auf meinen Turm und schaue und sehe zu, was er mir sagen und antworten werde auf das, was ich ihm vorgehalten habe. (Lu84)

Situation

Habakuks Antwort auf Gottes Gerichts-Ansage ist ein Gemisch aus Erschrecken, Ehrfurcht und dem Versuch Gott nach Art eines orientalischen Handels noch einmal umzustimmen (vgl. das Vorgehen Abrahams in 1.Mos 18,20ff).

Kurze Erklärungen zum Text

Habakuk  hat sich Gottes Antwort anders vorgestellt. Nun erschrickt er über eine Antwort, die er mit seiner Klage selbst provoziert hat. Als Prophet hat er offensichtlich nur noch Schreckliches anzukündigen, ohne Chance zur Wende.

Er sucht nach Argumenten, Gott von dessen scheinbar zu radikalem Vorhaben abzubringen, trägt sie vor und wartet gespannt auf Gottes Reaktion.

Fragen zum Text-Abschnitt

Die sehr bildhafte Redeweise mit Vergleichen aus der damaligen Umwelt erscheint im ersten Moment fremd und unverständlich. Doch bei näherem Hinsehen, steckt hinter jedem Bild ein handfestes Argument.

  • Welche Argumente führt Habakuk gegen Gottes Gerichtsandrohung ins Feld und welches Argument entnimmt er dabei direkt Gottes erster Antwort?
  • Welche Grundeinstellung gegenüber Gott kann man aus Habakuks Antwort ableiten?

Richtungswechsel

Gebet ist weder sprachlicher Schönheitswettbewerb noch respektlose Beschwerde. Wenn Du Gott nicht mehr verstehst, rede Klartext statt herumzusülzen. Doch verliere nicht aus dem Blick, mit wem Du es zu tun hast.

Wenn Dein Gebet ein Selbstgespräch bleiben sollte, wirst Du von Gott nichts erwarten können. Habakuk rechnete trotz quälender Fragen mit Gott, auch wenn er manchmal lange auf eine Antwort warten musste. Aber das Warten lohnte sich.

Ohne Härte keine Gerechtigkeit, ohne Gerechtigkeit keine Gnade und Barmherzigkeit. Diese Dinge stehen bei Gott in einem unantastbar richtigen Verhältnis.