Gott kündigt Gericht an

Habakuk 1,5-11

 

5 Schaut hin unter die Heiden, seht und verwundert euch! Denn ich will etwas tun zu euren Zeiten, was ihr nicht glauben werdet, wenn man davon sagen wird
6 Denn siehe, ich will die Chaldäer erwecken, ein grimmiges und schnelles Volk, das hinziehen wird, so weit die Erde ist, um Wohnstätten einzunehmen, die ihm nicht gehören.
7 Grausam und schrecklich ist es; es gebietet und zwingt, wie es will.
8 Ihre Rosse sind schneller als die Panther und bissiger als die Wölfe am Abend. Ihre Reiter fliegen in großen Scharen von ferne daher, wie die Adler eilen zum Fraß.
9 Sie kommen allesamt, um Schaden zu tun; wo sie hinwollen, stürmen sie vorwärts und raffen Gefangene zusammen wie Sand.
10 Sie spotten der Könige, und der Fürsten lachen sie. Alle Festungen werden ihnen ein Scherz sein; denn sie schütten Erde auf und erobern sie.
11 Alsdann brausen sie dahin wie ein Sturm und jagen weiter; mit alledem machen sie ihre Kraft zu ihrem Gott. (Lu84)

Situation

Nach offensichtlich längerem, ja unerträglich scheinendem Warten des Propheten, antwortet Gott nun. Es handelt sich um ein reines Gerichtswort ohne jede positive Perspektive. Der Grund dieser erbarmungslosen Ansage ist in 2.Kön 17,13-20 und 2.Chr 36,15-21 prägnant zusammengefasst.

Kurze Erklärungen zum Text

Bei den Chaldäern handelte es sich um ein Volk im Einzugsbereich des Assyrischen Großreiches aus dem Gebiet des heutigen südlichen Iran und Irak. Unter dem Herrscher Nebukadnezar wird das sogenannte Neubabylonische Reich in den nächsten Jahren erstaunliche Siege gegen Assyrer, Ägypter und weitere umliegende Völker erringen. Schließlich wird er nach mehreren Feldzügen Jerusalem inklusive des Salomonischen Tempels dem Erdboden gleich machen und die babylonische Gefangenschaft des jüdischen Volkes einleiten. Vor diesen dramatischen Ereignissen lässt Gott sein Volk durch Habakuk und Jeremia eindringlich warnen. Es droht der „Bann“ über Juda. Ein außerordentlich harter Gerichtsvollzug Gottes, den er zuvor durch Israel an anderen Völkern vollstrecken ließ. So muss auch das Wort Jeremias in Jer 25,9 als ungeheuerliche Umkehr des Segens in einen Fluch verstanden werden.

Fragen zum Text-Abschnitt

• Wenn Menschen an Gott glauben, dann oft an den „lieben Gott“, der niemand etwas zuleide tut und die Sache mit Schuld und Sünde zumindest bei dem entsprechend Gläubigen nicht so eng sieht, höchstens bei anderen, „wirklich bösen“ Menschen. Kann Gott tatsächlich zu meinem Gegner werden und wenn ja, was bedeutet das für mich?
• Was könnten Gründe dafür sein, dass Gott als Richter, damals wie heute, selten ernst genommen wird?
• Obwohl Gott das kriegerische Volk der Chaldäer als Exekutive nutzt, äußert er bereits im Vorfeld Kritik an dessen Einstellung – welche?

Richtungswechsel

Warum steht Gottes Urteil völlig berechtigt auch über meinem Leben?
Warum kommt selbst in unserer Gesellschaft eine Begnadigung nicht ohne Rechtsgrundlagen aus?
Was bedeutet Rettung von Schuld, Gnade, Vergebung vor diesem Hintergrund?