Menschlicher Autopilot oder Göttliche Navigation?

Galater 2,15-3,5

 

15 Wir sind von Geburt Juden und nicht Sünder aus den Heiden. 16 Doch weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht. 17 Sollten wir aber, die wir durch Christus gerecht zu werden suchen, auch selbst als Sünder befunden werden – ist dann Christus ein Diener der Sünde? Das sei ferne!  18 Denn wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wieder aufbaue, dann mache ich mich selbst zu einem Übertreter. 19 Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt. 20 Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben. 21 Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn wenn die Gerechtigkeit durch das Gesetz kommt, so ist Christus vergeblich gestorben.

1 O ihr unverständigen Galater! Wer hat euch bezaubert, denen doch Jesus Christus vor die Augen gemalt war als der Gekreuzigte?  2 Das allein will ich von euch erfahren: Habt ihr den Geist empfangen durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben? 3 Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr’s denn nun im Fleisch vollenden? 4 Habt ihr denn so vieles vergeblich erfahren? Wenn es denn vergeblich war! 5 Der euch nun den Geist darreicht und tut solche Taten unter euch, tut er’s durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben?

Allgemeine Situation/Kontext

Im Zusammenhang mit der Zurechtweisung des Petrus stellt Paulus in 2,15-21 abschließend das Wesen des Evangeliums heraus. In Gal 3 verteidigt er dann sein Evangelium aufgrund der Erfahrung (3,1-5) und mittels zwei Schriftbeweisen (3,6-14 Abrahams Glaubensgerechtigkeit und 3,15-4,11 die Überlegenheit des Abraham-Bundes in der Heilsgeschichte).

Erklärung zum Text

Das „Wir“ in V.15 ist einerseits auf Petrus und Paulus zu beziehen,  kann aber im erweiterten Sinn generell auf die zum Glauben gekommenen Juden bezogen werden. Den Juden wurde das Gesetz gegeben, aber der Mensch wird nicht durch das Halten des Gesetzes, sondern durch den Glauben an Jesus Christus gerechtfertigt. V.16b wiederholt die Aussage, dass es der Glaube an Christus und nicht das Halten des  Gesetzes ist, was den Menschen rechtfertigt.

In V.17 bringt Paulus die erste rhetorische Frage, ob durch die Rechtfertigung des Sünders durch den Glauben an Jesus Christus dieser nicht zum Diener der Sünde geworden ist. Diese Vorstellung lehnt Paulus entschieden als „Nonsens“ ab! Wenn aber das Problem der Sünde durch den Glauben an Christus eliminiert wurde, so würde er sich selbst als Gesetzesübertreter (Sünder) erweisen, wenn dem Gesetz wieder die alte Bedeutung beigemessen wird. Weil Paulus für das Gesetz gestorben ist und es damit keinen Rechtsanspruch mehr hat, ist ein Leben für Gott erst möglich.

Paulus identifiziert sich mit dem Gekreuzigten, so dass er sagen kann, dass er mit Christus gekreuzigt wurde und sein Leben damit nicht der Selbstverwirklichung sondern der Christusverwirklichung dient (V.20). Das Leben als Mensch in der gefallenen Schöpfung ist ein Leben aus dem Glauben an den Sohn Gottes, der sich aus Liebe für ihn hingegeben hat. Diese Gnade gilt es festzuhalten! Paulus zeigt die Paradoxie auf, wenn der Mensch durch das Gesetz die Gerechtigkeit empfangen sollte – dann wäre der Kreuzestod Jesu vergeblich gewesen.

Obwohl der gekreuzigte Christus  den Galatern deutlich beschrieben wurde, hören sie jetzt auf andere Stimmen. Erneut stellt Paulus eindringlich eine rhetorische Frage, ob sie den Heiligen Geist und dessen Kraftwirkungen aufgrund der Verkündigung (Predigt) oder durch das Tun des Gesetzes empfangen haben. Die Antwort ist klar, auch wenn diese nicht explizit formuliert wird, da nachfolgend zwei Schriftbeweise folgen.

Fragen

  1. Paulus spricht in diesem Abschnitt wiederholt von den „Werken des Gesetzes“. Was ist darunter zu verstehen?
  2. Weil Juden durch den Glauben an Christus gerechtfertigt werden und nicht durch die „Werke des Gesetzes“, macht es keinen Sinn, dass Heiden die jüdischen Werke des Gesetzes halten. Welche Bedeutung haben die Gesetze des AT für uns und warum stehen wir als Christen immer wieder in der Gefahr, in Glaubensfragen „eigene Gesetze“ aufzustellen?
  3. Paulus identifiziert sich in der Kreuzigung und im Leben vollständig mit Christus (V.20). Was bedeutet das für unser Leben?
  4. Paulus ermahnt die Galater, dass ihr Glaube „im Geist“ begonnen hat und „im Fleisch“ vollendet wird. Wie kann sich das fleischliche Verhalten damals und heute auswirken?
  5. Was ist für ein christuszentrierten Leben aus Gottes Kraft notwendig und wie kann dies beibehalten und gefördert werden?

Richtungswechsel

Jesus Christus hat sich für mich aus Liebe am Kreuz hingegeben, so dass mein Leben nicht mehr ich-zentriert sondern christus-zentriert ausgerichtet sein kann. Damit unser Glaube nicht aus eigener Kraft, sondern aus der Kraft Gottes lebt, ist eine fortwährende Veränderung unseres Lebens durch das Evangelium erforderlich.  Deshalb sollen wir uns nicht vom „menschlichen Autopilot“, sondern durch sein Wort vom „göttlichen Navigationssystem“ leiten lassen.