Von Gott berufen

Exodus 3,9-22

 

9 Weil denn nun das Geschrei der Israeliten vor mich gekommen ist und ich dazu ihre Not gesehen habe, wie die Ägypter sie bedrängen, 10 so geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst. 11 Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, daß ich zum Pharao gehe und führe die Israeliten aus Ägypten?  12 Er sprach: Ich will mit dir sein. Und das soll dir das Zeichen sein, daß ich dich gesandt habe: Wenn du mein Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr Gott opfern auf diesem Berge. 13Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Israeliten komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt! und sie mir sagen werden: Wie ist sein Name?, was soll ich ihnen sagen? 14 Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: »Ich werde sein«, der hat mich zu euch gesandt.  15 Und Gott sprach weiter zu Mose: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der HERR, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name auf ewig, mit dem man mich anrufen soll von Geschlecht zu Geschlecht. 16 Darum geh hin und versammle die Ältesten von Israel und sprich zu ihnen: Der HERR, der Gott eurer Väter, ist mir erschienen, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, und hat gesagt: Ich habe mich euer angenommen und gesehen, was euch in Ägypten widerfahren ist, 17 und habe gesagt: Ich will euch aus dem Elend Ägyptens führen in das Land der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter, in das Land, darin Milch und Honig fließt. 18 Und sie werden auf dich hören. Danach sollst du mit den Ältesten Israels hineingehen zum König von Ägypten und zu ihm sagen: Der HERR, der Gott der Hebräer, ist uns erschienen. So laß uns nun gehen drei Tagereisen weit in die Wüste, daß wir opfern dem HERRN, unserm Gott. 19 Aber ich weiß, daß euch der König von Ägypten nicht wird ziehen lassen, er werde denn gezwungen durch eine starke Hand. 20 Daher werde ich meine Hand ausstrecken und Ägypten schlagen mit all den Wundern, die ich darin tun werde. Danach wird er euch ziehen lassen. 21 Auch will ich diesem Volk Gunst verschaffen bei den Ägyptern, daß, wenn ihr auszieht, ihr nicht leer auszieht, 22 sondern jede Frau soll sich von ihrer Nachbarin und Hausgenossin silbernes und goldenes Geschmeide und Kleider geben lassen. Die sollt ihr euren Söhnen und Töchtern anlegen und von den Ägyptern als Beute nehmen.  (Exo 3:9-22 L84)

Allgemeine Situation

Das 2. Buch Mose zeigt uns, wie Gott an seinen Bund denkt und die Verheißung an Abraham, ihn zu einem großen Volk zu machen, Wirklichkeit wird. Wir haben hier einen Wechsel von der Familie zum Volk. Die Nachkommen Jakobs sind in Ägypten zu einer Nation gewachsen (vgl. 1Mo 1,28), die in  Sklaverei lebt. Aber Gott handelt, weil er das Klagen seines Volkes sieht und hört (2Mo 3,7.9). Damit das Volk als sein Gegenüber leben kann, ist die Befreiung aus der Sklaverei, eine Verfassung (10 Gebote) und ein neues Land erforderlich. Für diesen Plan beauftragt Gott Mose.

Erklärung zum Text

Nach der Begegnung mit dem Gott der Väter (V.6) und der Erläuterung des bevorstehenden Rettungshandeln Gottes (V.8) erhält Mose den Auftrag, zum Pharao zu gehen, um das Volk aus Ägypten zu führen. Mose ist sich seiner nicht makellosen Geschichte in Ägypten (2,14) und seiner Stellung im Blick auf den Pharao bewusst und fühlt sich für diese Aufgabe überfordert (3,11). Aber Gott gibt ihm die Verheißung seiner Gegenwart und das Zeichen, dass Israel Gott am Horeb dienen wird (V.12). Weil Mose um die Herausforderung weiß, dieses Anliegen Gottes dem Volk zu vermitteln, möchte  er genauer wissen, wer dieser Gott seiner Vorfahren und der Auftraggeber für den Auszug ist.

Mit der Offenbarung des Namens wird nicht nur eine Bezeichnung, sondern das Wesen und der Charakter Gottes geoffenbart. Das hebr. Verb „sein“ drückt nicht nur ein „Existieren“ sonder auch ein „Wirksam-sein“ aus. Der Gott, dem Mose begegnet, ist somit kein Gott, der lediglich „existiert“ und sich zurückgezogen hat. Nein, er ist ein aktiv handelnder Gott, der sich offenbart und der in die Geschichte Israels eingreift. Dieser Gott ist aber auch der unvergleichliche, rätselhafte und unerforschliche, der nur in seinen fortlaufenden Taten/Offenbarung verstanden werden kann. Das hebr. „ich bin“ oder „ich werde sein“ betont die Gegenwart Gottes und hat einen Anklang zum in V.16 genannten Namen YHWH. Aufgrund der Heiligkeit des Namens Gottes wurde der Name YHWH im Judentum nur am Versöhnungstag vom Hohepriester ausgesprochen. Anstelle von YHWH wurde der Begriff Adonai, „mein Herr“ gelesen, was in deutschen Übersetzungen meist mit HERR wiedergegeben wird.

Mose erhält den Auftrag, die Ältesten des Volkes zu versammeln und ihnen den Plan Gottes zu vermitteln. (V.16ff). Gott kennt die Probleme und den Widerstand durch den Pharao und offenbart dies Mose (V.19). Durch Gottes Zusage weiß Mose aber auch, dass der Pharao Gottes Plan nicht aufhalten kann. Gott überwindet diesen Widerstand, so dass der Pharao letztendlich das Volk ziehen lassen muss (V20). Die Israeliten müssen das Land nicht mit leeren Händen verlassen, sondern erhalten in Form von Silber, Gold und Kleidern eine Entschädigung für die Sklaverei in Ägypten.

Fragen

  • Woher kommen unsere Vorstellungen von Gott und wie sehen diese aus? Wie können wir falsche Gottesvorstellungen korrigieren?
  • Mose war mit dem Auftrag Gottes überfordert und sieht zunächst nur seine menschlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Wie gehen wir mit Gottes Aufträgen um und was bestimmt unsere Reaktion, wenn wir erkennen, dass Gott uns gebrauchen möchte? Selbstzweifel, Selbstbewusstsein, Christus-Bewusstsein, Menschenfurcht oder Gottesfrucht?
  • Wie prüfen wir, ob wir in unserem oder Gottes Auftrag handeln?
  • Mose erhält ein Zeichen Gottes, das sich erst zukünftig erfüllen wird und deshalb im Glauben „ergriffen“ werden muss. Wie gehen wir mit Verheißungen Gottes um? Was sind für uns Hilfen, um mit der Spannung von Zusage und Erfüllung zu leben? Wie weit vertrauen wir auf unsere Möglichkeiten und wo trauen wir Gott mehr zu?
  • Rechnen wir damit, dass es bei der Umsetzung von Gottes Auftrag in dieser Welt zu Problemen kommen kann, oder gehen wir eher von der Annahme aus, dass Gottes Wege immer „glatt laufen“?

Richtungswechsel

Der HERR (YHWH), offenbart sich als Gott der treu zu seinem Bund und Volk steht. Dort wo Gottes Zeit erfüllt war, greift er ein, offenbart sich und beauftragt Mose mit seinem Plan. Mit dem Kommen Jesu erfüllt sich das zweite Rettungshandeln Gottes. Hier ist unsre persönliche Entscheidung gefragt, ob wir Gottes Auftrag annehmen, Menschen die Botschaft des Evangeliums weiterzugeben(Mt 28,19). Für Gottes Kandidatenwahl ist nicht die tadellose Biographie maßgebend, sondern die persönliche Begegnung mit ihm und ein Leben und Handeln aus dem Vertrauen auf Gott. Wollen wir uns darauf einlassen?