Mose auf dem Abstellgleis

Exodus 2,11-3,8

 

11 Zu der Zeit, als Mose groß geworden war, ging er hinaus zu seinen Brüdern und sah ihren Frondienst und nahm wahr, dass ein Ägypter einen seiner hebräischen Brüder schlug. 12 Da schaute er sich nach allen Seiten um und als er sah, dass kein Mensch da war, erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn im Sande. 13 Am andern Tage ging er wieder hinaus und sah zwei hebräische Männer miteinander streiten und sprach zu dem, der im Unrecht war: Warum schlägst du deinen Nächsten? 14 Er aber sprach: Wer hat dich zum Aufseher oder Richter über uns gesetzt? Willst du mich auch umbringen, wie du den Ägypter umgebracht hast? Da fürchtete sich Mose und sprach: Wie ist das bekannt geworden? 15 Und es kam vor den Pharao; der trachtete danach, Mose zu töten. Aber Mose floh vor dem Pharao und hielt sich auf im Lande Midian. Und er setzte sich nieder bei einem Brunnen. 16 Der Priester aber in Midian hatte sieben Töchter; die kamen, Wasser zu schöpfen, und füllten die Rinnen, um die Schafe ihres Vaters zu tränken. 17 Da kamen Hirten und stießen sie weg. Mose aber stand auf und half ihnen und tränkte ihre Schafe. 18 Und als sie zu ihrem Vater Reguël kamen, sprach er: Warum seid ihr heute so bald gekommen? 19 Sie sprachen: Ein ägyptischer Mann stand uns bei gegen die Hirten und schöpfte für uns und tränkte die Schafe. 20 Er sprach zu seinen Töchtern: Wo ist er? Warum habt ihr den Mann draußen gelassen? Ladet ihn doch ein, mit uns zu essen. 21 Und Mose willigte ein, bei dem Mann zu bleiben. Und er gab Mose seine Tochter Zippora zur Frau. 22 Die gebar einen Sohn und er nannte ihn Gerschom; denn, sprach er, ich bin ein Fremdling geworden im fremden Lande. 23 Lange Zeit aber danach starb der König von Ägypten. Und die Israeliten seufzten über ihre Knechtschaft und schrien, und ihr Schreien über ihre Knechtschaft kam vor Gott. 24 Und Gott erhörte ihr Wehklagen und gedachte seines Bundes mit Abraham, Isaak und Jakob. 25 Und Gott sah auf die Israeliten und nahm sich ihrer an. 1 Mose aber hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Steppe hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb. 2 Und der Engel des HERRN erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. 3 Da sprach er: Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt. 4 Als aber der HERR sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. 5 Gott sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land! 6 Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. 7 Und der HERR sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt. 8 Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. (LUT84)

Situation

Das zweite Buch Mose beginnt mit der Unterdrückung des Volkes Israel durch den Pharao. Mit Moses Geburt gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer am Horizont. Gott schickt einen Retter. Durch eine überhastete Reaktion Moses scheint dann aber doch alles wieder aus dem Ruder zu laufen. Mose befindet sich 40 Jahre auf dem Abstellgleis Gottes. Gott hat mit Mose aber noch lange nicht abgeschlossen…

Der vorliegende Abschnitt beschäftigt sich im Folgenden mit der Übergangszeit zwischen Moses Geburt und Gottes Handeln mit und durch ihn. Zur Übersicht der Zeitabschnitt in Moses Leben folgende Tabelle. Mose war also bereits 80 Jahre als Gott ihm begegnete.

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Erklärung zum Text

Midian war der vierte Sohn von Abraham und dessen zweiter Frau Ketura (1Mo 25,2). Es ist also gut möglich, dass Moses Schwiegervater Reguel, der Priester von Midian, den Gott Israels kannte und kein völlig heidnischer Priester war. Die Namen Reguel und Jitro werden austauschend gebraucht. Es gibt aber keinen Zweifel daran, dass es sich um dieselbe Person, den Priester von Midian und Moses Schwiegervater handelt. Das Gebiet Midian, das nach ihm benannt war, lag östlich der Sinai-Halbinsel bzw. süd(öst)lich von Kanaan.

Als es den Israeliten immer schlechter ging, riefen sie zu Gott. Auch wenn es so scheint, dass sie Gott bis dahin vergessen hatten, hatte Gott sie nie vergessen. Er dachte an seinen Bund (2,24). Damit sind seine Versprechungen an Abraham, Isaak und Jakob gemeint (1Mo 17,7.19; 35,11f).

Fragen zum Text

  • Wie ist die Reaktion von Mose in 2,11f einzuordnen? Kannst du nachvollziehen wie Mose handelte? Wie sollte man als Christ reagieren wenn andere unterdrückt werden?
  • Die Botschaft vom Tod des Pharao (2,23) wird sich bis zu Mose durchgesprochen haben.  Während Mose zuvor Wert auf seine jüdische Identität legte (2,11f) macht aber keine Anstalten nach Ägypten zurückzukehren. Warum (vgl. 2,13f)? Wie reagierst du wenn du Ablehnung von Anderen erfährst?
  • Im Gegensatz zu Mose hatte Gott sein Volk nicht vergessen (2,23-25; 3,7f). Wie hilft uns das wenn wir in scheinbar hoffnungslosen Lebensumständen stehen? Wie hast du das erlebt?
  • In Kap. 3 hat Mose seine erste Gotteserfahrung (von der berichtet wird). Welche Eigenschaften Gottes werden in 3,4-8 deutlich?
  • Wie ist die Reaktion von Mose (3,6b) zu verstehen? Muss man sich vor Gott fürchten? Lies hierzu auch 1Petr 2,17 und 1Jo 4,18. Wie kann man beides zusammenbringen?

Richtungswechsel

„Denn des HERRN Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss.“ (Ps 33,4). So wie er das Flehen der Israeliten hörte, so hört er auch heute das Flehen von jedem, der ehrlich nach ihm fragt. Du darfst Dich Ihm mit all Deinen Sorgen anbefehlen. Du brauchst aber nicht zu warten bis Du Dich in einer ausweglosen Situation befindest. Vertraue heute auf Ihn!