Gerichtet oder gerettet?

Exodus 11,1-12,51

 

11,1 Und der HERR sprach zu Mose: „Eine“ Plage noch will ich über den Pharao und Ägypten kommen lassen. Dann wird er euch von hier wegziehen lassen, und nicht nur das, sondern er wird euch von hier sogar vertreiben. 2 So sage nun zu dem Volk, dass ein jeder sich von seinem Nachbarn und eine jede von ihrer Nachbarin silbernes und goldenes Geschmeide geben lasse. 3 Und der HERR verschaffte dem Volk Gunst bei den Ägyptern, und Mose war ein sehr angesehener Mann in Ägyptenland vor den Großen des Pharao und vor dem Volk. 4 Und Mose sprach: So spricht der HERR: Um Mitternacht will ich durch Ägyptenland gehen, 5 und alle Erstgeburt in Ägyptenland soll sterben, vom ersten Sohn des Pharao an, der auf seinem Thron sitzt, bis zum ersten Sohn der Magd, die hinter ihrer Mühle hockt, und alle Erstgeburt unter dem Vieh. 6 Und es wird ein großes Geschrei sein in ganz Ägyptenland, wie nie zuvor gewesen ist noch werden wird; 7 aber gegen ganz Israel soll nicht ein Hund mucken, weder gegen Mensch noch Vieh, auf dass ihr erkennt, dass der HERR einen Unterschied macht zwischen Ägypten und Israel. 8 Dann werden zu mir herabkommen alle diese deine Großen und mir zu Füßen fallen und sagen: Zieh aus, du und alles Volk, das dir nachgeht. Und daraufhin werde ich ausziehen. Und Mose ging vom Pharao mit grimmigem Zorn. 9 Der HERR aber sprach zu Mose: Der Pharao wird nicht auf euch hören, auf dass meiner Wunder noch mehr werden in Ägyptenland. 10 Und Mose und Aaron haben diese Wunder alle getan vor dem Pharao; aber der HERR verstockte ihm das Herz, sodass er die Israeliten nicht ziehen ließ aus seinem Lande.1 Der HERR aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland: 2 Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen. 3 Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. 4 Wenn aber in einem Hause für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er’s mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können. 5 Ihr sollt aber ein solches Lamm nehmen, an dem kein Fehler ist, ein männliches Tier, ein Jahr alt. Von den Schafen und Ziegen sollt ihr’s nehmen 6 und sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Gemeinde Israel schlachten gegen Abend. 7 Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und die obere Schwelle damit bestreichen an den Häusern, in denen sie’s essen, 8 und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot dazu und sollen es mit bitteren Kräutern essen. 9 Ihr sollt es weder roh essen noch mit Wasser gekocht, sondern am Feuer gebraten mit Kopf, Schenkeln und inneren Teilen. 10 Und ihr sollt nichts davon übrig lassen bis zum Morgen; wenn aber etwas übrig bleibt bis zum Morgen, sollt ihr’s mit Feuer verbrennen. 11 So sollt ihr’s aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es essen als die, die hinwegeilen; es ist des HERRN Passa. 12 Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter, ich, der HERR. 13 Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid: Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägyptenland schlage. 14 Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für den HERRN, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung. (LUT84)

Situation

9 Mal hatte Mose den Pharao aufgerufen Israel ziehen zu lassen, 9 Mal hatte dieser sich geweigert, 9 Mal hatte Gott Gericht über die Ägypter gebracht und 9 Mal blieb der Pharao wegen seinem verhärteten Herzen trotzdem bei seiner Position. Das hatte Gott bereits vorausgesagt (2Mo 3,19) Erst wenn das Gericht über Ägypten vollendet wäre, würde der Pharao Israel ziehen lassen (3,20). Gott sagte Mose im gleichen Atemzug voraus, dass sie mit großer Beute ausziehen würden (3,21f). 2Mo 11-12 berichten, wie sich die Voraussagen erfüllten.

Erklärung zum Text

In 2Mo 10,28f drohte der Pharao Mose die Todesstrafe an wenn dieser ihm noch einmal unter die Augen treten würde. Mose antwortete ihm daraufhin, dass er ihn nicht mehr aufsuchen würde. Die Androhung der zehnten Plage in Kap. 11 wird demnach vermutlich nicht bei einem weiteren Besuch stattgefunden haben. Es ist am sinnvollsten anzunehmen, dass die Ankündigung vorher stattgefunden hat und die Kapitel nicht streng chronologisch zu lesen sind.

Das Ereignis des Auszugs der Israeliten war für das entstehende Volk so entscheidend, dass sich der jüdische Kalender danach richtet. Der Beginn des Auszugs wird zum ersten Monat im Jahr (12,1-3. Verglichen mit unserem Kalender ist es Ende März / Anfang April.

Passah bedeutet im hebräischen so viel wie ‚Vorübergehen‘. Im englischen wird das Wort ‚Passover‘ verwendet, das die Bedeutung auch heute noch enthält.

Die Vorbereitungen für das Passah und für den Auszug aus Ägypten sollen in Eile geschehen. So ist der Sauerteig z.B. ein Zeichen dafür, dass keine Zeit blieb den Teig durchsäuern zu lassen. Die sogenannten Matzen (ungesäuerte Brotfladen), die Juden heute noch während des Passahfestes essen, erinnern also daran, dass der Auszug aus Ägypten in Eile geschah.

Fragen zum Text

  • Welchen Sinn hat es, dass Gott das Passahfest für die Israeliten vorschreibt (12,14.17)? Welche Bedeutung haben christliche Feiertage in deinen Augen?
  • Die Israeliten sollten das Passahfest als Gelegenheit nutzen ihre Kinder auf das Handeln Gottes hinzuweisen (12,26f). Ein „missionarisches“ Gespräch war so nicht aufgesetzt, sondern ganz natürlich. Welche Gelegenheiten können wir heute nutzen, um unseren Glauben ganz natürlich zu bekennen?
  • Es gab nur einen Weg gab vor dem Gericht Gottes bewahrt zu werden (12,12f.23). Wer das Blut des Lammes an seine Türpfosten und die obere Schwelle gestrichen hatte war sicher. Inwieweit ist unsere Situation heute vergleichbar (vgl. 1Kor 5,7)?
  • Die Israeliten, die noch kurz zuvor unterdrückt wurden, zogen mit großem Reichtum aus Ägypten aus (12,35f). Damit erfüllte sich die Zusage, die Gott Abraham gegeben hatte (1Mo 15,14). Zwischen Ankündigung und Erfüllung lag ein langer Zeitraum, aber Gott erfüllte, was er zugesagt hatte. Wie können wir aus dieser Tatsache Zuversicht gewinnen?

Richtungswechsel

So wie Vertrauen und Gehorsam Gott gegenüber damals Rettung brachte so ist es auch heute. „Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst gerettet werden, du und dein Haus.“ (Apg 16,31). Wenn du das bereits tust, verlasse dich ganz darauf. Heilsgewissheit ist keine Gefühlssache, sondern Glaubenssache.