Zu Besuch in Ephesus

Apostelgeschichte 18,18-21; 19,1-20,1

 

18 Paulus aber blieb noch eine Zeit lang dort [in Korinth]. Danach nahm er Abschied von den Brüdern und wollte nach Syrien fahren und mit ihm Priszilla und Aquila. Zuvor ließ er sich in Kenchreä sein Haupt scheren, denn er hatte ein Gelübde getan. 19 Und sie kamen nach Ephesus und er ließ die beiden dort zurück; er aber ging in die Synagoge und redete mit den Juden. 20 Sie baten ihn aber, dass er längere Zeit bei ihnen bleibe. Doch er willigte nicht ein, 21 sondern nahm Abschied von ihnen und sprach: Will’s Gott, so will ich wieder zu euch kommen. Und er fuhr weg von Ephesus. […]

1 Es geschah aber, als Apollos in Korinth war, dass Paulus durch das Hochland zog und nach Ephesus kam und einige Jünger fand. 2 Zu denen sprach er: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie sprachen zu ihm: Wir haben noch nie gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt. 3 Und er fragte sie: Worauf seid ihr denn getauft? Sie antworteten: Auf die Taufe des Johannes. 4 Paulus aber sprach: Johannes hat getauft mit der Taufe der Buße und dem Volk gesagt, sie sollten an den glauben, der nach ihm kommen werde, nämlich an Jesus. 5 Als sie das hörten, ließen sie sich taufen auf den Namen des Herrn Jesus. 6 Und als Paulus die Hände auf sie legte, kam der Heilige Geist auf sie und sie redeten in Zungen und weissagten. 7 Es waren aber zusammen etwa zwölf Männer. 8 Er ging aber in die Synagoge und predigte frei und offen drei Monate lang, lehrte und überzeugte sie von dem Reich Gottes. 9 Als aber einige verstockt waren und nicht glaubten und vor der Menge übel redeten von der Lehre, trennte er sich von ihnen und sonderte auch die Jünger ab und redete täglich in der Schule des Tyrannus. 10 Und das geschah zwei Jahre lang, sodass alle, die in der Provinz Asien wohnten, das Wort des Herrn hörten, Juden und Griechen. 11 Und Gott wirkte nicht geringe Taten durch die Hände des Paulus. 12 So hielten sie auch die Schweißtücher und andere Tücher, die er auf seiner Haut getragen hatte, über die Kranken, und die Krankheiten wichen von ihnen und die bösen Geister fuhren aus. 13 Es unterstanden sich aber einige von den Juden, die als Beschwörer umherzogen, den Namen des Herrn Jesus zu nennen über denen, die böse Geister hatten, und sprachen: Ich beschwöre euch bei dem Jesus, den Paulus predigt. 14 Es waren aber sieben Söhne eines jüdischen Hohenpriesters mit Namen Skevas, die dies taten. 15 Aber der böse Geist antwortete und sprach zu ihnen: Jesus kenne ich wohl und von Paulus weiß ich wohl; aber wer seid ihr? 16 Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, dass sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. 17 Das aber wurde allen bekannt, die in Ephesus wohnten, Juden und Griechen; und Furcht befiel sie alle und der Name des Herrn Jesus wurde hoch gelobt. 18 Es kamen auch viele von denen, die gläubig geworden waren, und bekannten und verkündeten, was sie getan hatten. 19 Viele aber, die Zauberei getrieben hatten, brachten die Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich und berechneten, was sie wert waren, und kamen auf fünfzigtausend Silbergroschen. 20 So breitete sich das Wort aus durch die Kraft des Herrn und wurde mächtig. 21 Als das geschehen war, nahm sich Paulus im Geist vor, durch Mazedonien und Achaja zu ziehen und nach Jerusalem zu reisen, und sprach: Wenn ich dort gewesen bin, muss ich auch Rom sehen. 22 Und er sandte zwei, die ihm dienten, Timotheus und Erastus, nach Mazedonien; er aber blieb noch eine Weile in der Provinz Asien. 23 Es erhob sich aber um diese Zeit eine nicht geringe Unruhe über den neuen Weg. 24 Denn einer mit Namen Demetrius, ein Goldschmied, machte silberne Tempel der Diana und verschaffte denen vom Handwerk nicht geringen Gewinn. 25 Diese und die Zuarbeiter dieses Handwerks versammelte er und sprach: Liebe Männer, ihr wisst, dass wir großen Gewinn von diesem Gewerbe haben; 26 und ihr seht und hört, dass nicht allein in Ephesus, sondern auch fast in der ganzen Provinz Asien dieser Paulus viel Volk abspenstig macht, überredet und spricht: Was mit Händen gemacht ist, das sind keine Götter. 27 Aber es droht nicht nur unser Gewerbe in Verruf zu geraten, sondern auch der Tempel der großen Göttin Diana wird für nichts geachtet werden und zudem wird ihre göttliche Majestät untergehen, der doch die ganze Provinz Asien und der Weltkreis Verehrung erweist. 28 Als sie das hörten, wurden sie von Zorn erfüllt und schrien: Groß ist die Diana der Epheser! 29 Und die ganze Stadt wurde voll Getümmel; sie stürmten einmütig zum Theater und ergriffen Gajus und Aristarch aus Mazedonien, die Gefährten des Paulus. 30 Als aber Paulus unter das Volk gehen wollte, ließen’s ihm die Jünger nicht zu. 31 Auch einige der Oberen der Provinz Asien, die ihm freundlich gesinnt waren, sandten zu ihm und ermahnten ihn, sich nicht zum Theater zu begeben. 32 Dort schrien die einen dies, die andern das, und die Versammlung war in Verwirrung, und die meisten wussten nicht, warum sie zusammengekommen waren. 33 Einige aber aus der Menge unterrichteten den Alexander, den die Juden vorschickten. Alexander aber winkte mit der Hand und wollte sich vor dem Volk verantworten. 34 Als sie aber innewurden, dass er ein Jude war, schrie alles wie aus einem Munde fast zwei Stunden lang: Groß ist die Diana der Epheser! 35 Als aber der Kanzler das Volk beruhigt hatte, sprach er: Ihr Männer von Ephesus, wo ist ein Mensch, der nicht weiß, dass die Stadt Ephesus eine Hüterin der großen Diana ist und ihres Bildes, das vom Himmel gefallen ist? 36 Weil das nun unwidersprechlich ist, sollt ihr euch ruhig verhalten und nichts Unbedachtes tun. 37 Ihr habt diese Menschen hergeführt, die weder Tempelräuber noch Lästerer unserer Göttin sind. 38 Haben aber Demetrius und die mit ihm vom Handwerk sind einen Anspruch an jemanden, so gibt es Gerichte und Statthalter; da lasst sie sich untereinander verklagen. 39 Wollt ihr aber darüber hinaus noch etwas, so kann man es in einer ordentlichen Versammlung entscheiden. 40 Denn wir stehen in Gefahr, wegen der heutigen Empörung verklagt zu werden, ohne dass ein Grund vorhanden ist, mit dem wir diesen Aufruhr entschuldigen könnten. Und als er dies gesagt hatte, ließ er die Versammlung gehen. 1  Als nun das Getümmel aufgehört hatte, rief Paulus die Jünger zu sich und tröstete sie, nahm Abschied und brach auf, um nach Mazedonien zu reisen. (LUT84)

Situation

Der erste Besuch von Paulus in Ephesus lag gegen Ende der zweiten Missionsreise. Er befand sich bereits auf der Rückreise nach Antiochia und entschied vermutlich auch deshalb nur kurze Zeit dort  zu verweilen. Paulus ging in die Synagoge und sprach mit den Juden, von einer entstehenden Gemeinden wird aber nichts gesagt. Eher beiläufig wird allerdings erwähnt, dass Priszilla und Aquilla dort blieben. Erst auf seiner dritten Missionsreise blieb Paulus länger in Ephesus. Mit mehr als zwei Jahren (Apg 19,8.10; 20,31) war es der längste Aufenthalt von Paulus, von dem uns in der Apostelgeschichte berichtet wird.

Kurze Erklärung zum Text

Dass die Epheser es mit ihrem Glauben ernst meinten zeigt eine einfach Rechnung. Eine Drachme entspricht etwa einem Tageslohn. Bei 10 € Stundenlohn und einem 8-Stundentag hätten 50.000 Silberdrachmen ca. 4 Millionen Euro ergeben.

Der Kanzler (bzw. Stadtschreiber) war für Verwaltungsaufgaben zuständig und der höchste Beamte einer Stadt. Er war es auch, der mit der den Römern direkt verantwortlich war. Durch den entstandenen Aufruhr sah er die Gefahr, dass die Römer davon mitbekommen würden und unangenehme Fragen gestellt werden würden. Im schlimmsten Fall hätten die Rechte der freien Stadt Ephesus beschnitten werden können. Es waren offensichtlich nicht Paulus und seine Begleiter, die das Gesetz brachen, sondern diejenigen, die sie verfolgten.

Fragen zum Text

  • Warum haben die Epheser ihre Zauberbücher nicht verkauft? Die Summe hätte einen ordentlichen Grundstock für ein Gemeindehaus ergeben.
  • Welche okkulten Praktiken sind heute Populär? Warum ist es so wichtig sich davon fern zu halten?
  • Einige Epheser bekannten ihre Sünden öffentlich (19,18f). Wann ist so etwas sinnvoll?
  • Habt ihr euch schon mal von etwas bewusst getrennt weil es eurem Glauben widersprach?
  • Worum ging es Demetrius wirklich, um seinen Wohlstand, oder um seinen Glauben (19,24-27)? Wie schätzt ihr die Versuchung durch Wohlstand für Christen ein (1Tim 6,10.17)?

Richtungswechsel

Wie viel den Christen Ephesus ihr Glaube wert war, zeigt sich in dem was sie dafür bereit waren aufzugeben. Die Epheser machten ganze Sache, indem sie ihre Zauberbücher verbrannten. Gibt es Dinge in deinem Leben, von denen du weißt, dass sie Gott nicht gefallen?

Manchmal kann es sinnvoll sein Seine Sünden vor jemandem zu bekennen. Gegenseitig kann man sich helfen von dem loszukommen, was einen festhält. Dem Bekenntnis folgten bei den Ephesern aber auch praktische Schritte in die richtige Richtung (19,18f). Solch ein Zeugnis kann eine gewaltige Ermutigung für andere sein.