Gemeinsam sind wir stark

1. Petrus 4,7-11

 

7 Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet.  8 Vor allen Dingen habt untereinander beständige Liebe; denn »die Liebe deckt auch der Sünden Menge«.  9 Seid gastfrei untereinander ohne Murren.  10 Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes:
 11 wenn jemand predigt, daß er’s rede als Gottes Wort; wenn jemand dient, daß er’s tue aus der Kraft, die Gott gewährt, damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus. Sein ist die Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. (LU84)

Allgemeine Situation

In 1Pe 3,14-16 legt Petrus das angemessene Verhalten der Christen gegenüber den Menschen dar, die sie verfolgen. Dabei orientiert er sich am Vorbild, das Jesus selbst gegeben hat (Kap. 3,18-4,2). Nach einem Ausblick in die heidnische Umwelt der Christen (Kap. 4,3-4) wendet er sich ab 1Pe 4,7 wieder dem inneren Gemeindeleben zu. Welche wesentlichen Aspekte sollen der Alltag und das Miteinander in der Gemeinde prägen? Die Not der Christen ist groß und für Petrus ist die Naherwartung für das zweite Kommen des Herrn (Parusie) lebendig. Was wird in Anbetracht der Verfolgung und des vom Tod bedrohten menschlichen Lebens in Ewigkeit Bestand haben und für was sollen sich Christen in dieser Situation noch engagieren?

Erklärung zum Text

Die Hinwendung zu Gott im Gebet, die geschwisterliche Liebe untereinander, die sich im gegenseitigen Dienen ausdrückt, sind Inhalte, die in der Verfolgung gelebt werden sollen. Unabhängig von dem, was kommen wird, soll das Leben des Einzelnen dazu dienen, Gott zu verherrlichen.

Jesus selbst hat im Garten Gethsemane ein Vorbild dafür gegeben, in der Bedrohungssituation im Gebet die Nähe des Vaters zu suchen.  (V.7) Derjenige, der seine eigene Situation und die seiner Umwelt recht beurteilen kann, wird hier als verständig und besonnen beurteilt. In dieser Lage sind Christen dazu aufgefordert, die Situation einerseits realistisch, aber mit einer auf Gott ausgerichteten Hoffnung und Perspektive zu beurteilen. Dort wo menschlich betrachtet keine Veränderung zu erwarten ist, kann der lebendige Gott eingreifen und die Situation ändern.  Dazu sollen die Christen Gott in Bitte, Fürbitte und Dank anrufen. Während das Gebet „die Lebensader“ zu Gott darstellt,  bildet die geschwisterliche Liebe untereinander (Agape, auch Kap. 3,8) „den Puls“ in der Gemeinde. Die gegenseitige Geschwisterliebe sowie die Liebe zu Gott, die sich in Hoffnung und Vertrauen im Gebet artikuliert, bilden die beiden Eckpfeiler der bedrängten Gemeinde.

Die in V.8 genannte Erklärung für die Praxis der geschwisterlichen Liebe überrascht, weil dies mit dem „bedecken von Sünde“, d.h. der Sündenvergebung begründet wird. Die geschwisterliche Liebe vergibt somit Verfehlungen, bei denen jemand am anderen schuldig wurde. Da Sünde im NT aber immer gegen Gott gerichtet ist, macht das Praktizieren der Geschwisterliebe deutlich, dass zur Vergebung unserer Schuld die Liebe Gottes und der Geschwister notwendig ist.

Die Liebe zu den Glaubensgeschwistern kommt in der (aufopfernden) Gastfreundschaft und im Einsatz der Gnadengaben für die Gemeinde zum Ausdruck. Dort, wo die Gemeinde Jesu offiziell keine Möglichkeit hat sich zum Gottesdienst zu treffen, kommt der Gastfreundschaft und den Hausgemeinden eine besondere Stellung zu. Dies gilt bis heute. Die unterschiedlichen Charismen stehen nicht automatisch zur Verfügung, sondern werden dem Glaubenden von Gott geschenkt. Sie sind menschliche Befähigungen, die von Gott durch seinen Geist für die Glaubensgemeinschaft bereitgestellt und verantwortlich eingesetzt werden sollen.  Mit dem „Reden der Aussprüche Gottes“ und dem „Dienen“ (V.11) nennt Petrus zwei Gnadengaben, die das wesentliche Handeln der Gemeinde beschreiben. Weder ein rein menschliches Reden noch eine menschliche Betriebsamkeit für den Anderen sind gefragt. Beides, Reden (Verkündigung) und Handeln (Diakonie), haben ihren Ursprung und die Kraft in Gott selbst.

Petrus zeigt hier auf,  dass Gott der Geber aller Gnadengaben ist, dass Gottes Wort verkündigt werden soll und der Dienst am Nächsten in Gottes Kraft erfolgen soll. Letztendlich geht es in allem darum, dass Gott in allem verherrlicht wird: Soli Deo Gloria!

Fragen

1.    In unserer Gesellschaft und im Studium wird meistens die Leistung des Einzelnen gefördert und bewertet. Wie leicht/schwer fällt es uns in unseren Gruppen und Gemeinden, die geschwisterliche Liebe zu leben und den Dienst am Anderen im Blick zu behalten? Stehen wir nicht in der Gefahr, unsere Begabungen mehr zur eigenen Verherrlichung und weniger zu Gottes Verherrlichung für den anderen in den Dienst zu stellen?
2.    „Not lehrt beten“ sagt der Volksmund. Auch zur Zeit des Petrus war das Gebet für die verfolgten Christen Ausdruck ihres Glaubens und der Verbindung zu Gott. Haben wir heute auch eine Perspektive für die weltweite Gemeinde Jesu und unterstützen wir diese verfolgten Christen im Gebet? Was bestimmt unser Verhalten in Notsituationen? Die Problembewältigung oder die Verbindung zu Gott, die im Gebet zum Ausdruck kommt?
3.    Gastfreundschaft wird als eine Gnadengabe beschrieben, die dem Evangelium und Missionsdienst Türen öffnet. Wie weit sind wir bereit, ein Opfer zu bringen und auf unsere Bequemlichkeit zu verzichten, um Raum für die Verbreitung des Evangeliums zur Verfügung zu stellen? Wie könnte ich dieses Anliegen praktisch fördern?
4.    Das Ziel der Gnadengaben/Charismen ist die Verherrlichung Gottes. Welche weiteren Gnadengaben kennen wir aus dem NT und wie werden diese in unserem Kreis zur Verherrlichung Gottes eingesetzt? Wie gehen wir damit um, wenn wir feststellen, dass Gaben und Begabungen zur Selbstverherrlichung missbraucht werden?

Richtungswechsel

Unser Abschnitt fordert die Christen in der Verfolgungssituation dazu auf, ihr Vertrauen und ihre Hoffnung ganz auf Gott zu setzen. Die geschwisterliche Liebe bildet die Basis für Vergebung und den Dienst am Anderen. Das Reden von Gott und praktische Handeln am Nächsten im Auftrag Gottes soll dazu führen, dass Gott in allem verherrlicht wird. Welchen Punkt setzen wir auf unsere persönliche Agenda, um weg von unserer Selbstverwirklichung hin zur Christusverwirklichung zu kommen?