Christen in Politik und Gesellschaft

1. Petrus 2,11-17

 

11 Liebe Brüder, ich ermahne euch als Fremdlinge und Pilger: Enthaltet euch von fleischlichen Begierden, die gegen die Seele streiten,  12 und führt ein rechtschaffenes Leben unter den Heiden, damit die, die euch verleumden als Übeltäter, eure guten Werke sehen und Gott preisen am Tag der Heimsuchung.  13 Seid untertan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sei dem König als dem Obersten  14 oder den Statthaltern als denen, die von ihm gesandt sind zur Bestrafung der Übeltäter und zum Lob derer, die Gutes tun. 15 Denn das ist der Wille Gottes, daß ihr mit guten Taten den unwissenden und törichten Menschen das Maul stopft –  16 als die Freien, und nicht als hättet ihr die Freiheit zum Deckmantel der Bosheit, sondern als die Knechte Gottes.  17 Ehrt jedermann, habt die Brüder lieb, fürchtet Gott, ehrt den König! (LU84)

Allgemeine Situation

Petrus hat den Christen bisher verdeutlicht, dass sie in Jesus Christus von Gott erwählte sind, aber von ihrer Umwelt her Ablehnung erfahren. Damit drängt sich die Frage auf, wie sich Christen in dieser Gesellschaft verhalten sollen. Unterwerfung unter die heidnischen Gesellschaft oder deren Bekämpfung  mit einem Rückzug ins „private“ Glaubensleben wären extreme Alternativen. Müssen Christen nicht Gott mehr gehorchen als den Menschen, so dass die Unterordnung in einem nicht-christlichen Regierungssystem ein Verrat des Glaubens wäre?

Erklärung zum Text

Petrus ruft die Christen, die als Fremdelemente (Ausländer)  unter den Heiden leben, zu einem geistlichen Verhalten auf, das sich in einem guten Wandel ausdrückt. Gerade diejenigen, die Christen mit falschen Anschuldigungen bezichtigen, sollen das Verhalten und die guten Werke der Christen sehen und dadurch selber zum Glauben an Gott finden (V.12). Petrus argumentiert hier in einer Linie wie Paulus (Röm 13) und Jesus (Mt 22,15ff): Für Christen entsteht kein Widerspruch, wenn sie Gott dienen und sich den staatlichen Gewalten unterordnen. Könige und die Statthalter haben von Gott den Auftrag erhalten, das Böse zu bestrafen und das Gute zu würdigen. In diesem Ziel, das Böse einzudämmen, sind sich Staat und Gemeinde einig, auch wenn die Gemeinde von Gott her für eine andere Aufgabe, die Verkündigung seines Wortes, verantwortlich ist. Die Christen werden von Petrus jedoch nicht aufgefordert die Verleumdungen in Pressekonferenzen richtig zu stellen, sondern das Gute zu tun. Nicht durch das Reden, sondern durch das Tun soll den Gegnern das Wasser abgegraben und der Boden für deren Glaubensschritte vorbereitet werden. Das Verhalten der Christen bildet somit die Basis, dass die Verkündigung des Wortes zum Ziel kommt (3,15). Als Christen, die zur Freiheit berufen sind, stehen sie nicht weiter unter einer irdischen Macht. Diese neu gewonnene Freiheit befähigt die Christen dazu, sich freiwillig unter die gegebene Macht unterzuordnen und nicht ihre eigenen (selbstsüchtigen) Ziele umzusetzen. Mit der Aufforderung, den König und jedermann zu ehren und die Geschwister zu lieben, endet der Abschnitt.

Fragen

1. Petrus geht davon aus, dass die Regierungsgewalt von Gott eingesetzt wird und diese in ihrem Handeln gegenüber Gott verantwortlich ist. Lässt sich dies mit unserem säkular geprägten Verständnis von Staatsgewalt vereinbaren? Vergleiche hierzu auch das Machtverständnis Gottes und der von ihm eingesetzten Könige im Alten Testament (z.B. Spr 8,14ff, Jer 27,4ff; Jes 41,2-4). Welche Schlussfolgerungen ziehen wir für heutige Regierungen und Machthaber daraus?

2. Können wir, für die Freiheit ein hohes Gut ist, mit den Aufforderungen, uns zu unterwerfen oder unterzuordnen, noch etwas anfangen? Eine Unterordnung unter Gott erscheint uns ja noch plausibel (Jak 4,7) aber wie soll eine freiwillige Unterordnung bei einer antichristlichen Regierungsgewalt möglich sein, zu der Petrus seine damaligen Leser herausfordert? Welche alternative Verhaltensweise kennt das NT neben der Unterordnung und Anerkennung der gegebenen Machthaber?

3. Das Gute zu tun ist für die Gemeinden im 1. Petrusbrief eine wichtige Voraussetzung, damit Menschen der christlichen Botschaft vertrauen und Gottes Wort an sich heranlassen. Was können wir von Petrus lernen und welche Möglichkeiten nutzen wir, um die Ausbreitung und Annahme der frohen Botschaft vorzubereiten und zu unterstützen?

4. Ein Leben in der von Gott geschenkten Freiheit wird oft als ein Umsetzen der eigenen Ziele und Wünsche (miss)verstanden. Für Petrus reicht das Verständnis soweit, dass die Freiheit den Christen dazu befähigt, sich freiwillig unterzuordnen und anderen zu dienen. An welchen Stellen im NT finden wir einen ähnlichen Gedanken?

Richtungswechsel

In unserer Gesellschaft sind „Anti-Haltungen“ in und belegen ein „aufgeklärtes“  Mitdenken und Handeln gegenüber etablierten Machthabern. Dort, wo wir die Möglichkeit haben, Gottes Anliegen in unsere Gesellschaft einzubringen, sollten wir dies eifrig tun. Aber wie verhalten sich Christen, wenn antichristliche Regierungen dies verweigern? Hier sollten wir uns darauf besinnen, dass die Herrscher dieser Welt von Gott berufen und abberufen werden und sie in ihrem Handeln Gott gegenüber Rechenschaft ablegen müssen. Regierungen haben den göttlichen Auftrag, die öffentliche Ordnung zu erhalten, indem sie das Böse bestrafen und das Gute fördern. Dieses Anliegen teilt die Gemeinde mit den Machthabern, auch wenn ihr Auftrag, das Evangelium weiterzugeben, ein anderer ist. Dort, wo die Machthaber ihrem gottgegebenen  Auftrag nicht mehr nachkommen und sie sich z.B. in Ideologien und Machtkämpfen verirren, liegt ein Notfall vor, bei dem im Einzelfall zu prüfen ist,  ob man Gott oder den Menschen mehr gehorchen muss. Die Beziehung des Christen zu Machthabern und Regierenden darf sonst positiv geprägt sein.