Christen in verschiedenen Gemeinden

1. Petrus 1,1-2 (Einführung in den Petrusbrief)

Petrus, ein Apostel Jesu Christi, an die auserwählten Fremdlinge, die verstreut wohnen in Pontus, Galatien, Kappadozien, der Provinz Asien und Bithynien,  2 die Gott, der Vater, ausersehen hat durch die Heiligung des Geistes zum Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blut Jesu Christi: Gott gebe euch viel Gnade und Frieden! (LU84)

 Allgemeine Situation

Petrus, der im Jüngerkreis und in der Urgemeinde eine besondere Stellung hat, schreibt den 1. Petrusbrief im Jahr 63 aus Rom (vgl. 1Pe 5,13) an die Christen in den römischen Provinzen in Kleinasien, dem heutigen Gebiet der Türkei. Man geht davon aus, dass die Juden sich allgemein von den Christen distanziert hatten und auch die hellenistische Umwelt den Glauben an Jesus nicht akzeptierte. Wie sollen sich die erst vor kurzem zum Glauben an Jesus gekommenen kleinen christlichen Gruppen in dieser Gesellschaft verhalten? Ist ein Rückzug oder verantwortliches Einbringen in die Gesellschaft angemessen?

Die Christen werden durch verleumderische Anschuldigungen von Kollegen, Bekannten und Verwandten diskriminiert und vor Gericht gebracht, um mit Hilfe der Behörden ihre Ehre und Existenz zu zerstören. Aufgrund der christlichen Enderwartung (dem zweiten Kommen Jesu) sondern sich die Christen von einem heidnischen Leben ab und verkünden der Umwelt das bevorstehende Gericht. Dieses nicht konforme Verhalten der Jesus-Nachfolger hat die Einengung der Lebensmöglichkeiten bis hin zum Tod zur Folge. Deshalb sind das Verhältnis der Christen zur Gesellschaft und das Leiden in der Jesus-Nachfolge die beiden zentralen Themen des 1. Petrusbriefs.

Erklärung zum Text

Das Endziel der Gemeinde ist die Versammlung aller Gläubigen vor dem Thron Gottes. Zur Zeit des Petrus bilden die Christen eine in Vorderasien zerstreute Schar von Jesus-Nachfolgern, die von ihrer Umwelt her Widerstand erfahren. Die Christen sind von Gott erwählt, aber in der jetzigen Situation sind sie Fremdkörper (Ausländer) in ihrer Umgebung.  Diese Ablehnung und den Hass hatte Jesus selbst erfahren und seine Jünger vor seinem Tod am Kreuz darauf vorbereitet (Joh 1,11; 15,18ff). Die Christen, das neue Gottesvolk, leben deshalb wie Jesus selbst in Erniedrigung und warten auf die noch ausstehende Verherrlichung. Der Heilige Geist, den die Christen empfangen haben, nachdem sie zum Glauben kamen, ist das Mittel, mit dem Gott die Gotteskindschaft des Menschen besiegelt und sie erwählt.

In V.2 spricht Petrus in trinitarischer Form von Gott dem Vater, dem (Heiligen) Geist und dem Sohn Jesus Christus. Im alten Bund wurde das Blut des Opfertieres an den Altar gesprengt und damit Sühnung zwischen Gott und Menschen erwirkt. Dieses Geschehen hat Petrus vor Augen, wenn er davon spricht, dass das von Jesus vergossene Blut für die Christen zur Versöhnung wurde. Im Opfertod durch Jesus geschieht der Wille Gottes und nur deshalb kann der Mensch Vergebung empfangen und damit in die Gemeinschaft mit Gott zurückkehren.

 Fragen

  1. Welche Parallelen und welche Unterschiede gibt es zwischen den Christen damals und uns heute?
  2. Welche Erfahrungen machen wir, wenn wir mit Mitmenschen über den Glauben an Jesus sprechen und welche Reaktionen erleben wir, wenn sie erfahren, dass wir Christen sind?
  3. Auch in unserer toleranten Gesellschaft stößt man schnell an die Grenzen der Toleranz, wenn man klare christliche Inhalte vertritt. Welche Verhaltensweisen sind bei uns möglich und was ist die Voraussetzung dafür, auch bei Opposition einen lebendigen Glauben zu leben?
  4. Was ist für uns persönlich wichtig, um in einer dem christlichen Glauben gegenüber feindlich eingestellten Welt, „geistlich“ zu überleben?

 Richtungswechsel

In kurzen Zügen umreißt Petrus hier, dass die Versöhnung durch Jesus am Kreuz die Basis für die Gemeinschaft mit Gott bildet. Ohne die persönliche Annahme dieser Vergebung ist der Weg zurück ins Paradies nicht möglich. Wer dies im Glauben „ergreift“, darf sich darüber freuen, zum neuen Volk Gottes zu gehören. Glaubenshoffnung in einer gottesfernen/-feindlichen Gesellschaft und Leiden in der Jesus-Nachfolge sind bis heute aktuell geblieben. Was darf uns das Christsein persönlich kosten?