Das Leben mit Jesus ist kein „Pony-Hof“

1.Petrus 4,12-19

 

12 Ihr Lieben, lasst euch durch die Hitze nicht befremden, die euch widerfährt zu eurer Versuchung, als widerführe euch etwas Seltsames, 13 sondern freut euch, dass ihr mit Christus leidet, damit ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben mögt. 14 Selig seid ihr, wenn ihr geschmäht werdet um des Namens Christi willen, denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruht auf euch. 15 Niemand aber unter euch leide als ein Mörder oder Dieb oder Übeltäter oder als einer, der in ein fremdes Amt greift. 16 Leidet er aber als ein Christ, so schäme er sich nicht, sondern ehre Gott mit diesem Namen. 17 Denn die Zeit ist da, dass das Gericht anfängt an dem Hause Gottes. Wenn aber zuerst an uns, was wird es für ein Ende nehmen mit denen, die dem Evangelium Gottes nicht glauben? 18 Und wenn der Gerechte kaum gerettet wird, wo wird dann der Gottlose und Sünder bleiben? Darum sollen auch die, die nach Gottes Willen leiden, ihm ihre Seelen anbefehlen als dem treuen Schöpfer und Gutes tun. (Lu 84)

Situation

Petrus redet Klartext. Wer Jesus konsequent nachfolgt, wird mit Schwierigkeiten rechnen müssen! Das hat Petrus schmerzlich erfahren und er weiß auch wie es ist, wenn man dem Druck der Verfolger nachgibt. Er selbst hatte sich bei seiner Verleugnung Jesu dem „Leiden um Christi willen“ entziehen wollen und das als schwere Glaubens-Krise erlebt! Er hat lernen müssen, wie bitter das Versagen aufgrund der eigenen Schwäche sein kann. Später konnte er dann trotz Bedrohung mutig bekennen: „Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“ (Apg 4,20) Den Empfängern des Briefes steht eine Verfolgung bevor und vielleicht hat sie schon punktuell eingesetzt. Petrus ermutigt deshalb dazu Stand zu halten und solche Zeiten als besondere Glaubensprüfung, als Chance zur Bewährung aber auch als Zeit besonderer Gottesnähe anzusehen (vgl. 1.Petr 1,3-7).

Kurze Erklärungen zum Text

Versuchung bedeutet Prüfung, auf die Probe stellen, Anfechtung. Beim Gläubigen wirkt eine Kraft gegen die Kraft des Glaubens. Hier entsteht „Reibung“ die Petrus „Hitze“ nennt. Der Glaube wird auf die Probe gestellt und das kann mit schweren inneren Konflikten verbunden sein. In Hebr 2,18 wird darauf hingewiesen, dass Christus diese Versuchung in ganzer Wucht erfahren hat, ihr widerstand und denen helfen kann, die sich gerade in einer solchen Versuchung befinden.

Die Absicht des gegen Gott gerichteten Versuchers (Satan) ist Misstrauen und Ungehorsam gegen Gott zu erreichen, so wie es bereits beim Sündenfall sein Ziel war (Gen 3,1-6; Off 12,9). Aus der Versuchung wird die Verführung. Satans Absicht ist das Böse, der Abfall von Gott. Gottes Absicht ist die Bewährung des Glaubens und die Befestigung der Beziehung zu ihm (vgl. Jak 1,13f), weshalb er sogar die Angriffe des Satans beim Betroffenen zum Guten geraten lassen kann. Die Alternative ist der Abfall, die „Verhärtung des Herzens“ bis hin zur Irreleitung als Gerichtsvollzug (2Sam 24,1ff; 1Chr 21,1ff).

Leiden soll Grund zur Freude sein? Wie kann Petrus so etwas sagen oder das Leid sogar Gnade (der verwendete Begriff  Charis bedeutet auch Freude) bei Gott nennen? (vgl. 1Petr 2,19-21; Phil 1,29; 2Tim 1,7f) Es geht hier nicht um jedes x-beliebige Leid, sondern Leid, das zugunsten anderer ertragen wird und was Christus und Gott zuliebe ertragen wird (Joh 15,13; 5.Mos 6,5). Christus ist Vorbild dieses Leidens als der stärksten Ausdrucksform von Hingabe und Liebe. Indem er diesem Leid nicht ausgewichen ist, hat er letztendlich nicht die Niederlage sondern den Sieg erzielt und Gottes Kraft eindrucksvoll demonstriert! Darin liegt auch das besondere, wenn nun um Jesu willen gelitten wird. Natürlich kann Leid allgemein oder auch spezielles Leid wegen des Glaubens auch zur Versuchung werden. Hiob musste körperliches und seelisches Leid als besondere Prüfung seines Glaubens erleben und wurde dazu noch von seiner Frau versucht, sich von Gott zu trennen. Die Flucht vor drohendem oder aus bestehendem Leid kann also eine Versuchung zum Verlassen Gottes und damit zum Bösen sein (Mt 16,22f). Jesus nachfolgen heißt im Umkehrschluss aber genauso wenig, dass man sich das Leid herbeiwünschen oder Verfolgung provozieren soll. Es geht in der Nachfolge nicht um Leidensmystik oder frommen Masochismus. Nicht das Leid ist Grund zur Freude sondern das was an Bewährung und Stärke (z.B. als Zeugnis für andere) entsteht. Es geht nicht um das Leid an sich, denn dieses hat keinerlei erlösende Funktion. Ausgenommen ist hier nur das Opfer Jesu Christi! Dieses in seiner Qualität und Funktion einmalige Opfer ist jedoch endgültig und ausreichend erbracht und bedarf keiner Zugabe durch Jesu Nachfolger. Wenn diese Nachfolger um ihres Glaubens willen leiden müssen, dann liegt das geschehene Leid allein in der Verantwortung der Verfolger, die dafür einmal beim höchsten Richter Rechenschaft werden ablegen müssen. „Für den Glaubenden kann das Problem nicht darin liegen: wie kann Gott den Menschen lieben, wenn er ihn leiden läßt, sondern in der staunenden Frage: wie kann Gott uns so lieben, daß er sich mit unserem Leiden solidarisiert? …das Rätselhafte des Evangeliums ist nicht des Menschen Leid, sondern Gottes Liebe.“ [B. Gärtner, THEOL. BEGRIFFSLEXIKON: Leid S.883]

Das Wort Gericht (krisis), welches in 1Petr 4,17 verwendet wird, bezieht sich im NT gewöhnlich sowohl auf das letzte Gericht (Joh 5,24.27.29), das Jesus leiten wird, als auch auf die sich schon in der Gegenwart vollziehende Scheidung zwischen gläubigen und ungläubigen Hörern des Evangeliums: „Und wer meine Worte hört und bewahrt sie nicht, den werde ich nicht richten; denn ich bin nicht gekommen, daß ich die Welt richte, sondern daß ich die Welt rette. Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht an, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am Jüngsten Tage.“ (Joh 12,47f). D.h. Alle Gerichts-Aussagen beziehen sich im Prinzip doch auf das letzte (jüngste) Gericht, bei dem die Stellung zum Evangelium in der Gegenwart für die Beurteilung in der Zukunft maßgebend ist. Insofern kann vom Gericht schon im Jetzt, in der Gegenwart die Rede sein: „…wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet“ (Joh 3,18) und „Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt…“ (Joh 12,31). Der Glaube ist also gerichtsentscheidend und damit ist es auch die Prüfung und die Bewährung des Glaubens! Der Angriff auf den Glauben geschieht durch Leid „um des Namens Christi willen“ (1Petr 4,14). Das „Gericht …zuerst an uns“ im Petrusbrief bezieht sich wohl eher auf die Situation der Versuchung und Prüfung des Glaubens der Christen. In diesem Sinne kann die Krisis auch als Erprobung (… des Glaubens) verstanden werden. Darin dem Bösen zu widerstehen ist schon für die Gläubigen eine ernste Herausforderung („und wenn der Gerechte kaum gerettet wird…“) während Ungläubige völlig chancenlos sind und mit keinem guten Ende rechnen können (vgl. 1Petr 5,8f; Mt 7,26f).

Fragen zum Text-Abschnitt

  1. Welche Formen des Leidens müssen unbedingt unterschieden werden, wenn Petrus von „freut euch, dass ihr (…) leidet“ spricht? (beachte auch Vers 15)
  2. Was empfindest du, wenn du wegen deiner Überzeugung (z.B. Glaube an Jesus) verspottet oder sogar bekämpft wirst?
  3. Wo hat Petrus Niederlagen und Bewährungen in Situationen der Versuchung erlebt?
  4. Hast du schon einmal erlebt, dass Leid etwas Positives bewirkt hat?
  5. Was bedeutet „die Seele Gott anbefehlen“?
  6. Wie würdest Du Dein Verhältnis zu Gott beschreiben und was ist es (er) dir wert?

Richtungswechsel

Weil Petrus nichts von der Schärfe der „Endzeit“-Warnungen Jesu nimmt (z.B. in Mt 24), sondern das Aushalten im Leid um des Glaubens willen sehr eindrücklich thematisiert, ist es gefährlich, sich darauf zu verlassen, dass Christen verschont werden, bevor es ganz schlimm kommt (z.B. durch „Entrückung“). Beim Leben in der Nachfolge Jesu haben wir es generell mit einem Leben zu tun, das Belastungsproben ausgesetzt ist (Ps 68,20; Off 2,2f):  Doch in der Abhängigkeit zum Herrn Jesus Christus wird aus den Belastungen eine tragbare, ja sogar im Vergleich zum gottlosen Dasein, eine leichte Last (Mt 11,30). Im Leiden wegen des Glaubens, bewährt sich die Festigkeit der Jesusbeziehung. Wenn Christen leiden, so ist Gott bei ihnen. Es kann also nicht darum gehen, dem Leid immer zu entfliehen, sondern sich im Leid zu bewähren! Leid, auch seelisches Leid, ist kein Zeichen einer Gottverlassenheit sondern umso mehr ein Grund sich an Gott, seiner Kraft, seinem Schutz und seinen Verheißungen zu freuen.