Unterordnung – Sei klug und geb nach

1.Petr. 2,18 – 3,7

 

Kapitel 2,18 Ihr Sklaven, ordnet euch in aller Furcht den Herren unter, nicht allein den gütigen und freundlichen, sondern auch den wunderlichen. 19 Denn das ist Gnade, wenn jemand vor Gott um des Gewissens willen das Übel erträgt und leidet das Unrecht. 20 Denn was ist das für ein Ruhm, wenn ihr um schlechter Taten willen geschlagen werdet und es geduldig ertragt? Aber wenn ihr um guter Taten willen leidet und es ertragt, das ist Gnade bei Gott. 21 Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen; 22 er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; 23 der nicht widerschmähte, als er geschmäht wurde, nicht drohte, als er litt, er stellte es aber dem anheim, der gerecht richtet; 24 der unsre Sünde selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. 25 Denn ihr wart wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Kapitel 3,1 Desgleichen sollt ihr Frauen euch euren Männern unterordnen, damit auch die, die nicht an das Wort glauben, durch das Leben ihrer Frauen ohne Worte gewonnen werden, 2 wenn sie sehen, wie ihr in Reinheit und Gottesfurcht lebt. 3 Euer Schmuck soll nicht äußerlich sein wie Haarflechten, goldene Ketten oder prächtige Kleider, 4 sondern der verborgene Mensch des Herzens im unvergänglichen Schmuck des sanften und stillen Geistes: das ist köstlich vor Gott. 5 Denn so haben sich vorzeiten auch die heiligen Frauen geschmückt, die ihre Hoffnung auf Gott setzten und sich ihren Männern unterordneten, 6 wie Sara Abraham gehorsam war und ihn Herr nannte; deren Töchter seid ihr geworden, wenn ihr recht tut und euch durch nichts beirren lasst. 7 Desgleichen ihr Männer, wohnt vernünftig mit ihnen zusammen und gebt dem weiblichen Geschlecht als dem schwächeren seine Ehre. Denn auch die Frauen sind Miterben der Gnade des Lebens, und euer gemeinsames Gebet soll nicht behindert werden. (LU 84)

Situation

Petrus sieht wie Paulus auf eine damals gegebene Situation von Sklaven, bzw. Frauen in der Gesellschaft. Der Text ist ein „Horror-Text“ für die liberale Theologie. Es scheint unmöglich, angesichts einer mühsam erkämpften Gleichberechtigung von Frauen, einen solchen Text heute noch 1:1 als Gottes Wort ansehen zu können. Aufgrund z.B. dieses Textes hört man nicht selten den Vorwurf, Petrus, Paulus oder gar der „christliche Gott“ selbst seien frauenfeindlich!

Hier ist unbedingt zu beachten, wie sehr Petrus oder auch Paulus (z.B. in Eph 5, 25) Jesus Christus als Vorbild ins Zentrum aller Überlegungen rückt! Erstaunlich ist nämlich die Art und Weise, wie die Apostel den „Kampf“  gegen menschenverachtende Unterdrückung und Ausbeutung der Schwächeren führen: im Sinne der Bergpredigt (vgl. Mt 5,4-6 u. 9f) als Friedensstifter, die die innere Stärke fördern, aus Liebe auf das eigene Recht und Wohlergehen verzichten zu können!

Erklärung zum Text

Der Begriff, der hier für Sklaven verwendet wird, ist nicht derjenige der „douloi“, sondern der „oiketai“, was so viel wie „dienende Hausgenossen“ bedeutet und eine weniger geringschätzige Bedeutung als „Sklave“ hat. Die Angesprochenen sind Teil der Hausgemeinschaft, haben aber keine leitende, sondern eine untergeordnete, dienstleistende Funktion. Nun ist diese Unterordnung nicht generell etwas Negatives, wenn die „Herrschaft“ eine positive, liebevoll ausgeübte ist. So wie Gott selbst nicht als Diktator und Unterdrücker, sondern als liebender, jedoch auch gerechter und konsequenter  Vater an Menschen handelt, sollen auch Menschen in seiner Nachfolge untereinander Führungspositionen und Verantwortungsbereiche wahrnehmen. Wenn dies einigermaßen gelingen soll, sind nicht nur die „Herren“ gefordert, sondern auch die „Diener“, die den vorgesetzten Verantwortungsträgern den nötigen Respekt entgegenbringen. In unserem Text sind speziell diese, den anderen untergeordnete Menschen angesprochen.

Wir finden hier das Prinzip der Ordnung und Unterordnung innerhalb bestimmter Gesellschaftsstrukturen und Gesellschafts-Bestandteile, welches sich als Schöpfungsprinzip der Verantwortung von „Häuptern“ über „Anvertraute“ durchgängig in der Bibel wieder findet:

Propheten – Könige – Priester – Lehrer – Schüler – Sippenoberhäupter – Männer – Frauen – Kinder, Staats-„Obrigkeit“ – Staatsbürger, Gemeinde-Leiter – Gemeindeglieder, etc.

Untergeordnete sollen nicht um jeden Preis ihre Überordnung anstreben und damit den u.U. gewaltvollen Machtkampf provozieren, sondern im Falle von geschehenem Unrecht die Möglichkeiten der Friedfertigkeit  ausschöpfen. Menschen sind wegen einer ihnen gegebenen Position der Unterordnung oder Unterlegenheit keinesfalls in ihrem Wert herabgestuft – im Gegenteil! Dies beweist das Leben Jesu und dies wird von Petrus ins Blickfeld gerückt! Es geht darum, Vorgesetzte und Verantwortungsträger zu gewinnen und das Wesen Jesu Christi durch das an ihm orientierte gewaltlose Vorbild sichtbar werden zu lassen. Dadurch kann jeder Untergebene Größe beweisen und selbst dem ihm Übergeordneten zum Vorbild und Denkanstoß werden! Das „wunderlich“ bedeutet in diesem Zusammenhang in Vers 18 so viel wie „krumm“, „verdreht“ , im übertragenen Sinn auch „ungerecht“ und „unverständig“. Petrus sieht die Lösung für den Untergebenen darin, nicht mit Gegendruck auf Druck zu reagieren, sondern mit Geduld, Leidensbereitschaft und Liebe. Dies ist am Ende überzeugender und zielführender für ein gutes Miteinander von Menschen. Dieses gesellschaftliche Miteinander kann nun einmal nicht auf bestimmte Verantwortungsträger und damit verbundene Hierarchien verzichten. Das wird jeder begreifen, der als Student oder Schüler dem Lehrer Rechenschaft schuldig ist, jedem Angeklagten dem Richter gegenüber deutlich und jedem Arbeitnehmer dem Arbeitgeber gegenüber, usw. Auch die Unterordnung der Frau gegenüber dem Mann in der Ehe ist ein von Gott selbst gesetzter Anhaltspunkt. Bitte jetzt nicht gleich wieder aufregen! Denn die göttliche Absicht dahinter ist hier das Prinzip der Selbsthingabe, Aufopferung und des selbstlosen Einsatzes des Stärkeren gegenüber dem Schwächeren. Als zweites Prinzip findet man die enorme Aufgabe des Untergebenen, Dinge durch innere Größe statt durch äußere Gewalt zum Positiven zu bewegen! Natürlich gilt auch da in letzter Konsequenz für den Untergebenen: man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen (Apg 5,29). Untergebene sind also nicht generell von jeder Verantwortungsübernahme und der Erfordernis von Widerstand entbunden. Männer, die im Sinne einer vom Schöpfer gegebenen „Haupt“-Verantwortung Lasten tragen, sind als Wohltäter, liebevolle Förderer und Beschützer ihrer Frauen gedacht. Herrschsüchtige Ausbeuter, Rechthaber und Besserwisser sind nicht im Sinne des Schöpfers und finden nirgends im biblischen Kontext den Rückhalt für Herrschsucht und Ausbeutung! Unterdrückung von Dienenden in Arbeitsverhältnissen und Frauen in Ehen und Gemeinden muss deshalb als Missbrauch des göttlichen Gebotes angesehen und verurteilt werden!

Fragen zum Text

  1. In welchen Situationen fühle ich mich als „Sklave“ der Willkür anderer ausgesetzt?
  2. Wieso fällt es so schwer Unrecht zu erleiden und was kann ich aktiv gegen dieses Gefühl der Ohnmacht tun (z.B. Vers 2,23)?
  3. Wie kann ich in bestimmten Situationen als christlicher Arbeitnehmer unter Kollegen und gegenüber Vorgesetzten am besten zur De-Eskalation beitragen?
  4. Inwiefern könnten Frauen, indem sie sich unterordnen, eine wichtigere, geistlich weiterführende Funktion ausüben, als durch den Ausbau der eigenen Machtposition gegenüber den Männern?
  5. Wieso ist richtig verstandene und vor allem richtig gelebte „Herrschaft“ und „Unterordnung“ etwas Positives, das nichts mit Wertminderung des Einzelnen zu tun hat?
  6. Was ist das Ziel und die eigentliche Bestimmung des Miteinanders von Mann und Frau aus christlicher Sicht (Vers 7 und 1.Petr 5,5f)?

Richtungswechsel

Das effektivste Mittel gegen „wunderliche Herren“ oder schwierige Ehemänner ist nicht der gewaltbereite Aufstand, sondern innere Größe, die verzichten kann um zu gewinnen. Jesus sagt nicht nur „liebet eure Feinde“ (Lk 6,27) sondern auch „der Größte unter euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht.“ (Mt 23,11f)