Mut zum Glauben und zum Leben

1.Petrus 1,3-12

 

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, 4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, 5 die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereit ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit. 6 Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, 7 damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus.

8 Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, 9 wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit. 10 Nach dieser Seligkeit haben gesucht und geforscht die Propheten, die von der Gnade geweissagt haben, die für euch bestimmt ist, 11 und haben geforscht, auf welche und was für eine Zeit der Geist Christi deutete, der in ihnen war und zuvor bezeugt hat die Leiden, die über Christus kommen sollten, und die Herrlichkeit danach. 12 Ihnen ist offenbart worden, dass sie nicht sich selbst, sondern euch dienen sollten mit dem, was euch nun verkündigt ist durch die, die euch das Evangelium verkündigt haben durch den Heiligen Geist, der vom Himmel gesandt ist, – was auch die Engel begehren zu schauen. (Lu84)

Situation

Petrus schreibt an Christen aus heidnischem und jüdischem Hintergrund (siehe Einführung). In Vers 1 wurden die Empfänger-Regionen Pontus, Kappadozien und Asien genannt, die auch in Apg 2,9ff erwähnt sind. Vermutlich haben einige Pilger aufgrund der Pfingstpredigt des Petrus zum Glauben gefunden, bevor sie wieder zurück in ihre Gebiete (heutige Nord- und Zentraltürkei) reisten. Das dürfte dort neben der Tätigkeit des Apostels Paulus die Grundlage von Gemeindebildungen gewesen sein. Unter Druck geraten, bedürfen sie nun der Ermutigung.

Erklärung zum Text

Der Stil des Petrus ist speziell in diesem ersten Abschnitt sehr emotional und teils hymnusartig verfasst. Petrus zeigt an diesem Beispiel, wie sehr er „Hirte“ der Gemeinde Jesu geworden ist. Trotz bereits erlittenem und bevorstehendem Leid (was ihn mit den angeschriebenen Gemeinden verbindet), ermutigt er mit einem gewaltigen Gottes- und Christus-Lob. Die Verse 3-9 sind so voller aneinandergereihter Feststellungen, dass Petrus zwischen den Zeilen keine Luft zu holen scheint. Alles läuft auf die Bewährung des Glaubens und die Rettung der Seelen für eine großartige Zukunft hin. Luther übersetzt den Begriff für Rettung, der hier verwendet wird, etwas missverständlich mit „Seligkeit“. Mit Seele (griech. Psyche) ist der innere, unvergängliche Teil des Menschen gemeint, der in der Hölle verloren und verdorben oder zum ewigen Leben bei Gott gerettet werden kann (Mt 10,28; 25,46; Röm 8,11; Eph 1,13f). Erst angesichts der erschütternden Alternative wird die Großartigkeit der Rettung begriffen.

Bei der in Vers 6 angesprochenen Traurigkeit wird die zeitliche Begrenzung dieses Zustandes im griechischen Text besonders betont. Petrus gründet seine Hoffnung spendenden Aussagen sowohl auf seine eigene Christus-Begegnung als auch auf die Heiligen Schriften des Alten Testaments. Er weiß, dass sich die dort verheißene Gnade (z.B. Bezug in 1.Petr 2,10) in Christus erfüllt hat und diese Tatsache nun als Evangelium (Gute Botschaft) verkündigt werden muss (vgl. 1.Petr 1,12 u. Eph 3,8-11).

Fragen zum Text

  1. Was tut Gott für uns und was ist die Zukunftsperspektive eines Christen?
  2. Was hat Jesus Christus Einzigartiges getan und was unterscheidet ihn grundsätzlich von anderen „Religionsstiftern“?
  3. Was ist mit „Anfechtungen“ (Versuchungen) gemeint?
  4. Was hilft gegen die sich dadurch einstellende Traurigkeit?
  5. Glaube – Liebe – Freude: wie hängen diese Begriffe zusammen (z.B. in Vers 8 ) und welche Bedeutung haben sie für meine persönliche Christusbeziehung?

 Richtungswechsel

Nicht materielle Werte und Versicherungen, nicht Gesundheitsvorsorge oder Familienbande lassen angesichts bevorstehender Krisen und Angriffe gegen den Christus-Glauben fröhlich in die Zukunft schauen, sondern die Liebe zu Gott und die Tatsache, dass er es gut meint, hindurch trägt und eine ewige Perspektive für uns hat. Mit der Sendung und Passion Jesu, hat er alles gegeben, um seine Liebe und Rettungsbereitschaft zu zeigen. Nun liegt es an uns, die ausgestreckte Hand zu ergreifen und wie Petrus, allen schwierigen Umständen zum Trotz, zum fröhlichen Zeugen und „Mutmacher“ für andere zu werden.