Heilig werden, heilig leben

1. Petrus 1,13-2,3

13 Darum umgürtet die Lenden eures Gemüts, seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch angeboten wird in der Offenbarung Jesu Christi. 14 Als gehorsame Kinder gebt euch nicht den Begierden hin, denen ihr früher in der Zeit eurer Unwissenheit dientet; 15 sondern wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. 16 Denn es steht geschrieben: »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.« 17 Und da ihr den als Vater anruft, der ohne Ansehen der Person einen jeden richtet nach seinem Werk, so führt euer Leben, solange ihr hier in der Fremde weilt, in Gottesfurcht; 18 denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Väter Weise, 19 sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. 20 Er ist zwar zuvor ausersehen, ehe der Welt Grund gelegt wurde, aber offenbart am Ende der Zeiten um euretwillen, 21 die ihr durch ihn glaubt an Gott, der ihn auferweckt hat von den Toten und ihm die Herrlichkeit gegeben, damit ihr Glauben und Hoffnung zu Gott habt. 22 Habt ihr eure Seelen gereinigt im Gehorsam der Wahrheit zu ungefärbter Bruderliebe, so habt euch untereinander beständig lieb aus reinem Herzen. 23 Denn ihr seid wiedergeboren nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da bleibt. 24 Denn »alles Fleisch ist wie Gras und alle seine Herrlichkeit wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt und die Blume abgefallen; 25 aber des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit«. Das ist aber das Wort, welches unter euch verkündigt ist. 1 So legt nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alle üble Nachrede 2 und seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, damit ihr durch sie zunehmt zu eurem Heil, 3 da ihr ja geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist. (LUT84)

Kontext

Im vorangehenden Abschnitt hat Petrus den Empfängern gezeigt was Gott in Christus getan hat und welches große Vorrecht sie haben daran teilhaben zu können. Als Antwort fordert er sie nun auch danach zu leben.

Erklärung zum Text

Der Abschnitt beginnt mit einer Aufforderung bereit zu sein. Jemand, der sich einen Gürtel um seine Lenden zog, wollte sichergehen, dass er nicht durch sein Gewand gehindert wurde, wenn er schnell reagieren musste. Barcley vergleicht es in seinem Kommentar mit dem Hochkrempeln der Ärmel oder dem Ausziehen der Jacke, bevor es zur Sache geht.

Mit der Offenbarung Christi (1,13) ist seine Wiederkunft gemeint (1,7; vgl. 1Kor 1,7; 2Thes 1,7). Das Ereignis liegt in der Zukunft, es gibt uns aber schon heute Hoffnung.

Petrus schreibt, dass Gott jeden nach seinem Werk richtet (1,17). Auf den ersten Blick scheint es so, als widerspräche er damit sowohl Paulus (Röm 4,4f), als auch sich selbst (1,13). Klarer wird es wenn man sich bewusst macht, dass Petrus zu Christen spricht, die bereits in einem Vater-Kind-Verhältnis mit Gott stehen. Er spricht nicht darüber wie man in ein solches Verhältnis kommt bzw. wie man gerettet wird. Der Preis ist bezahlt (1,18f) und wir müssen und können nichts hinzufügen. Trotzdem wird sich jeder einmal vor Gott verantworten müssen, davon schreibt auch Paulus (1Kor 3,11-15; 2Kor 5,10).

Fragen zum Text

  • Petrus fordert die Empfänger auf ihre Hoffnung ganz auf Gottes Gnade zu setzen (1,13). Der Hintergrund ist der äußere Druck unter dem sie stehen. In wie fern standen die Empfänger in der Gefahr ihre Hoffnung auf etwas anderes zu setzen? In wie fern stehen wir in der Gefahr?
  • Könnt ihr mit der Erklärung (s.o.) zu der Spannung zwischen Gnade (1,13) und Werken (1,17) übereinstimmen? Wie versteht ihr das Verhältnis zwischen beidem?
  • Petrus stellt zwei Motivationen nebeneinander, die uns zu einem gottesfürchtigen Leben ermutigen sollen. Das Bewusstsein, dass Gott jeden Menschen richten wird (1,17a) und das Bewusstsein für den hohen Preis, den Gott für uns bezahlt hat (1,18-21).  Was ist für dich persönlich die größere Motivation? Meinst du, dass es wichtig ist beides im Blick zu haben, oder reicht es durch eins von beidem motiviert zu sein?
  • Gott möchte neues Leben schenken und er tut das durch sein lebendiges Wort – die Bibel (1,23-25). Wenn Gottes Geschenk angenommen hast, welche Rolle hat die Bibel auf deinem Weg zu Gott gespielt?
  • Petrus bleibt nicht bei der Bekehrung stehen, er spricht davon, dass wir im glauben wachsen sollen. Wir sollen begierig sein nach der „vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein“ (2,2). Das ist zwar eine gesunde Einstellung eines Christen, aber keine die von alleine kommt. Sonst müsste Petrus die Empfänger nicht dazu auffordern. Wie können wir praktisch daran arbeiten?

 Richtungswechsel

Die Empfänger des Briefes sind schon gläubig. Trotzdem fordert Petrus sie auf ihre Hoffnung ganz auf die Gnade zu setzen. Wir müssen uns immer wieder daran erinnern, dass unsere Hoffnung letztendlich in Gott begründet ist. Dieser Blick auf die Zukunft macht uns frei und motiviert uns heute nach Gottes Willen zu handeln.

Unser Leben ist vergänglich aber Gottes Wort bleibt in Ewigkeit. Spiegelt sich diese Aussage in deinen Prioritäten wieder? Nimm dir ein wenig Zeit und denke darüber nach wie das ganz praktisch aussieht.