Stellenbeschreibung für qualifizierte Leiter

1. Petrus 5,1-11

 

1 Die Ältesten unter euch ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll:  2 Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund; 3 nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde.  4 So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen.  5 Desgleichen, ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter. Alle aber miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.  6 So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit.  7 Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.  8 Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.  9 Dem widersteht, fest im Glauben, und wißt, daß ebendieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen.  10 Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen.  11 Ihm sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. (LU84)

Allgemeine Situation

Ohne einen direkten Bezug zum vorherigen Thema „Standhaftigkeit im Leiden“ wendet sich Petrus in unserem Abschnitt an die Gemeindeleiter. Er ermahnt und ermutigt sie, indem er ihnen das Ziel, die Herrlichkeit und den unverwelklichen Siegeskranz vor Augen stellt und sie dazu motiviert, ihre Aufgabe mit der richtigen Einstellung und Haltung wahrzunehmen (V.1-4). Nach der Aufforderungen zur Unterordnung und zu einem demütigen Leben ohne Sorge,  jedoch von Nüchternheit und Wachsamkeit  geprägt,  schließt Petrus seinen Brief mit einem Lobpreis ab.

Erklärung zum Text

Petrus spricht die Gemeindeleiter als Mitälteste an. Damit hebt er sich nicht von ihnen ab, sondern weiß, dass er und die verantwortlichen Gemeindeleiter berufen sind, wie bereits die Apostel Zeugen des Leidens Jesu zu sein. Er selbst rechnet mit einer Teilhabe an  der Verherrlichung der Gläubigen, die in Kürze stattfindet und für alle offenbar wird. In der Linie von Ps 23, Hes 34, Jes 40, Jer23 und Joh 10 greift Petrus das Bild des Hirten auf und beschreibt damit die Aufgabe der Ältesten. Sie sind immer wieder neu aufgefordert, das  Hirtenamt wahrzunehmen und auf die ihnen anbefohlene Schar der Gläubigen acht zu geben. Dies beinhaltet Ermutigung  und Zurechtweisung der Gläubigen, Menschen „nachzugehen“ und geistliche Verantwortung für sie zu übernehmen. Dabei ist es wichtig, dass dies nicht aus Zwang sondern freiwillig geschieht. Kennzeichen für die echte Motivation zu diesem Dienst soll die rechte Herzenseinstellung und die Hingabe sein. Wer dieses Amt nur um des materiellen Gewinns ausübt, ist am falschen Platz (vgl. Mt 6,19ff).

Jesus selbst hat es vorgelebt und gelehrt, dass menschliches Herrschen, wie es im weltlichen und politischen Bereich üblich ist,  nicht zum Auftrag der Jünger gehört (vgl. Mk 10,42ff).  Obwohl den Ältesten Leitungsverantwortung und Weisungsbefugnis in geistlichen Fragen zukommt, ist ein Herrschen über die Gemeinde nicht angemessen. Nicht eine klare Befehlsartikulierung, sondern ein Vorbild, das andere Menschen prägt, ist in der Gemeinde gefragt. Damit werden die üblichen Verhaltensmuster der Gesellschaft durchbrochen. Wer wie Jesus selbst andere Menschen leitet und sie mit seinem Vorbild prägt, wird bei der Wiederkunft Jesu „gekrönt“, d.h. dafür gewürdigt und belohnt werden.

Während die Gemeindeleiter ihr „Herrschen“ gegen ein „Dienen“ eintauschen, bleibt für die Jüngeren das Unterordnen unter die Ältesten, wie es in weltlichen Belangen damals üblich war, bestehen (V.5). Beide, Älteste und Jüngere, werden aber zu einem demütigen Verhalten aufgefordert (vgl. die Liebestafel 1Pe 3,8).  Wer demütig ist, erkennt die eigenen Position vor Gott und hat somit keinen Grund, sich über andere Gläubige zu erheben auch dann nicht, wenn er Ältester oder Gemeindeleiter ist. Der Leitungsdienst für die Gemeinde soll weder dazu führen, dass man über andere herrscht noch sich (innerlich) über sie erhebt. Dort, wo sich Christen unter Gott demütigen und ihre Schwachheit und Niedrigkeit gegenüber ihm erkennen, wird Gott zu seiner Zeit handeln und sie erhöhen. Mit der Fußwaschung (Joh 13) gibt uns Jesus ein Beispiel für Demut. Er erniedrigt sich und übernimmt Sklavenarbeit, um damit seinen Jüngern zu dienen. Demut als Basis der Gemeinschaft mit Gott bildet auch in der Gemeinde die Basis für ein gutes Miteinander.

In der Bedrängnis sollen die Christen nicht an der Angst um ihre Existenz und Zukunft festhalten, sondern diese Angst an Gott abgeben. Der Glaubende weiß um den himmlischen Vater, der sich um sein Leben kümmert, so dass die Verantwortung hierfür nicht mehr nur bei ihm liegt. (vgl. Mt 6,32) Deshalb werden die Christen durch Petrus aufgefordert, sich einerseits unter Gottes Willen zu demütigen und die Ereignisse aus seiner Hand anzunehmen, andererseits ihre Angst um die Zukunft ganz an Gott abzugeben.

Während man sich unter Gott  demütigt, ist gegenüber dem Teufel Widerstand gefragt. Hinter der Verfolgung durch die Gesellschaft muss immer auch die geistliche Dimension erkannt werden. Der Teufel ist am Werk, um Menschen zu verschlingen, d.h. sie von ihrem Glauben abzubringen. Deshalb sollen die Christen wachsam und nüchtern sein, um Widerstand leisten zu können. Dieser Widerstand ist allein durch den Glauben, d.h. ein ständig und völlig auf Gott ausgerichtetes Leben und in ihm begründetes Hoffen möglich.

Mit V.10 fasst Petrus nochmals die Absicht des Briefes zusammen. Der Gott, der Gnade schenkt und die Christen zur ewigen Herrlichkeit berufen hat, steht zu den bedrängten Christen, indem er sie aufrichtet, stärkt, kräftigt und im Evangelium gründet. Dies wird in V.11 unterstrichen, wenn in einem Lobpreis davon die Rede ist, dass Gott hierzu für immer die Kraft besitzt.

Fragen

1. Wie wichtig ist es, in unseren Kreisen verantwortliche Leiter zu haben, die geistliche Verantwortung für die ganze Gruppe übernehmen? Was fällt uns schwer zu akzeptieren und was schätzen wir an geistlichen Leitern? Welche Kriterien sind wichtig, um bei Bedarf einen geeigneten Nachfolger für die Leitung eines Studentenkreises zu finden?

2. In V.3 werden Gemeindeleiter dazu aufgefordert, nicht über die Gemeinde zu herrschen, sondern als Vorbild der Gemeinde zu dienen. Wird dies in unseren Kreisen und Gemeinden praktiziert? Wie gehen wir damit um, wenn es in diesem Bereich noch „Verbesserungspotential“ gibt?

3. Im Vergleich zu anderen Kulturen ist unser zwischenmenschlicher Umgang von flachen Hierarchien geprägt. Fällt es uns deshalb schwerer sich unterzuordnen? Wie gehen wir mit geistlichen oder persönlichen Defiziten von Leitern um?

4. Angst kann uns von Gott trennen oder uns in die Arme Gottes treiben. Warum gelingt es uns oft nicht, unsere Angst und Sorgen auf Gott zu werfen ohne diese wieder zurückzuholen und selbst zu bearbeiten?

5. Der Teufel hat damals gesellschaftliche Strukturen verwendet, um den Glauben der Christen zu vernichten. Welche Methoden könnte der Teufel heute verwenden, um den Glauben von Christen zu schwächen oder vernichten? Was können wir solchen Angriffen entgegenhalten?

Richtungswechsel

Petrus fordert auch uns dazu heraus, mit der richtigen Einstellung geistliche Verantwortung und damit Leitungsfunktion zu übernehmen. Auch an Hochschulen benötigt es Leiter, die Christen zusammenführen und ihnen helfen, geistlich zu wachsen. Werden Leiter benötigt, sollten wir unsere Motivation prüfen und diese Verantwortung mit der richtigen Einstellung wahrnehmen. Wir sollten aber auch damit rechnen, dass unser Glaube Widerstand erfährt und angegriffen wird. Deshalb ist es wichtig wachsam zu sein und diesen Angriffen mit Gottes „Toolbox“ zu begegnen.