Was ist Weisheit?

1. Korinther 1,18 – 25

 

18 Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft. 19 Denn es steht geschrieben (Jesaja 29,14): »Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.« 20 Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? 21 Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben. 22 Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit, 23 wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; 24 denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. 25 Denn die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind. (Lu 84)

Situation

Korinth ist eine Hafenstadt, die vom Handel geprägt ist. Die Bevölkerung ist multikulturell, hat verschiedene Religionen und gehört zu unterschiedlichen sozialen Schichten. Dies spiegelt sich auch in der Gemeinde wider. Die Gemeinde war von Paulus gegründet und danach von anderen Missionaren besucht worden (Apollos, Kephas). Sie ist von Spaltungen und Irrlehren bedroht. Paulus hat Informationen über den Zustand der Gemeinde erhalten. Zum einen waren es Aussagen von „Leuten der Chloë“ (1. Korinther 1,11) zum anderen hatte er einen Brief von den Korinthern bekommen, in dem Missstände geschildert werden (1. Korinther 7,1). Er macht sich Sorgen um die Gemeinde und schreibt ihnen deshalb diesen ausführlichen Brief. Es geht nicht darum, wer das Evangelium in den schönsten Worten erklären kann, sondern es geht um das Wort vom Kreuz.

Erklärung zum Text

Was ist Weisheit, das ist hier die spannende Frage. Es geht um die Weisheit der Weisen, d.h. die Weisheit der Menschen und die Weisheit Gottes.

Die Weisheit der Menschen hat mit Wissen und Verstand zu tun und teilweise noch mit Lebenserfahrung.

Gottes Weisheit ist eine andere Weisheit als unsere. Sie hat mit dem Kreuz zu tun. Das Kreuz, der Pfahl, ist eigentlich ein Ort des Fluches, kein Ort, von dem etwas Positives ausgeht.

Die Juden haben Jesus als Heilsbringer erwartet, aber in Form eines menschlich mächtigen und angesehenen Herrschers. Die Juden, die Schriftgelehrten forderten Zeichen von Jesus, mit denen er „beweisen“ sollte, dass er Gottes Sohn sei. Aber auch, wenn solche Zeichen geschahen, haben sie nicht an ihn geglaubt und ihn nicht als Gottes Sohn anerkannt. Das, was sie an Jesus gesehen und erlebt haben, passte nicht in ihr Bild. Die Griechen, die Philosophen erwarteten, dass Jesus in ihre Gedankengebäude und Erklärungen der Welt passt. Dorthin passt kein Heilsbringer, der am Kreuz stirbt. Die, die berufen sind, die sich auf Gott einlassen, die bereit sind, Neues zu denken, die werden Gottes Kraft erleben und seine Weisheit erkennen.

Fragen zum Text

  1. Häufig hören wir, dass Jesu Tod am Kreuz bedeutet, dass er am Ende mit seiner Mission gescheitert ist. Was denken wir, wenn wir an das Kreuz denken?
  2. Wie sieht unser Bild von Jesus aus? Sehen wir Jesu Tod als Ende oder glauben wir, dass er auferstanden ist und lebt?
  3. Wo hindert uns unser eigenes Denken, uns auf Gott einzulassen?
  4. Wie kann Christus für uns zu Gottes Kraft werden?

Richtungswechsel

Gott stellt die menschlichen Maßstäbe und Denkweisen auf den Kopf. Das, was bei den Menschen als weise und mächtig gilt, hat vor ihm keinen Wert. Das Kreuz, das eigentlich einen Fluch darstellt, wird zum Ort, an dem Gottes Liebe zu uns sichtbar wird. Er nimmt den Schwachen an. Er gibt demjenigen Kraft, der sich auf dieses ganz andere Denken einlässt und Gottes Angebot annimmt. Solange wir versuchen, Gott mit unserem Verstand zu erfassen und zu begreifen, werden wir an dem Wesentlichen vorbeigehen, weil wir den großen Gott in unser beschränktes Denken pressen wollen.