Luther auf dem Karneval: was uns der Reformator (nicht mehr) zu sagen hat (Februar 2017)

O.k., ein bisschen Selbstironie tut ab und zu ganz gut. Aber das Anliegen Luthers und der Reformation ausgerechnet per Motiv-Wagen auf Karnevalsumzügen in Mainz und Düsseldorf rüberbringen zu wollen, ist eher eine bittere Kamelle. Sie ist dazu geeignet, einer vermeintlichen Luther-Euphorie in der Gesellschaft endgültig den guten Geschmack zu rauben.

In einem Kommentar wird verständnisvoll von der Integrationsfähigkeit der Evangelischen berichtet:

>Karneval trifft Reformation: Im Zentrum steht dabei naturgemäß der Reformator Martin Luther (1483-1546), der teils als überlebensgroße Figur im Rosenmontagszug mitfährt. In Mainz hält ein 3,40 Meter hoher Styropor-Luther anstelle der 95 Thesen “Weck, Worscht un Woi” (Brötchen, Fleischwurst und Wein) in der Hand und wird von einem Posaunenchor begleitet, der eine Fastnachts-Version des Luther-Chorals “Ein feste Burg ist unser Gott” spielt. “Wenn die Leute merken, dass die Evangelischen auch über sich selbst lachen können, dann haben wir schon viel erreicht”, sagte der Mainzer Dekan Andreas Klodt.<<

Quelle: https://www.evangelisch.de/inhalte/142217/17-02-2017/martin-luther-unter-den-narren

Nun gut. Man mag das für irgendwie ökumenisch angepasst oder für wirklich witzig halten. Aber weniger witzig ist die ernüchternde Diagnose säkularer Journalisten, die vergeblich nach der zentralen Bedeutung des Kerns der christlichen Botschaft suchen. Sola Scriptura war einmal. Und wenn in der Folge die zentrale Hoffnung der Christen auf die reale Auferstehung von den Toten zunehmend für fake news gehalten wird, ist das kein Wunder! Wo vor allem evangelischen Theologen dazu nichts biblisch Aufklärendes einfällt, wird Luther in Zukunft die harmlose Play-Mobilfigur bleiben, die in Mainz an die Kids verteilt wurde.

Bereits vor 5 Jahren zog Klaus Harpprecht die verbittert klingende Bilanz:

>Unter den evangelischen Theologen ist jede seriöse Debatte um diese wahrhaft “letzte Frage” (Anm.: der körperlichen Auferstehung!) verstummt. An den Gräbern retten sich die Pastoren, wie ein prominenter Kirchenlehrer dieser Tage sagte, meist in die wolkige Beschwörung einer vagen transzendentalen Hoffnung. (…) Keine Kenntnis der “Schrift”, der kirchlichen Geschichte, auch der christlich geprägten Kunst wird vermittelt. Aus der Fantasie der Kinder sind die Geschöpfe der biblischen Geschichten verbannt, ersetzt durch die Mythenwelt der Computerspiele und Cyber-Sagen. Die Jüngeren, wenn sie in ein Museum geraten, starren die Heilige Familie, die Susannen im Bade, die Apostel und Märtyrer an wie Wesen von einem anderen Stern. Kann die schiere Ästhetik die Inhalte überdauern? Das Volk der Neuheiden ist von der Kraft der Sprache Luthers kaum mehr berührt.<

Quelle: http://www.zeit.de/2012/15/Auferstehung-Christen-Bibel/

Wann wird das Wesentliche zur Bedeutung Luthers und der Reformation in Deutschland endlich wieder gesagt? Wann wieder die Frage nach der Gnade Gottes gestellt? Wann die berechtigte Hoffnung der Auferstehung und die Relevanz des göttlichen Gerichtes verkündigt?  Immerhin bleiben ja noch vier Jahreszeiten um diese Chance zu mehr als nur zu “Weck, Worscht un Woi” zu nutzen.

Sonst droht uns nur Helau

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