Kein Vorschub ohne tragfähige Pfeiler

Der sogenannte Hochmoselübergang bei Zeltingen-Rachtig in Rheinland-Pfalz ist die derzeit größte Brückenbaustelle Europas! In naher Zukunft soll auf 1,7 km Strecke in bis zu 160 m Höhe eine der zahllosen Moselschleifen überspannt werden, von denen jede ein landschaftlicher Höhepunkt ist. Die B 50 soll, autobahnähnlich ausgebaut, eine zusätzliche Verbindung von überregionaler Bedeutung schaffen. Sie wird ein massiver Eingriff ins Landschaftsbild aber hoffentlich auch ein Denkmal großer Ingenieurskunst werden.

Wer sich die Baustelle zur Zeit anschaut, dem fällt sofort auf, dass die Pfeiler auf der Hunsrück-Seite (Gleithang) im Osten fast komplett fertiggestellt sind, während auf der westlichen Eifel-Seite (Prallhang) nur der „winzige“ obere Pfeiler steht. Zwei große Pfeiler fehlen. Dies liegt u.a. daran, dass der steile Prallhang aus instabilen Schieferlagen bis in größere Tiefen aufweist. Kriechbewegungen des Hanges sorgen für große Probleme bei der Standsicherheit. Ein „schwimmendes“ Fundament soll hier Abhilfe schaffen, das die Last über eine große Mantelfläche der Gründungspfähle sicher abtragen kann, ohne im festen Fels verankert zu sein. Ob die Rechnung aufgeht, hängt davon ab, wie gering die Hangbewegung zukünftig ausfallen wird und ob die unverfestigten Gesteinsmassen quasi oberflächlich über das Fundament hinweg gleiten werden, ohne es zur Seite zu schieben. Ein heftiger Streit zwischen Gegnern und Befürwortern der Brücke ist entbrannt und noch längst nicht ausgestanden. Fest steht, dass die Brücke weiter gebaut wird und skeptische Stimmen inzwischen für irrelevant erklärt wurden. Das Beispiel zeigt, dass das berühmte schwächste Glied in der Kette etwas ganz Großes zum Scheitern bringen kann. In diesem Fall waren es 2 Brückenpfeiler für die eine sichere Gründungs-Lösung gefunden werden musste. Die Hoffnung ist groß, dass das Projekt gelingt und dramatische Folgeschäden wie z.B. bei der abgesackten Inntalbrücke im Jahr 1990 oder der Schiersteiner Brücke Anfang 2015 ausbleiben. Wie bei einer großen Brücke mit mehreren Pfeilern ist es auch mit dem eigenen Leben. Die Frage ist, auf welchen Pfeilern die eigene Lebensbrücke liegt und ob der „Vorschub“ der Brücke in Form unserer Lebenszeit gelingt ohne abzubrechen und schließlich ein tragfähiges Ganzes bildet. Was hält den Belastungen dauerhaft stand und wo ist von vornherein mit einem Nachgeben des Fundamentes zu rechnen? Welches Lebensziel soll erreicht werden und hat es Bestand?

Am Hochmoselübergang wurde bereits mit dem Vorschub der Fahrbahnkasten-Elemente begonnen. Auch hier soll mit dem größten Brückenfeld zwischen 2 Pfeilern bei knapp 210 m Spannweite ohne zusätzliche Hilfsstütze ein neuer Rekord aufgestellt werden. Es hätte dramatische Folgen, wenn die fehlenden Pfeiler nicht fertiggestellt und damit der Brückenkörper nicht bis zur anderen Talseite reichen könnte. Die gesamte bis dahin erbrachte Leistung würde rückwirkend zum sinnlosen Milliardengrab und die unfertige Brücke ein abrisswürdiges Denkmal des Scheiterns. So soll unser Leben nicht enden. So hat sich Gott unser Leben nicht vorgestellt. Wir sollen nicht im Leeren, nicht im Nirwana enden sondern zu einem guten klar definierten Ziel kommen. Stabile Fundamente und tragfähige Pfeiler liefert Gott selbst durch seine guten Gebote, die der Gerechtigkeit dienen, und die bestmögliche Gründung auf Liebe, Gnade und Vergebung. Dies sind die tragfähigsten Pfeiler, die Schubkräfte und Spannungen abfangen und den sicheren Vorschub über verschiedene Lebensabschnitte hinweg bis zum Ziel der himmlischen Herrlichkeit gewähren.

Fotos u. Text.: W. Borlinghaus, Korntal