Industrieschnee – wenn Feinstaub sichtbar wird (November/Dezember 2016)

Wenn es für „richtigen“ Schnee nicht reicht, gibt es ja noch den sogenannten „Industrieschnee“. Zu diesem eigenartigen Niederschlag kam es während der Inversionswetterlage vom 6.-7. Dezember in der Nähe von Frankfurt, Stuttgart und anderen südwestdeutschen Städten. Dieses Phänomen kann sehr regionalen Charakter haben. So lag am Morgen des 6. Dezember im Korntaler Osten eine 2 cm hohe Schneeschicht, während es nur ca. 2 km weiter westlich und südlich keine nennenswerte Schneebedeckung gab. In der Nacht zuvor waren jedoch keinerlei Wolken durchgezogen. Es herrschte oberhalb einer wenige Dutzend Meter hohen Bodennebelschicht eine kalte, sternenklare Nacht! Was war geschehen? Chemisch reines Wasser kann in Form winziger Wassertröpfchen (wenige Moleküle groß) in der freien Atmosphäre weit unter 0° C abkühlen. Unter Laborbedingungen sogar bis – 60° C, bevor es zum Gefrieren kommt! Eiskristalle in Wolken bilden sich deshalb oft erst bei Temperaturen deutlich unter Null und es kommt durch Kristallzuwachs zur Schneeflockenbildung und bei entsprechender Größe zum Schneefall aus mehreren Hundert oder Tausend Metern Höhe. Schnee kann deshalb aus einer Bodennebelschicht kaum fallen. Da bildet sich lediglich Reif. Es sei denn, es gibt genügend Kondensationskeime z.B. in Form von Fein-Staub. Dieser führt zu einer massiven Anlagerung der Wassermoleküle und zu rascher Eiskristallbildung. Genau das passiert beim „Industrieschnee“! Hier genügt schon eine wenige Dutzend Meter hohe Nebelschicht die bei typischen Wetterlagen aus einem „Kaltluftsee“ über dem Boden entsteht. Kommen jetzt genügend Kondensationskeime hinzu und kühlt die feuchte Luft deutlich unter 0 ° C ab, bildet sich ein feiner Niederschlag aus winzigen Schneekristallen, die schwer genug werden um aus geringer Höhe zu Boden zu fallen. Diese „Flocken“ sind im Gegensatz zu ihren natürlichen “Kollegen” als dünne hexagonale Plättchen recht einfach gestaltet und können wegen der zu geringen Fallhöhe nicht weiter anwachsen. Trotzdem reicht eine hohe Luftfeuchtigkeit bei solchen Bedingungen aus, um innerhalb von Stunden eine wenige cm hohe Schneedecke zu erzeugen. Der Schnee, der sonst natürlicherweise in großer Höhe und bei niedrigeren Temperaturen seinen Ursprung hat, entsteht nun knapp über dem Boden durch menschliche “Zutaten”. Auf diese Weise wird ganz nebenbei der von Vielen belächelte Feinstaub anschaulich. „Industrieschnee“ ist wegen seiner aus Abgasen erzeugten Kondensationskeime i.d.R. deutlich stärker mit Schadstoffen belastet, als gewöhnlicher Schnee! Und er macht deutlich, wie mikroskopisch kleine Schmutzpartikel eine große, ja flächendeckende Wirkung erzeugen können. Ist es nicht ähnlich wie mit unserer Schuld? Sie liegt oft wie ein unsichtbarer Schleier über unserem Leben. Doch unter gewissen Umständen wird sie plötzlich sichtbar und liegt offen vor uns. Wie gut, dass Gott den giftigen Feinstaub unseres Lebens nicht bloß als Niederschlag zur Erde rieseln lässt, wo er wieder aufgewirbelt werden kann. Sondern er will und kann ihn durch den auf die Erde gekommenen Christus nachhaltig entsorgen!

Foto und Text: Winfried Borlinghaus, Korntal

 

Tagged , , , , .