Veränderung und der Blick fürs Wesentliche

hochschulnet2012_windradIm Jahr 2011 bewegte sich einiges! Die Veränderungen und Ereignisse kommen Schlag auf Schlag und überfordern schon nach kurzer Zeit unser Gedächtnis. Was ist wichtig, was belanglos? Habe ich meine Lebensziele richtig gesteckt, wenn mir Veränderung und Vergänglichkeit in immer kürzeren Abständen vor Augen geführt wird? Plötzlich verschobene Erdkrustenplatten in Japan verschoben das Sicherheitsbedürfnis der Menschen gleich erheblich mit. Der Atomausstieg in Deutschland scheint uns als positive Folge wichtiger zu sein als das tragische Schicksal Zehntausender betroffener Menschen und Familien.

Nachdem ein isländischer Vulkan erstmals in der Geschichte erst 2010 kurzfristig den europäischen Flugverkehr lahmgelegt und für Panik gesorgt hatte, rumorte es 2011 zwar erneut in der isländischen Erdkruste, aber es interessierte niemanden mehr außer wenigen unmittelbar Betroffenen. Weltpolitische Erdbeben gab es ebenfalls zur Genüge. Bin Laden ist nicht mehr, doch was jetzt? Wird es nun weniger Terror geben?

Im arabischen Raum sind enorme politische Umwälzungen fast schon an der Tagesordnung, doch handelt es sich wirklich um den erhofften inneren Aufbruch, der mehr Freiheit und Frieden für die Menschen bringt? Tote koptische Christen oder massakrierte Fußballfans in Ägypten, weitere Unruhen und Kämpfe in Syrien, im Jemen, in Libyen usw. lassen leider berechtigte Zweifel an einer wirklich positiven Wende für die betroffenen Menschen und in Europa eher hilflose Gleichgültigkeit aufkommen. Was ist der Mensch wert, wenn er bei uns allzu häufig nur nach seiner Gesellschaftsfähigkeit oder gar nur nach seiner Wirtschaftsleistung beurteilt wird? Apple macht weiter enorme Gewinne. Wer interessiert sich nur wenige Monate nach seinem Tod noch für Steve Jobs? Oder wie steht es mit den Nobel-Preisen, die 2011 vergeben wurden? Tragen die Methoden wirtschaftlicher Folgenabschätzung der frischgebackenen Nobelpreisträger Thomas Sargent und Christopher Sims zukünftig tatsächlich dazu bei, neu aufflammende Banken- und Wirtschaftskrisen rechtzeitig einzudämmen oder sind sie schon bald wieder als belanglose Idee vergessen? Ist Griechenland das Beispiel für eine neue Chance gemeinsamen Handelns oder der Anfang vom Ende des wirtschaftlichen und sozialen Friedens in Europa? Und welche Zukunftsperspektiven gibt es, wenn man ausgerechnet jetzt sein Studium in Deutschland beginnt? Doppelte Jahrgänge, Abschaffung der Wehrpflicht, ein immer noch nicht ausgereifter Bologna-Prozess, usw.? Oder wer mag angesichts superschneller Entwicklungen auf dem Daten-Sektor noch an ausreichenden Schutz oder angesichts des Notstands im Pflege- und Gesundheitsbereich noch an langfristige Zukunftsperspektiven denken? Irgendwie passt es da in die Zeit, wenn es in einem (nicht mehr ganz neuen) Song heißt: „gib mir ein kleines bisschen Sicherheit … Gib mir was … irgendwas, das bleibt!” Diesem „irgendwas” nachzuspüren lohnt nur, wenn es zum konkreten „hier ist es” wird.

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Warum sich in unserer hektischen und oft gnadenlos vergesslichen Zeit nicht einmal neu an Jesus Christus und seine zeitlos wichtigen Taten und Botschaften erinnern? Es lohnt sich, denn die Zeit damals war ähnlich turbulent wie heute. Eine im Vergleich zu uns Menschen beeindruckende Konstanz bietet sogar die sich ebenfalls verändernde Natur. Weist ihr enormes Potential ausgereifter und stets umweltverträglicher Ideen nicht ebenfalls auf einen ihr übergeordneten Schöpfer hin? Die Natur lässt Ingenieure und Entwickler zunehmend aufhorchen und genauer hin schauen. Sie ermöglicht es, z.B. die Energiegewinnung, die Mobilität und den Informationsaustausch effizienter und umweltverträglicher zu gestalten.

Nach christlichem Verständnis ist es nicht die Natur, sondern Gott, der unvergängliche und unveränderliche Schöpfer dieser Welt, dem die Ehre gebührt. Er will uns nicht nur durch staunendes Erforschen der Natur, sondern vielmehr durch Jesus Christus zum Innehalten und Nachdenken bewegen. Seine Sicht der Dinge unterscheidet ihn generell von heutigen politischen  Phrasen mit vorhersehbarem Ablaufdatum. Jesus Christus kann auch heute zum persönlichen Freund, Retter und “Anker” in der Zeit werden und damit den Blick aufs Wesentliche schärfen. Er ist nach wie vor relevant für unsere Welt! Die ernsthafte Beschäftigung mit der wichtigen Botschaft des „Buches der Bücher” kann durchaus helfen, oberflächlichen Egoismus, Aktionismus und Materialismus zu vermeiden. Die so gar nicht überholte Botschaft der Bibel und die mit ihr verknüpfte Ethik kann helfen, schnelle technische, politische und wirtschaftliche Veränderungen mit größerer innerer Ruhe anzugehen, ohne das so wichtige menschliche Miteinander zu vernachlässigen. Mit dieser Perspektive wollen wir helfen, trotz schwieriger und in immer schnellerer Abfolge auftretender Herausforderungen gelassen und hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken.

Winfried Borlinghaus