Editorial

Meinungsfreiheit

20140204_033800-1980Schon seit Längerem hat man das Gefühl, dass Meinungsfreiheit nur in Form einer subtil gelenkten Einheitsmeinung möglich ist. Ist sie vielleicht nur eine Scheinfreiheit, bei der man sich lediglich innerhalb gut getarnter Grenzen frei äußern darf? Im Zusammenhang mit dem Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo in Paris rückte das Thema wieder massiv in den Vordergrund. Und tatsächlich ist die Meinungsfreiheit bedroht. Die fast euphorische Massen-Solidarisierung mit „Charlie“ wirft jedoch kritische Fragen auf, die gehört werden müssen. Denn Meinungsfreiheit ist nicht nur durch islamistischen Terror sondern paradoxerweise genau durch diejenigen bedroht, die sie sich auf die Fahne geschrieben haben. Wieso müssten sonst Angestellte einer Universität oder Firma, ja selbst Würdenträger der Kirchen oder ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Vereinen um Position und Ansehen fürchten, wenn sie unübliche, z.B. eher konservative Denkansätze vertreten? In den Naturwissenschaften wird jeder nicht materialistische Ansatz vehement bekämpft und im sozialen Bereich werden christliche Werte als überholt und als hinderlich verunglimpft, obwohl sich unsere Gesellschaft ursprünglich genau auf solche Werte gründete. John Lennox, ein überzeugter Christ und Professor der Oxford University, legt den Finger in die Wunde und plädiert für mehr Freiheit des Denkens in Philosophie und Wissenschaft. Das politische Handeln und das gesellschaftliche Miteinander in Europe wird durch Einseitigkeit zunehmend negativ beeinflusst und extremistische Verhaltensweisen dadurch gefördert. Meinungsfreiheit kann sicher nicht in Form von Denkverboten etabliert werden und darf sich nicht durch immer einseitiger gezogene Grenzen selbst gefährden indem immer weniger Bürger ernstgenommen werden und mitreden dürfen.

Wifnried Borlinghaus