Die Wüste in mir (August 2015)

Eine der eindrucksvollsten Wüstenlandschaften Israels ist der größte Erosionskrater der Welt, der Makhtesh Ramon. Ein Foto aus dem Inneren dieses Kraters in der nördlichen Negev-Wüste war der Anlass für Alfonso B., sich an eine von ihm und seinem Freund durchgeführte mehrwöchige Wanderung durch die Namib-Wüste zu erinnern. Angesichts der harten äußeren Bedingungen und seinen etwas zu engen Schuhen, die üble Blasen verursachten, fragte er sich nach noch nicht einmal der Hälfte der riesigen Strecke: „Warum tue ich mir das an?“ Aber es blieb den beiden nur eine Möglichkeit: sich gegenseitig zu ermutigen, das Ziel im Auge zu behalten und weiterzugehen. Völlig erschöpft und lädiert, aber glücklich erreichten sie nach 40 Tagen ihr Ziel am Kunene-Fluss im Norden.

Die Extrem-Erfahrung geht tief und Alfonso wird nachdenklich: „Hat nicht jeder von uns eine Wüste in sich? Oder macht nicht jeder von uns ab und zu eine Art Wüsten-Erfahrung durch? Und dann gibt es diejenigen, deren ganzes Leben einer Wüste gleicht. Wie gehen wir als Christen mit den Menschen um, die in der Wüste ihres Lebens auf der Strecke zu bleiben drohen? Es könnten sogar Menschen ganz in unserer Nähe sein, denen es so geht. Obdachlose, Gefangene, Alte, Kranke, Einsame am Rande der Gesellschaft, Nachbarn vielleicht! Nein, wir können nicht einfach wegsehen, andere in der Wüste zurücklassen und uns mit Sprüchen beruhigen wie: das hat er sich sicher selbst eingebrockt! Jesus lässt niemanden in der Wüste seines Lebens allein, wenn er verdurstend um Hilfe ruft. Er hilft auf und führt ans Ziel, dass der Verzweifelte längst aus den Augen verloren hat. Er selbst hat das vorbildlich gelebt. Kann ich von mir behaupten, dass ich anderen so selbstverständlich helfe, wie es Jesus in seiner sogenannten Endzeitrede anspricht und der die Nähe zu ihm mit der Nähe zu den Hilfesuchenden der Welt vergleicht: >Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet? Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?< (Mt 25,34ff).

Und wenn wir selbst die Hilfesuchenden sind, dann ist keine Wüste so lebensfeindlich und durch Schuld, Sünde und Leid zur so ausweglosen Sackgasse geworden, dass sie nicht gleichzeitig der Ort der Gegenwart Jesu werden könnte. Er kommt in unsere persönliche Wüste um uns Versöhnung und Frieden zu bringen und uns zum guten Ziel zu leiten!

Foto: W. Borlinghaus, Gedanken von Alfonso B.