Biblische Pilze

Pilze, wie diese Schleimrüblinge im Welzheimer Wald sind nicht gerade typisch biblische Gewächse. Den Begriff Pilz oder Pilze sucht man in einer Konkordanz, z.B. zur Lutherbibel, vergeblich. Aber zwei Propheten nennen Pilzarten als zerstörerische Parasiten von Getreide oder Früchten (z.B. in der Luther- und Einheitsübersetzung). Der Prophet Amos spricht von Rost und Mehltau, Haggai von Getreidebrand und Mehltau. In Amos 4,9 und Haggai 2,17 werden solche, nicht auf den ersten Blick als Pilze erkennbare Schädlinge als Strafe Gottes aufgezählt. Dort wo sie wachsen, werden wertvolle Lebensmittel zerstört oder vergiftet. Wer in Mitteleuropa von Pilzen spricht, denkt zumeist an die essbaren Fruchtkörper verschiedener Hutpilze, doch die sind hier nicht gemeint.

In den erwähnten biblischen Texten sind Pilze sozusagen eine zerstörerische Naturgewalt. Im Getreideanbau ist bis heute der hochgiftige Mutterkorn-Pilz gefürchtet, zu dem es sogar eine EU-Grenzwert-Verordnung geben muss. Schon die genannten Propheten erwähnen solche Pilze und betonen, dass der Schöpfer über sie verfügt, um Menschen zur Verantwortung zu ziehen und sie zur Umkehr zurück zu ihm zu bewegen. Erst wem das tägliche Brot genommen wird, macht sich Gedanken darüber, woher er es eigentlich hat. Wenn sich schädliche Pilze epidemieartig über Früchte und Lebensmittel hermachen, wird klar, dass deren täglicher Genuss nur möglich ist, wenn Wachstum und Reife ohne „Störfall“ verlaufen. Hast Du dem Schöpfer schon mal für diesen gar nicht selbstverständlichen „Normalfall“ gedankt?

Foto und Text: W. Borlinghaus, Korntal