“Auf der Strecke bleiben” ist manchmal nicht schlecht! (September 2015)

Ein Zug der Rhätischen Bahn windet sich die anspruchsvolle und bis zu 35 ‰ steile Adhäsionsbahn des Albula-Passes in der Ostschweiz hinab nach Bergün. Für Eisenbahn- und Technik-Begeisterte ist die Fahrt über unzählige Brücken, Schleifen, durch Tunnels und Galerien ein Hochgenuss! Die Leistung der Planer und Erbauer dieser Strecke lässt sich dabei nur erahnen. Zwischen St. Moritz im Engadin und Thusis auf der Nordseite sind sage und schreibe 144 Brücken und 42 Tunnels nötig, um das anspruchsvolle Gelände zu überwinden, weshalb diese Strecke zu den spektakulärsten Schmalspurstrecken (1000 mm) der Welt gehört und als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde. Wer im Zug sitzt, muss ein großes Vertrauen in die Technik und die regelmäßige und ordnungsgemäße Wartung haben, die oft unsichtbar für den Fahrgast erfolgt. In diesem Fall bekommt die Formulierung “auf der Strecke bleiben” einen anderen, positiven Sinn! Ein Vergleich mit der Strecke des eigenen Lebens samt seinen „Kurven“, Wendungen, dunklen und hellen Passagen drängt sich auf. Wie oft haben auch wir keine andere Wahl als unserer vorgegebenen Strecke zu folgen und wie wichtig ist dabei die unsichtbare „Wartung“ Gottes, ohne die wir hoffnungslos entgleisen würden.

Foto und Text: Winfried Borlinghaus, Korntal