Gottes Wille: unsere Heiligung

1. Thessalonicher 4,1-12 

 

1 Weiter, liebe Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus – da ihr von uns empfangen habt, wie ihr leben sollt, um Gott zu gefallen, was ihr ja auch tut -, dass ihr darin immer vollkommener werdet.2 Denn ihr wisst, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus. 3 Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht 4 und ein jeder von euch seine eigene Frau zu gewinnen suche in Heiligkeit und Ehrerbietung, 5 nicht in gieriger Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen.6 Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist ein Richter über das alles, wie wir euch schon früher gesagt und bezeugt haben. 7 Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung. 8 Wer das nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen Heiligen Geist in euch gibt. 9 Von der brüderlichen Liebe aber ist es nicht nötig, euch zu schreiben; denn ihr selbst seid von Gott gelehrt, euch untereinander zu lieben. 10 Und das tut ihr auch an allen Brüdern, die in ganz Mazedonien sind. Wir ermahnen euch aber, liebe Brüder, dass ihr darin noch vollkommener werdet, 11 und setzt eure Ehre darein, dass ihr ein stilles Leben führt und das Eure schafft und mit euren eigenen Händen arbeitet, wie wir euch geboten haben, 12 damit ihr ehrbar lebt vor denen, die draußen sind, und auf niemanden angewiesen seid. (LUT84)

Situation

Nachdem Paulus ermutigende persönliche Worte an die Thessalonicher gerichtet hat und mehrfach für sie Thessalonicher gebetet hat (1,2-3,13), kommt er nun zu einigen ermahnenden Worten (4,1-5,22). V.3a ist gewissermaßen die Überschrift für den folgenden den Abschnitt: „Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung.“

Erklärung zum Text

V.4 ist möglicherweise der am schwierigsten zu übersetzende Vers im .Thessalonicherbrief. Exemplarisch hier zwei unterschiedliche Übersetzungen genannt. Luther übersetzt: „[dass] jeder von euch seine eigene Frau zu gewinnen suche…“. Die NGÜ dagegen übersetzt: „Jeder von euch muss lernen, Herr über seine Triebe zu sein“. Die Schwierigkeit liegt in der Übersetzung des Wortes skeuos. Wörtlich kann es mit Gefäß übersetzt werden, so z.B. in Röm 9,21. Die folgenden Verse zeigen aber bereits, dass es das Wort oft bildlich verwendet wird, denn „die Gefäße des Zorns“ (V.22) und „die Gefäße des Erbarmens“ (V.23) meinen Personen. Wenn Paulus vom „eigenen Gefäß“ spricht (so die revidierte Elberfelder Übersetzung), dann kann er damit (1) entweder den eigenen Körper (2Kor 4,7) oder (2) die eigene Frau (1Petr 3,7) meinen. Die erste Möglichkeit scheint am naheliegendsten zu sein.

Die Übersetzung von V.6 ist ebenfalls umstritten. Luther übersetzt: „Niemand übervorteile […] im Handel“ (vgl. HfA). Diese Übersetzung ist sprachlich möglich, vom Kontext her aber unwahrscheinlich. Paulus spricht in V.3-5 und ebenso in V.7 deutlich über sexuelle Reinheit. Deshalb ist es schwer zu erklären, warum Paulus mitten in seinem Argument das Thema wechseln sollte. Sprachlich ebenso möglich und deutlich wahrscheinlicher den richtigen Sinn treffend ist die Übersetzung der NGÜ: „Keiner darf in diesen Dingen […] seinen Bruder betrügen.“ (vgl. Rev. Elb, Schlachter 2000, NeÜ).

Fragen zum Text

  • Manche Menschen sagen grundsätzlich erst etwas positives, bevor sie kritisieren. Manchmal weiß man dann schon bei einem Kompliment, dass gleich ein ernstes Thema angesprochen wird. In welches Verhältnis gehören Ermutigung und Ermahnung deiner Meinung nach? Ist eins wichtiger als das andere?
  • Als Schlüssel für sexuelle Reinheit nennt Paulus die Selbstbeherrschung (4,4f). Würdest du dem zustimmen? Auf welche anderen Bereiche des Lebens als Christ lässt sich das noch übertragen? Warum ist Selbstbeherrschung so wichtig?
  • Gott hat uns zur Heiligung berufen (4,7). Wie können wir erreichen, dass Gottes Berufung unser persönliches Lebensziel wird?
  • Paulus sieht Gottes Wirken in den Thessalonichern (4,9), ermutigt sie aber weiter vorwärts zu gehen (4,10). Perfektion werden wir nie erreichen. Warum  sollten wir uns nicht mit einem „gut“ zufrieden geben? Welche Rolle sollte ein kontinuierliches Ausstrecken nach mehr im Leben eines Christen spielen (vgl. Phil 3,13f)?
  • Welche Rolle soll Arbeit im Leben eines Christen spielen (4,11f)? Was kann dich motivieren deine Arbeit gut zu tun?

Richtungswechsel

Oft fragen wir nach Gottes Willen für bestimmte Entscheidungen in unserem Leben und vergessen dabei, was selbstverständlich sein sollte. Gottes Wille ist (vor allem) unsere Heiligung. In welchem der drei genannten Bereiche (Sexualität (V.3-8), Liebe zu anderen Christen (V.9f), Arbeitsmoral (V.11f)) hast du besonders zu kämpfen? Welche Schritte kannst du konkret unternehmen, um nach Gottes Willen zu leben?